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Das Rückgrat des Nahverkehrs auf dem Land: die Busflotte des Regionalverkehr Oberbayern auf dem Betriebshof in Erding. Noch fahren sie mit Diesel. 

MVV-Studie zum Einsatz von Wasserstoff- und Elektrofahrzeugen – Umstellung wird Pflicht

Öko-Busse machen Nahverkehr viel teurer

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Im Landkreis Erding sollen bald emissionsfreie Busse fahren. Doch der Weg dorthin ist steinig - und sehr teuer.

Erding – Im Kampf gegen den Klimawandel spielen Bus und Bahn eine zentrale Rolle, um den Individualverkehr mit seinen hohen Emissionen zu reduzieren. Aber auch die Regionalbusse fahren mit Dieselmotoren. Noch, denn die Europäische Union zwingt Unternehmen und Kommunen über die „Clean Vehicle Directive“ bereits sehr bald zum schrittweisen Umstellen auf „saubere“ oder „emissionsfreie“ Antriebe. Als „sauber“ gelten etwa mit Gas betriebene Busse, als „emissionsfrei“ solche unter anderem mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb. Bis 2025 müssen 45 Prozent der neu beschafften Fahrzeuge solche Motoren aufweisen, ab 2026 sogar 65 Prozent.

Schon jetzt ist der ÖPNV hoch defizitär

Vor diesem Hintergrund hat der Landkreis eine Studie über die Umstellung der Linienbusse im Erdinger Land in Auftrag gegeben. Erste Ergebnisse stellte Detlev Metzner vom MVV am Montag im Verkehrsausschuss des Kreistags vor. Das zentrale Ergebnis: Die Öko-Busse werden den ohnehin schon höchst defizitären ÖPNV noch teurer machen – und zwar deutlich.

Im Landkreis Erding würde der Einsatz von Elektrobussen pro Jahr rund 5,4 Millionen Euro zusätzlich kosten. Wasserstoffbusse mit Brennstoffzellenbetrieb würden sogar mit zusätzlichen 13,1 Millionen Euro zu Buche schlagen, rechnete Metzner vor.

Mehrheit für E- statt Wasserstoffbusse

Nicht nur aus Kostengründen tendierte die Ausschussmehrheit zu Stromern im Linienverkehr. Spürbar wurde auch die Skepsis über die bei weitem noch nicht so ausgereifte Brennstoffzellentechnik, zumal es kaum Hersteller gebe, die auch nicht jedes Modell liefern könnten. So gibt es unter anderem (noch) keine Wasserstoff-Kleinbusse. Außerdem liegt im Landkreis gerade einmal eine Wasserstofftankstelle – am Flughafen, nur für Pkw.

Doch auch die öffentliche Elektromobilität wird die Unternehmer, Kommunen und den Landkreis vor enorme Herausforderungen stellen. Denn Linienbusse sind den ganzen Tag über unterwegs, da reicht eine volle Ladung an der Stromtankstelle nicht aus. Metzner stellte verschiedene Möglichkeiten vor, etwa Schnellladesäulen an zentralen Omnibusbahnhöfen wie am Erdinger S-Bahnhof oder am Klinikum (Keltenhof). Der neue Bahnhof im Fliegerhorst sollte an diese Herausforderung angepasst werden. Auch machte der MVV-Experte deutlich, dass mehr Fahrzeuge erforderlich seien, wenn einige zur Zwischenladung kurzzeitig ausfallen.

OB Gotz: Dran denken, das ist alles eine freiwillige Leistung

Das rief Erdings OB Max Gotz (CSU) auf dem Plan, der wissen wollte, wer diese Infrastruktur bereitstelle, betreibe und bezahle. Er sprach sich für möglichst nur ein alternatives Konzept aus, denn sonst müssten viel größere Standplätze geschaffen werden – die etwa die Stadt Erding dann dem Landkreis beziehungsweise den Unternehmen in Rechnung stellen müsste. „Wir dürfen bei alledem nicht vergessen, dass es sich beim ÖPNV um eine freiwillige Leistung handelt“, sagte Gotz.

In diese Kritik stieg auch Landrat Martin Bayerstorfer ein. Er frage sich angesichts hoher Strommengen („Ist der komplett aus Erneuerbaren Energien?“) und zusätzlicher Fahrzeuge, „ob die Öko-Bilanz dann überhaupt noch stimmt?“ Ebenso zweifelte Peter Attenhauser (AfD), „ob so viel Ökostrom zur Verfügung steht“.

160 Linien müssen untersucht werden

Die Studie hat nach den Worten Metzners ergeben, dass man die Flotten nicht einfach auf alternative Antriebe umstellen könne. „Jede Linie ist anders und muss eigens bewertet werden.“ 160 Linien werden Fachbüros unter die Lupe nehmen, erste wurden bereits untersucht.

Dazu merkte Busunternehmer Martin Scharf, der unter anderem die Stadtlinien betreibt, an, das Erdinger Netz sei sicherlich gut elektrisch zu betreiben. Erste Testfahrzeuge seien auch schon im Einsatz. Auch er gibt der E-Mobilität den Vorzug vor Wasserstoffbussen, auch wenn man dann wegen der Zwischenladungen Flexibilität einbüße. Auf der anderen Seiten würden die Batterien immer leistungsfähiger. Petra Bauernfeind und Thomas Gneißl (beide FW) sprachen sich dafür aus, die Brennstoffzellen-Technologie nicht zu früh aufs Abstellgleis zu verbannen.

Wie wäre es mit Rapsöl?

Sabine Berger (CSU) brachte eine ganz neue Variante ins Spiel: Rapsöl-Busse. „Das ist auch nachhaltig und wird in der Region gewonnen.“

Wer die Mehrkosten trägt, wurde am Montag noch nicht mal andiskutiert.

ham

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