In der Corona-Krise haben auch Museen und Büchereien geschlossen. Das heißt aber nicht, dass dort nicht gearbeitet wird. Wir haben uns umgehört.
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„Erding 1945 – Wessen Heimat?“ Dieser Frage ging Kurator Giulio Salvati in einer Sonderausstellung nach, die wegen Corona verscho ben werden musste.

75. Jahrestag der Bombardierung Erdings

Live-Stream und Youtube-Videos: Museum rüstet digital auf

In der Corona-Krise haben auch Museen und Büchereien geschlossen. Das heißt aber nicht, dass dort nicht gearbeitet wird. Wir haben uns umgehört.

Erding– Nur digital lässt sich derzeit das Museum Erding erleben. Über die Homepage www.museum-erding.de können sich Geschichtsinteressierte zumindest virtuell einen Einblick in die lokale Historie verschaffen, auf echte Ausstellungen müssen sie warten. Die für April geplante Ausstellung „Erding 1945 – Wessen Heimat?“ soll später im Jahr nachgeholt werden. Dazu hat Kurator Giulio Salvati nicht nur Schicksale damaliger Zwangsarbeiter recherchiert, sondern auch die Hintergründe der Bombardierung Erdings. Diese jährt sich am 18. April zum 75. Mal. 1945 waren dem Luftangriff 120 Menschen zum Opfer gefallen.

Live-Stream zum Zeitpunkt des Bombenangriffs

Zum Jahrtag war ein Gedenken am Schrannenplatz mit Stadtrundgang vorgesehen. Dieser findet nun virtuell statt. Salvati wird eine digitale Führung durch die Erdinger Innenstadt anbieten. Ab 15.10 Uhr, zum Zeitpunkt des Bombenangriffs, gibt es eine Live-Schaltung in der Facebook-Gruppe „Erding Tower Tours“. Alle Zuschauer sind eingeladen, dem Livestream zu folgen, um zum Gedenk-Glockengeläut vom Stadtturm um 15.18 Uhr eine Schweigeminute abzulegen.

Salvati und Gästeführerin Doris Bauer moderieren und präsentieren neue Forschungsergebnisse. Ebenfalls zum 18. April wird auf dem von Salvati ins Leben gerufenen Internetportal www.erding-geschichte.de ein Dokumentarfilm angeboten, der die historischen Hintergründe beleuchtet und mit dem Militärhistoriker Thorsten Blaschke wissenschaftliche Erkenntnisse und Zeitzeugenberichte vermittelt.

Viel Arbeit im Depot und in der Verwaltung

Noch in Planung ist im Museum Erding die Jahresausstellung ab 1. August, unter anderem zum Feuerschutzwesen. Das Museum-Team nutzt die besucherfreie Zeit, um sich liegen gebliebenen Arbeiten – auch im Depot – zu widmen. So werden Objekte an ihre Standorte zurückgeräumt, Neuerwerbungen katalogisiert und Nachlässe gesichtet.

Auch für das Franz-Xaver-Stahl-Museum an der Landshuter Straße gilt. „Bis 19. April haben wir geschlossen, bieten auch für Einzelgruppen keine Führung an“, sagt Leiterin Heike Kronseder. „Schließlich sollte in dieser Zeit jeder erst einmal auf sich und andere schauen.“

Bücherei erweitert ihre Datenbank

Ingrid Müller-Heß, Leiterin der Stadtbücherei Erding, berichtet, dass derzeit die Datenbank erweitert werde, „die am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt war“. Wenn dies fertig ist, können Daten dort nachgetragen werden, was die Belegschaft der Bücherei sicher einige Tage beschäftigen werde. „Wir werden aber nicht täglich acht Stunden hier sein“, sagt Müller-Heß, die mit ihrem Team noch andere Aufgaben in der Zeit ohne Kundenverkehr zu erledigen hat.

Denn eine Inventur der rund 55 000 Bücher und Medien steht an. Alle Bände müssen auf ihren Zustand hin geprüft werden. „Was schon völlig zerlesen oder beschädigt ist, wird ausgesondert und später zur kostenlosen Verteilung angeboten. Gleichzeitig werden wir viele Bücher neu bestellen, nicht nur beim Sankt-Michaels-Bund in München, der viele Büchereien beliefert, sondern auch bei lokalen Buchhandlungen“, erklärt die Leiterin.

Ausgeliehene Medien bis 5. Mai verlängert

Und sie hat noch zwei Infos: Alle Bücher und Medien können bis 5. Mai bei den Ausleihern bleiben. Das gilt auch für die Stadtteilbücherei in Klettham. „Zudem bieten wir jetzt über das Leo-Süd-Portal auch E-Books im Internet an“, sagt Müller-Heß. Wer Leo Süd nutzt, kann als Schüler zudem auf elektronische Lernhilfen für die Klassen fünf bis zehn zugreifen. Diese Hilfen für die Hauptfächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch finden sich im Findus-Katalog der Stadtbücherei unter dem Begriff „Brockhaus“.

Das Schülertraining ist kostenlos, nötig ist dafür nur der Leseausweis der Bücherei. Wer noch keinen hat, kann ihn unter Tel. (0 81 22) 408-140 oder per E-Mail an stadtbuecherei@erding.de einfach bestellen. Damit erhält der Interessent eine Ausweisnummer und kann sämtliche Dienste nutzen. Zu bezahlen ist der Ausweis, wenn die Bücherei wieder geöffnet hat.

Friedbert Holz

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