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Eltern können aufatmen: Drei neue Sitze für Kinder- und Jugendärzte erlaubt die KVB.

KVB gibt 12,5 neue Sitze frei – 111 Allgemeinmediziner für 162 000 Menschen

Mehr Ärzte für den Landkreis

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Wer im Landkreis einen Arzttermin braucht, muss oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Einige Praxen nehmen wegen Überlastung schon keine neuen Patienten mehr auf. Jetzt ist eine Verbesserung in Sicht.

Erding - Denn die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) gibt insgesamt 12,5 neue Sitze für Kassenärzte frei. „Grund dafür ist die Reform der Bedarfsplanung, die auf bundesweiten Vorgaben beruht und nun auch in Bayern umgesetzt wird“, teilt die KVB mit.

Nach deren Angaben gibt es derzeit im Landkreis 111 Allgemeinärzte, die für 162 000 Menschen zuständig sind. Erding wird dabei in eine südliche (76 Mediziner für 111 000 Menschen) und eine nördliche Region (35 Ärzte für 52 000 Menschen) aufgeteilt. Die Trennlinie verläuft von Nordwesten nach Südosten.

„Die Bedarfsplanung regelt, wie viele Ärzte und Psychotherapeuten in bestimmten Regionen – den sogenannten Planungsbereichen – zugelassen werden können. Sie soll Patienten einen gleichmäßigen Zugang zur ambulanten vertragsärztlichen Versorgung ermöglichen“, teilt die KVB mit. Der Gesetzgeber hatte eine Neuregelung veranlasst, die der Gemeinsame Bundesausschuss in Berlin im Sommer 2019 abgeschlossen hat und die bis zum Ende des Jahres in den einzelnen Bundesländern umzusetzen war. Die hierfür notwendigen Beschlüsse wurden nun für Bayern getroffen und durch das bayerische Gesundheitsministerium im Dezember genehmigt.

3,5 zusätzliche Hausarztsitze

Bei den Allgemeinärzten beziehungsweise hausärztlichen Internisten können sich im Norden 2,5 und im Süden ein neuer Kassenarzt niederlassen. Auch die von vielen Eltern als unzureichend beschriebene Versorgung durch Kinder- und Jugendärzte könnte sich bessern. Gleich drei neue Stellen gibt die KVB frei. 1,50 zusätzliche Stellen sieht sie im Bereich der Nervenärzte für erforderlich an. Besonders hoch scheint der Bedarf an einer besseren Versorgung durch Psychotherapeuten zu sein. Gleich 4,5 neue Arztsitze stehen zur Vergabe an – ein Indiz für die Zunahme seelischer Leiden.

Eine ausreichende oder gar Überversorgung attestiert die KVB bei den Augenärzten, bei den Chirurgen und Orthopäden, bei den Frauenärzten, bei den Hautärzten, bei den Hals-, Nasen-, Ohrenärzten (HNO) sowie bei den Urologen.

Gerade bei den Hausärzten, die seit Jahren am Limit arbeiten, ist eine Verbesserung überfällig. Der Altersdurchschnitt der Allgemeinmediziner liegt laut KVB im südlichen Landkreis bei 53,9 und im Norden bei 55,6 Jahren. Bayernweit beträgt der Mittelwert 55,4 Jahre. 2017 war im Landkreis von einem flächendeckenden Aufnahmestopp von Patienten die Rede. Der damalige Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes, Dr. Elmar Gerhardinger, glaubte vor zwei Jahren nicht an eine zeitnahe Besserung der Lage. Er könne sich nicht vorstellen, dass die KVB zusätzliche Zulassungen vergeben werde. Dafür stünden die Mittel nicht zur Verfügung.

Praxen finden keine Nachfolger

Sein Nachfolger Dr. Markus Marschall hatte im Herbst in einem Interview erklärt: „Ich würde sagen, die Lage ist bei uns noch gut.“ Aber es gebe gerade in ländlichen Gebieten Fälle, in denen Hausarztpraxen nicht hätten nachbesetzt werden können. Als Beispiel nannte der Lungenfacharzt aus Erding die Gemeinde Wartenberg, in der es drei Praxen ohne Nachfolger gegeben habe. Jetzt seien es zwei.

Doch zusätzliche Kassensitze bedeuten nicht eine sofortige Verbesserung, dämpfen die KVB-Vorstände Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp die Erwartungen. „Neue Niederlassungsmöglichkeiten bedeuten nicht automatisch, dass sofort auch Ärzte und Psychotherapeuten zur Verfügung stehen, um diese zu nutzen. Wegen des zunehmenden Ärztemangels ist es eine große Herausforderung für alle Beteiligten, die neu entstehenden Sitze auch zu besetzen.“ Aber durch die Reform „können sich insbesondere auf dem Land Möglichkeiten ergeben, die ambulante Versorgung punktuell zu verbessern“. Die Besetzung regelt laut Krombholz, der eine Praxis in Isen führt, nicht die KVB. Dafür seien die Zulassungsausschüsse in den Regierungsbezirken zuständig.

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