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Todesopfern im Straßenverkehr wird oft mit Marterln am Straßenrand gedacht, so wie hier an der B 388 zwischen Moosinning und Eichenried.

Vor dem Totensonntag klärt das Straßenbauamt über Kreuze für Opfer im Verkehr auf

Die zwei Seiten der Marterl

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Jeder kennt sie, die Gedenkkreuze, die am Straßenrand an tödlich verunglückte Menschen erinnern. Doch diese Erinnerung hat auch eine andere Seite. Die beleuchten wir hier.

Erding - Sie sind stille Orte der Erinnerung an Menschen, die ihr Leben im Straßenverkehr verloren haben: Gedenkkreuze am Straßenrand, so genannte Marterl. Nach Ansicht von Psychologen sind sie ein wichtiger Ort der Trauerbewältigung für die Hinterbliebenen.

Für die Straßenmeistereien sind die kleinen Gedenkstätten allerdings „ein nicht ganz einfaches Thema“, berichtet Thomas Jakob, Sprecher des Straßenbauamtes Freising, anlässlich des Totensonntags an diesem Wochenende. „Wir müssen auch die Verkehrssicherheit im Blick haben“, schreibt Jakob in einer Pressemitteilung. „Ein Kreuz direkt am Straßenrand ist auch eine potenzielle Gefahrenquelle.“ Formaljuristisch handle es sich um eine „Sondernutzung am Straßenrand“. Jakob weist darauf hin, dass die Marterl vorher von der Straßenbaubehörde genehmigt werden müssten.

„In der Regel genehmigt das Staatliche Bauamt die Gedenksymbole aus Pietätsgründen und aus Rücksicht gegenüber den Hinterbliebenen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Gedenkstätten den Verkehr nicht behindern, Autofahrer nicht ablenken, keine Schilder verdecken und die Sicht nicht beeinträchtigen“, erklärt der Sprecher. Ideale Standorte seien hinter einer Leitplanke oder in sicherer Entfernung von der Fahrbahn. In der Regel könne man sich auf einen Standort einigen, sofern auch der Grundbesitzer sein Einverständnis erteilt hat.

Jakob nennt einen weiteren, ganz praktischen Grund, der gegen ein Marterl direkt neben dem Asphalt spricht: „Im Winter könnte es durch den von der Straße weggeräumten Schnee, im Sommer durch Mähgeräte zerstört werden.“ Nicht zulässig sind Jakob zufolge Metallkreuze, Gedenksteine oder ein festes Fundament – zu gefährlich.

Wird eine Straße verbreitert oder ein Geh- und Radweg gebaut, informiert das Staatliche Bauamt die Angehörigen und bittet diese um die Versetzung des Marterls. Lassen sich die Hinterbliebenen nicht mehr ermittelt, werden die Kreuze in der Straßenmeisterei eingelagert. Oder, noch einfacher: Die Straßenmeister versetzen sie selbst. ham

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