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Die Top-Leichtathleten fühlen sich in Erding wohl

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Von: Dieter Priglmeir

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Auf dem Schrannenplatz
 präsentiert sich die Leichtathletik-Elite.
Auf dem Schrannenplatz präsentiert sich die Leichtathletik-Elite. © Peter Bauersachs

Das deutsche Leichtathletik-Nationalteam trainiert in Erding für die European Championships in München. Die Spitzensportler zeigen sich freundlich und nahbar - auch Superstar Malaika Mihambo.

Erding – „Anziehen, Anziehen!“, rufen die Leichtathleten im Festsaal des Erdinger Weißbräu und meinen damit OB Max Gotz, der gerade ein Shirt der Nationalmannschaft bekommen hat. Ein passendes Geschenk, denn seit der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) seine Zelte –offiziell heißt das Pre-Camp – hier aufgeschlagen hat, ist irgendwie ganz Erding ein bisserl Nationalmannschaft.

Die einen mehr, die anderen weniger – und die Webers ganz besonders. Kerstin und Christian Weber sind seit Tagen im Sepp-Brenninger-Stadion auf Achse, wo sich seit dieser Woche die deutschen Athleten auf die EM in München vorbereiten. Natürlich hat der DLV sein eigenes Personal dabei, aber die Webers und einige weitere Helfer der TSV-Leichtathletikabteilung sind quasi die gute Familie drumherum.

Die Staffelläuferinnen etwa rühmen das Kuchenbuffet, das die Erdinger aufgebaut haben. „Und nicht nur die“, sagt Kerstin Weber schmunzelnd, während sich ihr Mann auch die Abläufe und Trainingsmethoden der Spitzensportler ansieht und erkannt hat, „dass die Technik der Top-Leute gar nicht immer dem Lehrbuch entspricht. Die bauen sich das so um, wie es für sie passt.“

Im Stadion trainierten die Sprinterinnen Jessica-Bianca Wessolly, Lisa Nippgen, Rebekka Haase, Alexandra Burghardt, Lisa Mayer und Gina Lückenkemper (v. l.).
Im Stadion trainierten die Sprinterinnen Jessica-Bianca Wessolly, Lisa Nippgen, Rebekka Haase, Alexandra Burghardt, Lisa Mayer und Gina Lückenkemper (v. l.). © Kerstin Weber

Ausnahmsweise sind die Webers gerade mal nicht im Stadion, sondern am Erdinger Schrannenplatz – weil da auch die DLV-Delegation ist. Rund 60 Athleten, genauso viel „Staff“ – offizielles Gruppenbild ist am Donnerstagabend angesagt. Ganz ungezwungen übrigens. Ohne Absperrungen. Gut so, denn es sind auch einige Erdinger Schaulustige da. Anton Bönig etwa, einst Bayernliga-Fußballer und Leichtathletik-Fan, dem besonders die Mittelstrecken und die Staffeln imponieren. Natürlich habe er Karten für die EM, erzählt er und gesteht, dass er nicht mehr alle Athleten kenne.

Magdalena Reisinger dagegen kann sogar sagen, wer nicht dabei ist. „Die Stabhochspringer bereiten sich in Leverkusen vor“, bedauert sie. Gern hätte die Oberbayerische Stabhochsprung-Vizemeisterin ein bisschen Anschauungsunterricht bekommen, „aber schon cool, wer hier sonst alles da ist“.

In der Eistonne steckt Kugelstoßer Simon Bayer.
In der Eistonne steckt Kugelstoßer Simon Bayer. © Kerstin Weber

Vor allem ist der Superstar gekommen, nach dem sich im Vorfeld schon einige auch bei uns in der Redaktion erkundigt hatten: Weltmeisterin und Olympiasiegerin Malaika Mihambo machte am Donnerstagnachmittag ihre ersten Sprünge in Erding, sie nannte das „Schlüsseleinheit“, und reihte sich dann ins Gruppenbild mit ein.

Da war noch nicht klar, ob sie nach überstandener Corona-Erkrankung überhaupt starten kann. Die Weitsprunganlage in Erding lobte Mihambo: „Die ist sehr gut in Schuss.“ Sie freue sich auf den Wettkampf an diesem historischen Ort, wo vor 50 Jahren Heide Rosendahl Olympiasiegerin wurde. Ein Vorbild? Sie sei kein Mensch, die Idolen nachhängt, meint die 28-Jährige , „aber ich empfinde tiefsten Respekt vor solchen Leistungen“. Nicht nur Sportler, sondern andere Persönlichkeiten, die auf künstlerischer oder humanitärer Ebene Bemerkenswertes leisten. Den Druck, der auf einer Alles-Gewinnerin bei einer Heim-EM lastet, lächelt sie souverän weg. Wichtig sei, dass sie ihren eigenen Erwartungen entspreche. Für sie sei das eher Antrieb als Druck. „Man kann immer alles negativ sehen. Ich bin mehr für das Positive.“

Das ist auch die Kernbotschaft von OB Gotz beim Empfang im Weißbräu: „Wir sollten uns in Deutschland mehr auf unsere Stärken besinnen, nicht nur auf unsere Schwächen schauen.“ Die Athleten applaudieren, und Idriss Gonschinska, DLV-Generaldirektor, sagt danach, dass ihm dieser Satz am besten gefallen habe. Er erinnert daran, dass der DLV bereits vor 20 Jahren vor Ort war. Damals sei es „hier auch schön“ gewesen, doch die Sportanlagen hätten inzwischen schon ein ganz besonderes Level.

Seit einem Jahr sei der DLV in Kontakt mit der Stadt, der Heimat von DLV-Vizepräsident Jochen Schweitzer. „Man hat uns hier viele Dinge möglich gemacht. Eigentlich hat man uns alle Wünsche von den Lippen abgelesen.“ Deshalb komme es jetzt zu einer Premiere: der Verleihung der Goldenen Verdienstmedaille des Verbands an einen Bürgermeister. Die Premiere sei „so premiär, dass die Medaille nachgereicht wird“. Also bekommt Gotz vorab das Shirt. Und was die Medaille betrifft: Da hätte der OB nichts dagegen, wenn erst ein paar Sportler eine solche umgehängt bekommen.

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