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7,1 Wohneinheiten auf 1000 Einwohner wurden 2019 im Landkreis neu gebaut – ein Spitzenwert.

Landkreis legt Marktbericht vor – Bis zu 20 Prozent Anstieg – Hauptorte besonders teuer

Immobilienpreise: Jedes Jahr eine Explosion

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Wohnen und Grundbesitz werden im Landkreis Erding immer mehr zur sozialen Frage. Die Preise ziehen von Jahr zu Jahr stärker an. Bislang gibt es keine Hinweise, dass die Corona-Pandemie dämpfend wirkt.

Erding – Am Montag hat der Landkreis seinen neuen Immobilien-Marktbericht für 2019 vorgelegt. Die Teuerung beträgt bis zu mehr als einem Fünftel – und das binnen eines Jahres.

Christian Schmiedl vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte am Landratsamt Erding hat in den vergangenen Monaten viel Papier gewälzt. Seine Kaufpreissammlung beruht auf rund 14 000 Notarurkunden. Diese Erhebung gilt als besonders aussagekräftig, weil nur tatsächlich getätigte Käufe und Preise erfasst werden und keine Prognosen gestellt werden. Die Ergebnisse stellten Landrat Martin Bayerstorfer, Bau-Abteilungsleiter Michael Hildenbrand und Schmiedl in einer Pressekonferenz vor.

Der Quadratmeterpreis für Wohnbauflächen lag im vergangenen Jahr bei rund 670 Euro, eine Steigerung um 42,2 Prozent im Vergleich zu 2018, so Schmiedl.

Frei stehende Einfamilienhäuser sind am begehrtesten

Die Kaufpreise für frei stehende Ein- und Zweifamilienhäuser – die begehrteste Immobilienform – stiegen binnen eines Jahres um knapp 16 Prozent auf durchschnittlich 730 000 Euro. Den Preisauftrieb für Doppelhaushälften, Reihenmittel- und -endhäuser bezifferte Schmiedl mit 17,2 Prozent auf rund 675 000 Euro. Wohnungen kosten im Schnitt 5130 Euro pro Quadratmeter, ein Plus von 21,7 Prozent.

Auch landwirtschaftlicher Grund wird laufend teurer – binnen eines Jahres um 15,1 Prozent auf 14,4 Euro pro Quadratmeter.

Besonders stark fällt der Preisanstieg in den Hauptorten aus – Erding, Dorfen und Taufkirchen. Immobilien werden hier am stärksten nachgefragt. Im vergangenen Jahr, so Hildenbrand, wurde in den drei Kommunen fast die Hälfte (48,2 Prozent) aller Verträge abgeschlossen – mit einem Gesamtumsatz von knapp 280 Millionen Euro. Diese Orte führen die Preislisten an. Erding ist mit Abstand am teuersten.

Enorme gesamtwirtschaftliche Bedeutung

Welche gesamtwirtschaftliche Bedeutung das Segment hat, führt der Immobilienbericht eindrucksvoll vor Augen: „Vergangenes Jahr lag der Gesamtumsatz bei 656,5 Millionen Euro. Das ist neuer Rekord“, bilanzierte Schmiedl, ein Plus im Vergleich zu 2018 von 21,6 Prozent. Zum Vergleich: 2010 wurden 282 Millionen Euro auf dem Immobilienmarkt umgesetzt. Pro Notarurkunde, so Bayerstorfer, fließe immer mehr Geld. „Das zeigt, wie überhitzt der Erdinger Markt mittlerweile ist.“

Laut dem Bericht sind in den vergangenen Jahren die Vertragszahlen für unbebaute Grundstücke eher rückläufig und hatten 2019 mit 516 Urkunden den niedrigsten Wert seit Langem erreicht. Das führt der Landrat darauf zurück, „dass die Gemeinden nicht mehr so viel Bauland ausweisen, und viele Landwirte nicht verkaufen, wenn sie die Umsätze voll versteuern müssen. Ihnen geht es eher um Ersatzflächen.“ Voriges Jahr wurden laut Bayerstorfer landkreisweit 17,2 Hektar mit Bebauungsplänen belegt, in den Jahren davor waren es 20,2 und 13 Hektar.

Auf bebauten Grundstücken galoppieren die Preise am schnellsten

2017 wurde bei unbebauten Grundstücken mit 247,5 Millionen Euro ein neuer Rekord erzielt, voriges Jahr waren es 175,8 Millionen. Im land- und forstwirtschaftlichen Bereich ging der Umsatz ebenfalls zurück – um 12,4 Prozent auf 33,1 Millionen Euro. Bebaute Grundstücke wechselten hingegen für 321 Millionen Euro den Eigentümer, ein Anstieg um 50 Prozent. Gerade hier findet die Teuerung statt.

Die Preisentwicklung verlangt ein Einschreiten des Gesetzgebers, fordert Bayerstorfer. Er ist der Auffassung: „Wenn Grund verkauft wird, um darauf preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, sollte das steuerfrei sein. Denn da ist man sehr schnell beim Spitzensteuersatz.“

Froh ist er, dass im Landkreis voriges Jahr 968 Häuser und Wohnungen fertiggestellt wurden. Das seien 7,1 Einheiten pro 1000 Einwohner. In Bayern waren es nur 4,6 in Oberbayern 5,3.

Den Marktbericht gibt es ab sofort für 40 Euro im Landratsamt. Infos unter Tel. (0 81 22) 58 12 49.

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