Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Standort gesichert, neues Semester gescheitert

Kommentar zur Landwirtschaftsschule: So geht es nicht lange gut

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Operation gelungen, Patient (schein)tot. Die Landwirtschaftsschule Erding bleibt bestehen, hat aber zu wenig Schüler. Ein hausgemachtes Problem, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende. 

Gleich zweier Ansagen von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hatte es bedurft, bis die Landwirtschaftsschule Erding endgültig gerettet war. Der Schulterschluss aller Parteien und landwirtschaftlichen Gruppen war beeindruckend. Aber was ist er langfristig wert?

Weniger beeindruckend ist die Bilanz, die die Landwirtschaftssschule vorlegt: Vor einem Jahr bedurfte es mangels ausreichender Anmeldungen einer ministeriellen Sondergenehmigung, damit wieder ein Semester starten durfte. Heuer haben sich nur sechs Studierende eingeschrieben – zehn weniger als mindestens erforderlich. So kommt es zu der kuriosen Situation, dass die Schule zwar gerettet ist, aber kein Erstsemester zustande kommt.

Gebetsmühlenartig heißt es dazu, Schwankungen bei den Jahrgangsstärken habe es immer schon gegeben. Allmählich droht ein Dauer-Tief. Und dann sind auch irgendwann die Argumente unglaubwürdig, der Standort sei so wichtig, weil er gleich vier Landkreise abdeckt – und damit 5000 Höfe. Geografisch mag das stimmen, aber wenn aus 5000 Höfen nur sechs junge Leute Profi-Landwirt werden wollen, stellt sich sehr bald die Systemfrage.

Darum müssen sich Landwirtschaftsschule und -amt die Frage gefallen lassen, was sie seit der Beinahe-Pleite vor einem Jahr unternommen haben, um für Erding zu werben. Auf Dauer wird es nicht reichen, wenn Politik und Verbände einmal im Jahr mit einem großen Transparent auf die Straße gehen.

***

Noch größere Sorgen treiben den Flughafen um. Durch ein peinliches Leck im Aufsichtsrat ist durchgesickert, dass auf höchster Ebene schon über (Massen-)Entlassungen fabuliert wird. Für den Freistaat als Mehrheitseigentümer der FMG wäre es ein fatales Signal, wenn ausgerechnet einer seiner zuverlässigsten Gewinnbringer zum Aderlass müsste. Wenn die Lufthansa dem Bund neun Milliarden Euro Kredite wert ist, muss sich diese Frage auch die Staatsregierung für das FMG-Personal stellen.

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