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Wetterexperte Dr. Michael Sachweh war auch in der Talkrunde „3 nach 9“ gefragt. 

Meteorologe Dr. Michael Sachweh

„Der Klimawandel ist kein Grund zur Verzweiflung“

„Ich weiß, dass meine Meinung nicht dem Mainstream entspricht“, sagt Dr. Michael Sachweh im Interview. Der Meteorologe sieht den Klimawandel ein bisserl anders.

ErdingDr. Sachweh hat Meteorologie und Geographie an der LMU München studiert, war sechs Jahre in der Klimaforschung tätig, lehrte als Dozent an den Universitäten München und Augsburg, hat als Autor Bücher zur Wetterkunde verfasst. Als Experte für Extremwetter ist er gefragt in Hörfunk und Fernsehen. Er lebt und arbeitet als Leiter eines privaten Wetterdienstes seit 2017 in Erding. Von seiner Wohnung im 5. Stock genießt er die Aussicht bis zum Horizont. Sein Hobby Fotografie teilt er mit seinen Freunden vom Fotoclub Erding. Wir führten ein Gespäch mit ihm.

Sie leiten einen privaten Wetterdienst, wer sind denn Ihre Kunden?

Ein bedeutender Kunde ist der Bayerische Rundfunk mit den Abteilungen TV, Hörfunk, Online und Videotext. Daneben berate ich Open-Air-Veranstaltungen, wie etwa die der Bayerischen Staatsoper in München, oder „Klassik am Odeonsplatz“, aber auch andere Open-Air-Events aller Art. Die Piloten der Rosenheimer Hagelabwehr holen ebenfalls meinen Rat ein, damit sie erfolgreich die gefährlichen Wolken mit Silberjodid impfen können.

Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Wir sind nicht ortsgebunden, da die gesamte Arbeit am Rechner erfolgt. Erforderlich sind nur eine gute Internetverbindung und die entsprechende Software. Ich arbeite in meinem Büro in Erding. Morgens machen wir eine Telefonkonferenz mit den Wetterjournalisten des BR, dabei erfolgt ein Briefing über die aktuelle Wetterlage. Während einer 14-Stunden-Schicht werden die Wetterkarten für die Rundschau und die Abendschau erstellt, dazu 80 Wetterberichte aller Sender des BR-Hörfunks mit laufender Aktualisierung. Dazu kommen noch die Vorhersagen für das Reise- und Alpenwetter. Die Prognosen erfolgen auf der Basis der Karten des Deutschen Wetterdienstes und zahlreicher Wetterdaten, die wir von einem Dienstleister beziehen.

Wie ist ihre Meinung zum Klimawandel. Wird das Wetter wirklich extremer, oder täuscht der Eindruck?

Es gab immer schon Unwetter, aber heute wird jedes sofort dem Klimawandel zugeschrieben. Wir haben bei den Temperaturen seit Jahrhunderten ein Auf und Ab. Der Mensch verschärft zwar den derzeitigen Erwärmungstrend, aber das ist kein Grund zur Verzweiflung. In der Zeit von 800 bis 1200 n. Chr. war es sogar wärmer als jetzt. Ich weiß, dass meine Meinung nicht dem Mainstream entspricht, der leider zum Alarmismus neigt. Ein Klimawandel ist nie grundsätzlich negativ, er hat Licht- und Schattenseiten. Die mittelalterliche Wärmephase heißt in der Wissenschaft „Klimaoptimum“, denn sie brachte den Menschen mehr Vorteile als Nachteile. Heute bringen uns sehr warme Jahre Kostenersparnisse für Heizung und Winterdienste, es gibt weniger Arbeitslose, der große Freizeitwert eines schönen Sommers ist unbestritten. Die Klimaerwärmung wird von der Politik instrumentalisiert, in den Medien bringen Extremwettersondersendungen hohe Einschaltquoten. Nach meiner Einschätzung hat es Extremwetter schon immer gegeben, nur die Flut an Wetternachrichten mit dramatischen Bildern nimmt zu. Medien und Social Media lassen uns jedes Unwetter hautnah miterleben.

Warum hat man so oft den Eindruck, dass der Wetterbericht mit seiner Vorhersage daneben liegt?

Nach objektiven Analysen ist die Treffsicherheit der Ein- bis Zweitagesprognosen in den letzten 30 Jahren von 75 auf 90 Prozent angestiegen, auch bei Mittelfristprognosen haben wir uns verbessert. Problem ist, dass die Medienmeteorologen sich bei den kurzen Wetterberichten sehr knapp fassen müssen, da kann man gar nicht alle Erkenntnisse unterbringen. Mein Tipp ist der Videotext des BR: Die Vorhersagen sind viel ausführlicher, da sie für die Regierungsbezirke Bayerns separat erstellt werden.

Für welche Events würden Sie gerne mal eine Wetterprognose erstellen?

Mein Traum wäre, Prognosen für Formel-1-Rennen zu machen, das wäre eine echte Herausforderung!

Das Gespäch führten Gerda und Peter Gebel.

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