+
Ein Zeichen setzt die Stadt Erding mit der weit gediehenen Totalsanierung der Mittelschule am Lodererplatz für über 20 Millionen Euro. Hier wird auch in Lernlandschaften gearbeitet – ein Zukunftsmodell.

Schülerzahlen steigen stark

Mittelschulen stehen vor großem Zulauf

  • schließen

Nach jahrelangem Schülerrückgang erwarten die Mittelschulen im Landkreis in Zukunft deutlich mehr Jugendliche. Das geht aus dem neuen Mittelschulgutachten hervor.

Erding – Nach jahrelangem kontinuierlichem Schülerrückgang erwarten die Mittelschulen im Landkreis Erding in den nächsten 20 Jahren deutlich mehr Jugendliche. Das ist die Kernaussage des neuen Mittelschulgutachtens, das gestern im Bildungsausschuss des Kreistags vorgestellt wurde. Christian Rindsfüßer vom Augsburger Statistikbüro SAGS erklärte: „Alle Standorte sind stabil.“ Er geht davon aus, dass auch künftig knapp jeder dritte Grundschüler (30 Prozent) statt auf Realschule oder Gymnasium auf eine Mittelschule wechselt.

Der Stabilitätsbefund gilt auch für die Ortererschule in Wörth. Sie könnte aber zeitweise die Mindestgröße einer Klasse unterschreiten. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) erklärte auf Anfrage von Stephan Glaubitz (Grüne), dass man sich innerhalb eines Schulverbunds – hier der mit Finsing und Oberding – helfen könne. Und Schulamtsleiterin Marion Bauer stellte klar: „Wir wollen keine Zahnlücken-Schule, in der ein Jahrgang fehlt. Zudem sind wir ganz klar für die wohnortnahe Schule.“ Deshalb könne man auch mal eine kleinere Klasse bilden, sofern das Lehrerbudget vorhanden sei, so die Schulamtsleiterin. Auch der Gutachter sieht Wörth trotz Schwankungen langfristig nicht in Gefahr.

Mittelschülerzahlen gingen seit 2008 stark zurück

Seit 2008 haben die Mittelschulen im Landkreis eine Schrumpfkur hinter sich. Insgesamt um 20 Prozent gingen die Schülerzahlen zurück – von 2924 (2008) auf 2387 (2019). Besonders stark, so Statistiker Rindsfüßer, sei das Minus an den Mittelschulen Taufkirchen und Dorfen gewesen, nämlich um 23 Prozent auf 691 beziehungsweise um 22 Prozent auf 614 Jugendliche.

Rindsfüßer tat sich mit der Analyse nicht leicht. „Gründe können die Demografie und/oder das Übertrittsverhalten sein.“ Er stelle aber auch fest, dass der Anstieg der Übertritte auf Realschulen und Gymnasien zum Stillstand gekommen sei.

Anstieg vor allem nach 2024

Für die Zukunft zeichnete der Statistiker ein deutlich optimistischeres Bild. „Der Rückgang wird noch heuer zu beobachten sein, danach rechnen wir mit deutlichen Anstiegen, vor allem nach 2024“, sagte er. Heuer sind es 2296 Mittelschüler, bis 2036 sollen es 3169 sein.

Einen besonderen Anstieg sagt er ausgerechnet dem bisherigen Sorgenkind voraus: der Mittelschule Dorfen. Seinen Berechnungen zufolge wird die Schülerzahl von derzeit 589 auf 967 klettern – eine Mehrung um 23 Prozent, also fast ein Viertel.

Demographischer Wandel wirkt sich auf Mittelschulen aus

Und woher kommt der Aufschwung? Rindsfüßer erklärte seine Prognose zum einen mit dem Anstieg der Gesamtbevölkerung um netto 33 500 Personen bis zum Jahr 2035. Die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau sei zudem unerwartet von 1,4 im Jahr 2010 auf 1,6 in 2018 gestiegen. Zudem würden Migrantenkinder vor allem die Mittelschulen besuchen.

Dazu merkte Michael Oberhofer (CSU) an, dass diese sehr gut integriert würden und den Unterricht nicht dominierten. Schulamtsleiterin Bauer berichtete, Erding liege in Oberbayern beim Netto-Zuzug von Migrantenkindern an vorletzter Stelle.

„Die Mittelschule hat Zukunft“

Insgesamt zeigten sich die Kreisräte mit den Aussagen des Gutachtens höchst zufrieden. Oberhofer, auch Schulleiter in Isen, freute sich über die Stabilität. „Denn das hilft den Gemeinden bei der Planung der Zukunft enorm.“ Einige Renovierungen, Sanierungen und Erweiterungen stünden an. Zur Übertrittsquote von 30 Prozent merkte Oberhofer an: „Das ist ein Statement. Die Mittelschule hat Zukunft.“

Die am Mittwoch vorgestellten Zahlen werden auch das Handwerk erfreuen, das viele Lehrlinge von den Mittelschulen bekommt.

Insgesamt gibt es im Erdinger Land drei Mittelschulverbünde: Erding/Bockhorn (677 Schüler in zwei Schulen), Finsing (westlicher Landkreis/405 Schüler in drei Schulen) Taufkirchen (nordöstlicher Landkreis/800 Schüler in drei Schulen) und Dorfen (südöstlicher Landkreis/614 Schüler in drei Schulen).

Hans Moritz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

CSU-Bürgermeisterkandidat Sebastian Klinger: Ein Teamplayer mit Führungsanspruch
Sebastian Klinger (CSU)  ist Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Forstern und hat Lust auf mehr. Als neuer, hauptamtlicher Rathauschef möchte er nicht nur die Mobilität …
CSU-Bürgermeisterkandidat Sebastian Klinger: Ein Teamplayer mit Führungsanspruch
St. Wolfganger Erfinder im Fernsehen: Hellers MediBech in „Das Ding des Jahres“ 
Tüftler erfinden Dinge, die uns das Leben erleichtern. Anstoß sind oft Erlebnisse oder Notsituationen. Manuela und Claus Heller aus St. Wolfgang gehören mit ihrer Idee …
St. Wolfganger Erfinder im Fernsehen: Hellers MediBech in „Das Ding des Jahres“ 
„Dorfcharakter bewahren, aber Fortschritt nicht verschlafen“: Wählergruppe Buch stellt Kandidaten vor
Unabhängig, frei und offen: So beschreibt sich die Wählergruppe (WG) Buch am Buchrain selbst. Die Kandidaten für die Gemeinderatswahl am 15. März stellten sich im …
„Dorfcharakter bewahren, aber Fortschritt nicht verschlafen“: Wählergruppe Buch stellt Kandidaten vor
Warum Ikea Erding scheut: Django Asül testet neues Programm
Django Asül testet sein neues Programm „Offenes Visier“ vorab in der Erdinger Stadthalle. Voll von schwarzem Humor und Lebenshilfe. 
Warum Ikea Erding scheut: Django Asül testet neues Programm

Kommentare