Kommentar zur Landrats-Nominierung von Martin Bayerstorfer

Geschlossene CSU und ergrünte FW

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Die CSU steht voll und ganz hinter Landrat Martin Bayerstorfer. Zu verdanken hat er das seinem Koalitions-Gegenkandidaten Hans Schreiner (FW). Auch dessen Partei ist dabei, sich zu verändern. Für beide Seiten ist das Risiko nicht unerheblich, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Angela Merkel kam 2005 ins Amt, und seit geraumer Zeit wird die CDU ihrer Kanzlerin überdrüssig. Martin Bayerstorfer ist seit 2002 Landrat, und seine CSU steht zu ihm so geschlossen wie nie.

Dass Bayerstorfer mehr denn je unangefochten ist, hat er einem Mann zu verdanken: seinem Gegenkandidaten Hans Schreiner. Auch wenn weder sein Name noch seine Koalition aus Freien Wählern, Grünen und SPD auch nur mit einer Silbe erwähnt wurden, waren sie dennoch präsent. Die CSU weiß, dass einer, der von drei Parteien getragen wird, dem Amtsinhaber gefährlich werden kann. Deshalb geschah in Oberbierbach das Übliche: Droht Gefahr, schließen die Christsozialen die Reihen um ihren Spitzenmann.

Auch der politische Gegner wird zugeben müssen: Die Politik Bayerstorfers ist keine schlechte. Dass der Landkreis in Deutschland so gut da steht, ist auch ihm zu verdanken. Jüngstes Beispiel: Das Bildungszentrum für Gesundheitsberufe strahlt über die Region hinaus. Die Bildungslandschaft ist hervorragend aufgestellt. Allen Kritikern zum Trotz scheint er das Klinikum wieder auf Kurs zu bringen.

Die Schreiner-Koalition weiß, dass sie Bayerstorfer inhaltlich auf den zentralen Politikfeldern wenig am Zeug flicken kann, zumal sie meist mit der CSU gestimmt hat. Sie will vielmehr einen Klimawandel im Landratsamt. In der Tat ist es die Schwäche des Landrats, alles an sich zu ziehen und kontrollieren zu wollen sowie seine Macht ungeniert auszuspielen.

Es klingt verlockend, dass Schreiner vor Entscheidungen die Bürger und die Fraktionen intensiv und ergebnisoffen einbinden will. Ihm muss klar sein, dass Führung auf diese Weise schwer ist.

Was vom Wahlprogramm der Koalition bislang bekannt ist, deutet auf eine ausgabenorientierte Politik hin: etwa die Förderung von Elektrofahrzeugen und ein breiter Ausbau des Busnetzes. Die Eckpunkte tragen ganz klar eine grüne Handschrift. Damit ergrünen auch die Freien Wähler. Sie müssen aufpassen, ihr an sich konservatives Profil nicht zu verwässern. Um deren Anhänger wird die CSU kämpfen. Dann ist Bayerstorfers vierte Amtsperiode kaum in Gefahr. Doch sein Risiko war noch nie so hoch.

HANS MORITZ

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