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Die Landwirtschaftsschule kämpft gegen mangelnden Nachwuchs. Dennoch wird sie derzeit ausgebaut.

Immer mehr verzichten auf Meisterausbildung – Öffentliche Kritik hat Konsequenzen

Landwirtschaftsschule vor Trendwende?

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Per Sondererlass hat Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) den Fortbestand der Landwirtschaftsschule in Erding gesichert. Das neue Semester kann trotz nicht erreichter Mindestzahl Studierender beginnen (wir berichteten). Doch der Strukturwandel in der Landwirtschaft stellt die staatliche Meisterschule vor existenzielle Herausforderungen.

Erding – Ende September hatte Schulleiter und Landwirtschaftsamtschef Otto Roski dem Ministerium mitteilen müssen, dass für das neue, am Mittwoch dieser Woche gestartete Semester nur zwölf Anmeldungen vorlägen. Die Untergrenze liegt bei 16 Landwirtsgesellen, die in der Regel von der Berufsschule München-Land in Riem kommen. Im dritten Semester sind es derzeit 22 junge Studierende. Hinzu kommen 16 Hauswirtschafterinnen.

Roski weist zwar darauf hin, „dass die Schülerzahlen schon immer schwankend waren, aber ich ahne den Beginn einer Trendwende“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei kein Automatismus mehr, nach der Gesellenprüfung auf die Meisterschule zu wechseln. „Entweder gehen einige Absolventen in einen anderen Beruf, oder sie verschieben die Ausbildung“, so der Amtsleiter.

Immer mehr stellen auf Nebenerwerb um

Immer mehr stellen sich nach Roskis Beobachtung die Frage, ob sie den elterlichen Betrieb übernehmen und sogar ausbauen, oder ob sie ihn nur im Nebenerwerb führen und in einem anderen Beruf arbeiten sollen. Dabei verweist er auf die relativ konstante Zahl von etwa 2000 landwirtschaftlichen Betrieben im Erdinger Land. Die Umstellung auf Nebenerwerb nehme aber zu.

Roski glaubt nicht an die Theorie des Konjunkturzyklus’. Der besagt, dass in Boomzeiten junge Landwirte eher einen anderen Beruf wählen und sich fest anstellen lassen, in schlechteren den Fokus auf Existenzsicherung durch den Hof setzen.

Die Landwirte haben es nicht leicht in diesen Tagen. Durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ fühlten sich viele als Umweltverschmutzer und Massentierhalter an den Pranger gestellt. „Diese öffentliche Stimmung trägt sicher dazu bei, dass nicht mehr so viel junge Menschen hauptberuflich in der Landwirtschaft arbeiten wollen“, ist Roski überzeugt. Hinzu komme die sich weiter verschärfende Regulatorik, etwa bei der Düngeverordnung. „Da stellen sich die jungen Leute natürlich schon und auch berechtigt die Frage, ob sie sich das antun sollen und ob sie überhaupt Entwicklungsmöglichkeiten haben.

Trend zur Spezialisierung

Die allgemeinen Landwirtschaftsschulen spüren laut Roski aber auch den Trend zur Spezialisierung. So gibt es etwa die Fachrichtung ökologischer Landbau und die Technikerschule – Schülerpotenzial, das Erding entgeht. Roski betont, er könne sich durchaus vorstellen, auch am Dr.-Ulrich-Weg eine spezialisierte Ausbildung einzurichten. „Das muss aber das Ministerium entscheiden“, weiß er. Für Erding spreche aber, dass hier die Basis für alle Fachrichtungen gelegt werde.

Landrat Martin Bayerstorfer – der Landkreis ist Schulträger – erwartet, „dass wir künftig frühzeitiger informiert werden“. Denn ein entfallendes Semester drohe den gesamten Schulstandort zu gefährden. Dabei setze die momentane Erweiterung der Schule „das klare Signal, dass wir weiter gute Landwirte brauchen“. HANS MORITZ

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