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Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher. Der Landkreis Erding rüstet sich für den Ernstfall (Symbolbild).

Landkreis Erding rüstet sich für den Ernstfall

Kampf gegen die Schweinepest: Jäger dürfen jetzt Nachtzielgeräte einsetzen

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Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher. Der Landkreis Erding rüstet sich für den Ernstfall - auch dank einer Gesetzesnovelle, die Jägern den Einsatz von Nachtzielgeräten erlaubt.

Erding – Der Gesetzgeber hat den Jägern kurz vor Weihnachten buchstäblich eine neue Waffe im vorbeugenden Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) an die Hand gegeben: Jagdscheininhaber dürfen auf Antrag Nachtsichtvorsatz- und Nachtsichtaufsatzgeräte einsetzen. Das war bis dato streng verboten, teils fielen die Geräte, die die Tiere auch bei Dunkelheit sichtbar machen, unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Nun hat der Bundesrat einer Gesetzesänderung den Weg bereitet.

Afrikanische Schweinepest: Zuletzt in Polen nachgewiesen

„Wir können bei besonderen Problemlagen entsprechende Anträge genehmigen“, berichtet Landrat Martin Bayerstorfer (CSU). Und eine „besondere Problemlage“ kann bei der Bejagung von Wildschweinen vorliegen – ein Mittel, um den Einzug der ASP in den Landkreis zu verhindern. Der Jagdbehörde im Landratsamt lagen zuletzt 20 Anträge von Jägern vor, die Behörde durfte sie aufgrund der gesetzlichen Lage nicht anfassen.

Die ASP ist in Europa auf dem Vormarsch. Zuletzt wurde sie in Polen nachgewiesen – 40 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Schon seit Jahren rüsten sich Jäger, Schweinezüchter und Politik für den Kampf gegen die Tierseuche.

Ungefährlich für den Menschen, umso riskanter für Zuchtschweinebestände

Für den Menschen ist die ASP ungefährlich, umso riskanter aber für Zuchtschweinebestände. Für den Landkreis gilt das besonders, denn mit über 65 000 Tieren sind die Bestände im Erdinger Land überdurchschnittlich hoch, es sind mit die größten in ganz Oberbayern. Ein ASP-Ausbruch hätte nach den Worten Bayerstorfers dramatische Auswirkungen: Wird auf einem Hof ASP festgestellt, würde dieser gesperrt. Alle Tiere müssten gekeult, sprich getötet werden. Die zweite Konsequenz: Der Export von Fleisch und Wurst würde zusammenbrechen. Denn die Erzeugnisse dürften nicht mehr vermarktet werden.

Auf Antrag ab sofort erlaubt sind Nachtsichtvorsat z- und Nachtsichtaufsatzgeräte. Dem Landratsamt liegen bereits 20 Anträge von Jägern vor.

Schon seit Jahren drängt die Behörde auf eine möglichst intensive Bejagung des im Landkreis ebenfalls recht hohen Jagdwildbestands. Doch die Jäger kommen den Wildschweinen, die vor allem nachts aktiv sind, kaum auf die Spur. Entsprechend gering waren in den vergangenen Jahren die erlegten Strecken.

Auch der Bauernverband drängt auf die Freigabe von Nachtzielgeräten

Der Bauernverband – Schwarzwild ist auch in der Lage, ganze Felder zu verwüsten – drängt schon länger auf die Freigabe von Nachtzielgeräten. Dies musste die Kreisverwaltung bis jetzt immer ablehnen. Bayerstorfer begrüßt die Gesetzesnovelle. „Wir bereiten uns mit verschiedenen Maßnahmen auf einen möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor. In Bezug auf die Nachtsichtvorsatzgeräte wurde nun Rechtssicherheit geschaffen und die haftungsrechtlichen Fragen für die Landratsämter geklärt.“

Er berichtet, dass die ASP-Abwehr im zu Ende gegangenen Jahr aufwendig betrieben worden sei. Dazu wurde die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Schwarzwild gegründet – mit Vertretern der Behörden, der Jagd und der Landwirtschaft. Es gab Informationsveranstaltungen und Plakataktionen.

Wahrscheinlicher ist, dass der Mensch den Erreger einschleppt

Denn infizierte Wildschweine stellen laut Bayerstorfer nur einen Übertragungsweg der ASP dar. Wahrscheinlicher hingegen ist, dass der Mensch den Erreger einschleppt – etwa mit einer auf einem Autobahnparkplatz achtlos weggeworfenen Semmel mit ASP-infizierter Salami. Denn die Erreger bleiben selbst in Lebensmitteln monatelang aktiv. Eine infizierte Wurst könnte von Wildschweinen gefressen werden. Deswegen wurden an der A 92 und der A 94 Warnschilder aufgestellt.

Der Landrat berichtet auch, dass die Behörden bei der Reduktion der Schwarzwildbestände unterstützten. „Wir bereiten uns aber auch auf den Ausbruch der ASP im Erdinger Land vor.“ Dazu gehörten Tierseuchenübungen, Zusammenstellung und Schulung von Trupps, die die toten Wildschweine bergen, sowie die eventuell notwendige Einzäunung eines befallenen Gebiets.

Landratsamt kann sich Drückjagden vorstellen, Bauernverband sieht es kritisch

Auch Drückjagden kann sich das Landratsamt vorstellen, für die Straßen gesperrt werden könnten, so der Landrat. Diese Form der Bejagung sieht der Bauernverband kritisch. Im Sommer hatte Kreisobmann Jakob Maier darauf hingewiesen, dass sie für die Tiere einen enormen Stress darstellten und das Gefahrenpotenzial hoch sei – für Jäger, deren Hunde, aber auch Autofahrer und Spaziergänger. Im August war in der Oberpfalz ein unbeteiligter Autofahrer erschossen worden.

Zwei Saufänge wurden bereits genehmigt. Besonders hoch ist der Schwarzwildbestand in den Bereichen Westach und Mittbach. Auch Drohnen werden eingesetzt.

Informationen

für die jagdrechtliche Ausnahmegenehmigung gibt es in der Jagdbehörde des Landratsamts unter Tel. (0 81 22) 58 12 05.

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