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Von: Hans Moritz

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Unterricht ohne Schwamm und Kreide: In den Klassen stehen längst interaktive Whiteboards. Jetzt will der Landkreis Touch Displays einführen. ©  Hans Lippert

Bei der Digitalisierung der Schulen geht der Landkreis Erding nun den nächsten Schritt.

Erding - Die Kreidezeit mit Schwamm und Tafel ist an den Schulen des Landkreises schon seit fast zehn Jahren vorbei. 2013/14 wurden die weiterführenden Schulen mit 430 interaktiven Whiteboards ausgestattet – mit Anbindung an Laptop, Beamer und Internet. Nun kommen die Geräte in die Jahre. Erding steht vor dem nächsten Schritt der Digitalisierung.

Den stellte Harald Wirth im Ausschuss für Bildung und Kultur des Kreistags vor. Er berichtete, dass die Whiteboards allmählich an das Ende ihrer Lebensdauer kämen. Es sei immer schwieriger, an Ersatzteile zu kommen.

Bereits im Mai 2019 hatte der Ausschuss beschlossen, die FOS/BOS mit Touch Displays auszustatten – gewissermaßen riesige Smartphones, über die man mit dem Finger wischen und sie so bedienen kann. Schon damals, so Wirth weiter, habe man eine entsprechende Ausstattung aller Schulen angepeilt. Drei Musterklassenzimmer wurden eingerichtet.

Für die Umsetzung hat sich der Landkreis einen Projektanten ins Boot geholt. Der erarbeitete zwei Kostenvoranschläge: 430 Touch Displays für eine Summe zwischen 3,9 und 5,5 Millionen Euro. Der Ausschuss entschied sich für die teurere Variante. Die Umsetzung ist für die Jahre 2022 bis 2024 geplant. 1,6 Millionen Euro Förderung gibt es aus dem „Digitalpakt Schule“.

Los gehen soll es kommendes Jahr mit der Realschule Taufkirchen und den beiden Gymnasien in Erding. 2023 sollen das Gymnasium Dorfen, das Förderzentrum Erding, die Herzog-Tassilo-Realschule und die Berufsschule folgen, 2024 dann die Landwirtschaftsschule und das Förderzentrum Dorfen.

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) forderte vom Berater eine nachhaltige Umsetzung. Immerhin geht es um 430 Altgeräte beziehungsweise -tafeln.

Der erklärte, die Beamer seien teilweise noch nutzbar, die Whiteboards könnte man zum Beschreiben nutzen. Es gebe aber auch Firmen, die die Tafeln verwerten. Nicht zuletzt könne man sie auch spenden. Das war Bayerstorfer zu intransparent. Er forderte ein klares Konzept. Den Platz zum Einlagern habe man nicht. Und er verlangte eine Garantie, dass Ersatzteile mindestens zehn Jahre lang verfügbar sein müssen.

Die Schulen selbst treiben die Digitalisierung ebenfalls voran. Im Ausschuss stellten Direktorin Andrea Hafner und Lehrer Stefan Grabrucker das Konzept des Korbinian-Aigner-Gymnasiums (KAG) vor. Das ist ehrgeizig: Das KAG will nach den Worten Hafners seine Rolle als eine der bayernweiten Vorreiterschulen in diesem Bereich weiter ausbauen – im alltäglichen Unterricht, nicht als eigenen Zweig. Die Schüler bringen ihre Endgeräte dabei selbst mit. Hafner berichtete, dass man bereits vor den Schulschließungen im März 2020 gut aufgestellt gewesen sei. „Wir konnten nahtlos in den Distanzunterricht übergehen. Bis heute können Schüler, die sich mit Corona angesteckt haben oder deswegen in Quarantäne sind, von zu Hause aus dem Unterricht folgen.“

Grabrucker berichtete, die digitale Bildung erstrecke sich über alle Fächer. Für die Lehrer gebe es – verpflichtende – Fortbildungen.

Hafner strebt weitere „Leuchtturmprojekte“ an. Medienreferenzschule sei man schon, sogar Elternabende mit mehreren hundert Teilnehmern habe man durchgeführt. Selbst der Sportunterricht sei während der Lockdowns digital abgehalten worden (wir berichteten). In den Jahrgangsstufen fünf bis sieben sei es digital unterstützter Unterricht, ab der achten Klasse strebt das KAG einen flächendeckenden Unterricht mit Tablet, Internet & Co an. Für Hafner ist „das Digitale die Kulturtechnik des 21. Jahrhundert“. Kritik übte sie am Kultusministerium, das seit Jahren zu wenig Stunden für Administratoren zur Verfügung stelle. Da sei man noch sehr 1.0.

Auch das Anne-Frank-Gymnasium geht den digitalen Weg. Nach den Weihnachtsferien sollen die Schüler ebenfalls mit selbst beschafften Endgeräten zum Unterricht kommen, die dann fächerübergreifend eingesetzt werden.

ham

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