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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger

Tierwohl und nachhaltige Produktion

Kommentar: Mindestpreise? Ohne geht‘s wohl nicht

  • Hans Moritz
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Alles reden von mehr Tierwohl und gesunden Produkten. Und all das aus einer intakten Natur. Wenn man alles in Einklang bringen will, könnten Mindestpreise ein guter Weg sein, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Es ist eine weitreichende Forderung, die Jakob Maier, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, erhebt: Wenn die Landwirte ökologisch und nachhaltig anbauen und deutlich mehr Tierwohl gewährleisten sollen, muss der Bund für landwirtschaftliche Erzeugnisse – egal ob Obst, Gemüse, Milch, Eier oder Fleisch – gesetzliche Mindestpreise einführen. Das wäre ein scharfer Eingriff in die Marktwirtschaft.

Und doch spricht einiges für Maiers Vorschlag. Niemand wird bestreiten, dass Lebensmittel in Deutschland zu günstig sind. Vor allem die Discounter und Ketten handeln die Preise gnadenlos herunter. In der Folge müssen die Landwirte so billig produzieren wie möglich. Das führt dann zum Beispiel zu Ställen mit viel zu wenig Platz, zu einer intensiven Bewirtschaftung der Böden und zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Kein Bauer macht das zum Selbstzweck.

Ausgerechnet Corona hat uns die miserablen Bedingungen für Mensch und Tier in den Großschlachtereien vor Augen geführt. Dabei kam auch gleich mit ans Licht, unter welch unwürdigen Bedingungen etwa Schweine in Massenmastbetrieben gehalten werden. Zu Recht wenden wir uns angewidert ab. Aber verändern wir unser Kaufverhalten, wenn es um Steaks und Würstel für den Grillabend geht? In den Discountern gibt es noch dazu so gut wie kein Fleisch, das man guten Gewissens verzehren kann.

Ebenso berechtigt und notwendig sind die Forderungen, den Nitratgehalt im Grundwasser zu senken. Es ist unser Lebensmittel Nummer eins. Dabei stehen die Landwirte nicht minder im Fokus. Doch auch hier sollte sich der Verbraucher klar machen: Bei der Landwirtschaft geht es um Land und Wirtschaft – also Ertrag.

Weil der Preis beim Einkauf weiterhin das oft einzige Argument ist, können wohl in der Tat nur gesetzliche Mindestpreise Besserung bringen. Die freilich müssen so gestaltet sein, dass Lebensmittel auch für Einkommensschwächere erschwinglich bleiben. All das sollte Ministerpräsident Markus Söder bedenken, wenn er es ernst meint mit seiner Abkehr von der Agrarindustrie mit Großbetrieben. Sonst ist das reiner Populismus.

Es passt überhaupt nicht in die Logik dieser Argumentation, Landwirtschaftsschulen zu schließen. Erding bleibt zwar zum Glück verschont. Doch die Bildungsmöglichkeiten für angehende Landwirte werden schon zum nächsten Semester gewaltig ausgedünnt, die Wege weiter. Den Beruf macht das sicher nicht attraktiver. Die Folgen werden sein, dass sich das Hofsterben eher beschleunigt, die Betriebsgröße zunimmt und der Anteil der Nebenerwerbslandwirte steigt. ham

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