Seit Jahresbeginn kommen 306 Klinik-Bedienstete in den Genuss der Ballungsraumzulage. Würden sie in München arbeiten, dürfte der Lohnzuschlag bald höher ausfallen. Denn dort gibt es die München-Zulage, die verdoppelt werden soll. Das sorgt für Ärger. Foto: Moritz

OB und Landrat über Alleingang der Landeshauptstadt erbost

München-Zulage: Zorn auf den großen Nachbarn

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Das Verhältnis zwischen der Landeshauptstadt und dem Umland ist wieder einmal angespannt. Die vom Münchner Stadtrat jüngst beschlossene Verdopplung der 1990 eingeführten München-Zulage auf 270 Euro im Monat für städtische Bedienstete mit niedrigeren Einkommen stößt Bürgermeistern und Landräten sauer auf – auch in Erding.

Erding - Die Kommunalpolitiker werfen Münchens OB Dieter Reiter (SPD) und seinem Stadtrat einen Alleingang vor, ohne mit der Region gesprochen zu haben. Zudem befürchten sie, künftig noch schwerer Fachkräfte rekrutieren zu können. Erdings Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) spricht von „ganz schlechtem Stil“. Es sei „unkollegial“, dass mit den Kommunen um München nicht gesprochen worden sei. „Wenn es um die Wohnungsnot geht, erwartet man in der Landeshauptstadt schon, dass wir mit verstärktem Wohnungsbau helfen, hausgemachte Probleme zu lösen“, ärgert sich Gotz.

Mehr Geld: Pendler könnten sich für München entscheiden

Kommunale Bedienstete in der Region würden deutlich schlechter gestellt. Gotz befürchtet, dass sich noch mehr Pendler für München als Arbeitsort entscheiden, wenn sie dort eine deutlich höhere Zulage bekommen.

In die gleiche Kerbe schlägt Landrat Martin Bayerstorfer (CSU). „Es ärgert mich maßlos, dass die Verdopplung nicht mit uns vorher abgesprochen wurde. Man hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Er spricht von einer „eklatanten Ungleichbehandlung bei in etwa vergleichbaren Lebenshaltungskosten“.

Landrat: Verdi-Forderung greift zu kurz

Die München-Zulage erhielten die Mitarbeiter der Stadt unabhängig vom Wohnort. Die Ballungsraumzulage werde aber nur Beschäftigten gewährt, die in der Metropolregion wohnen und arbeiten. „Wer also aus dem Ballungsraumzulagen-Gebiet auspendelt, bekommt den Bonus aufs Gehalt nicht.“ Gerade in den sozialen Berufen, etwa in Krankenhäusern, befürchtet Bayerstorfer eine Schlechterstellung der Landkreise. „München nutzt die Arbeitsplatzvorteile auf Kosten der ländlichen Region“, empört sich der Landrat.

Die am Wochenende erhobene Forderung der Gewerkschaft Verdi, auch andere Münchner Beschäftigte, etwa des BRK oder der Stadtwerke, müssten die (verdoppelte) Zulage bekommen, greift für Bayerstorfer deshalb zu kurz.

Die 26 Bürgermeister im Landkreis wollen ihren Protest nun per Brief nach München schicken. Der Beschluss fiel laut Landrat in jüngster Sitzung einstimmig aus. 

Willkürliche Ballungsraumzulage?

Gemeinden und Landkreise sind bei der Entscheidung, die Ballungszulage für Bezieher geringerer Einkommen zu gewähren, nicht frei. Vielmehr legt der Freistaat fest, wer einen Zuschlag auf den Lohn zahlen darf, um die hohen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Im Landkreis sind das derzeit neben Erding die Gemeinden Forstern, Ottenhofen und Wörth. Landrat Martin Bayerstorfer hält diese Festlegung für „einigermaßen willkürlich und nicht immer nachvollziehbar“. Im Juli hatte der Krankenhausausschuss beschlossen, die Ballungsraumzulage neben den Landkreis-Beschäftigten auch denen des Klinikums zukommen zu lassen. Die Einkommensgrenze liegt bei 3674,13 Euro. In den Genuss kamen rückwirkend zu Jahresbeginn 306 Klinik-Angestellte. Das Gesamtvolumen beträgt knapp 400 000 Euro.

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