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Von seinem „wichtigsten Herzensanliegen“ spricht Landrat Martin Bayerstorfer, wenn es um das Schulbauprojekt in Guinea/Westafrika geht. Dort soll mit Spendengeldern aus dem Landkreis Erding eine bestehende Schule erweitert und aufgewertet werden. 60 000 Euro muss Bayerstorfer dafür sammeln. Helfen sollen ihm dabei Gemeinden, Schulen und die Wirtschaft.

Bayerstorfer will Spenden sammeln und Fluchtursachen bekämpfen

Landkreis baut Schule in Westafrika

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Der Landkreis will in Westafrika eine schule für 285 bauen. Die nötigen 60 000 Euro will der Landrat von Sponsoren bekommen.

Erding – Der Landkreis Erding will mit der internationalen Organisation Fly & Help in Guinea/Westafrika eine Schule für 285 Kinder bauen. Das Geld dafür holt sich Landrat Martin Bayerstorfer bei Sponsoren – Wirtschaft, Schulen und Gemeinden. Hat er damit Erfolg, könnten weitere Einrichtungen unter dem Dach „1000 Schulen für unsere Welt“ folgen.

Am Freitag hatte Bayerstorfer potenzielle Unterstützer ins Landratsamt geladen. Bei Häppchen, Kaffee und Bier sprach der CSU-Kreisvorsitzende von seinem „wichtigsten Herzensanliegen“. Auf einer Landräte-Tagung habe er „1000 Schulen für unsere Welt“ kennen gelernt. Im Kreistag holte er sich das Plazet, als Person, nicht als Landrat Spenden zu sammeln.

Schulhausbau: Bekämpfung von Fluchtursachen?

Mittlerweile darf er das ganz offiziell, denn das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fordert die Kommunen geradezu dazu auf, ihren Beitrag zur Stärkung der Schwellen- und Entwicklungsländer zu leisten. Das Projekt wird von den kommunalen Spitzenverbänden (Gemeinde-, Städte- und Landkreistag) unterstützt.

Bayerstorfer sieht in dem Schulhausbau einen Beitrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen. Er blickte auf die Zeit ab 2014 zurück, „als jeden Freitag zahlreiche Flüchtlinge nach Erding gekommen sind, als wir die Berufsschulturnhalle in ein Notquartier mit 250 Schlafplätzen umwandeln mussten“. Camp Shelterschleife, der Warteraum des Flüchtlings-Bundesamts, zeige, dass die Asylfrage immer noch aktuell sei.

Kein Millionenbetrag – Für 60 000 Euro eine neue Schule in Afrika

In Erding werden gerade die Landwirtschaftsschule erweitert, das Korbinian-Aigner-Gymnasium bekommt eine neue Mensa mit Küche, und das Anne-Frank-Gymnasium steht vor einer neuen Dreifachhalle und einem Anbau mit Fach- und Klassenräumen. Dafür wendet der Landkreis einen zweistelligen Millionenbetrag auf. Die Schule in Guinea ist viel günstiger. Knapp 60 000 Euro benötigt der Verein abed Deutschland e. V, der in Westafrika tätig ist.

Es geht um die Erweiterung einer Grundschule. Drei Zimmer gibt es schon, drei weitere sollen folgen. Profitieren würden davon etwa 285 Mädchen und Buben. In diesem Zuge sind auch ein Lehrerzimmer, ein Trinkwasserbrunnen und Latrinen geplant. Dazu ist ein weiteres Gebäude vorgesehen, das langlebig aus Beton und Ziegelsteinen gebaut würde. Den Unterhalt finanzieren die örtliche Schulbehörde und zum Teil die Familien. Die Lehrer stellt der Staat.

Niagara: In 78 Stunden Entfernung zu Erding

Die Schule befindet sich in dem Dorf Niagara, das zur Kommune Mamou gehört. Mamou ist zugleich der Hauptort der gleichnamigen Region und Präfektur. Sie gilt als wichtiger Verkehrsknoten. Von Erding nach Niagara sind es über 6600 Kilometer Landweg. Laut Navi wäre man mit dem Auto 78 Stunden unterwegs – sofern keine Staus dazwischen kommen.

Mamou steht für Kunsthandwerk und extensive Landwirtschaft – Obst, Gemüse, Süßkartoffeln, Tee und Erdnüsse. 2014 war Guinea auf entsetzliche Weise von Ebola heimgesucht worden.

Afrika: 20 Millionen neue Arbeitsplätze jedes Jahr

Dirk Schwenzfeier vom Entwicklungshilfeministerium sprach von einem Weltzukunftsvertrag: „Wir brauchen neue globale Partnerschaften.“ Dabei spielten die Kommunen eine wichtige Rolle. Sie würden vom Ministerium auch beraten. Das Schulprojekt gehöre dazu. Aber auch kommunale oder Klinik-Partnerschaften seien erwünscht.

Schwenzfeier betonte: „Afrika ist ein Wachstums- und Chancenkontinent, auf dem jedes Jahr 20 Millionen neue Arbeitsplätze benötigt werden.“ Hätten die Menschen dort Perspektiven, würde das Fluchttendenzen entgegenwirken.

Der Demokratie zum Durchbruch verhelfen

Der frühere Erdinger Bundestagabgeordnete Max Lehmer forderte den Bund auf, die Entwicklungshilfe effizienter zu gestalten. „Wir brauchen mehr Zielvorgaben und Kontrolle, damit den Menschen dort wirklich geholfen werden kann.“

Der Isener Schulleiter Michael Oberhofer mahnte an, der Demokratie dort zum Durchbruch zu verhelfen.

Einige Schulen sagten ihre Unterstützung zu, ebenso erste Gemeinden. Bayerstorfer hofft, „dass wir in etwa in einem halben Jahr die 60 000 Euro zusammenhaben“. Das Engagement müsse dann aber noch nicht zu Ende sein.

Hans Moritz

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