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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Nach Aus für Fußgängerzone

Kommentar: Die Innenstadt neu denken

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Nach dem Aus für die Fußgängerzone muss es jetzt so richtig losgehen. Wie Erdings Altstadt noch attraktiver werden kann, zeigt Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende auf.

Die Lange Zeile und die Landshuter Straße als Fußgängerzone sind – wieder einmal – vom Tisch. Vielleicht können die Fraktionen die Disziplin aufbringen, das Thema nicht jedes Jahr neu aufzuwärmen. Es wird ein laues Süppchen bleiben. Und doch hat die Debatte in den vergangenen Wochen Erding vielleicht weiter vorangebracht, als es auf den ersten Blick scheint.

Die Not der Händler hat sich durch die Corona-Krise mit dem explodierenden Online-Handel verstärkt. Die ersten darbenden Kommunen reagieren darauf, indem sie Fußgängerzonen zurückbauen, weil sie tot sind. In ländlichen Gemeinden kommen die Kunden nun mal in der Regel mit dem Auto und pochen auf kurze Wege. In München mag das mit U- und S-Bahnen anders sein.

Die Frage ist nun, wie man die Innenstadt als Aufenthaltsort attraktiver gestalten und sie gleichzeitig gut erreichbar machen kann. In Erding lässt sich das schon erahnen – auf der umgebauten Landshuter Straße. Auf der hat der motorisierte Verkehr künftig weniger Platz, Fußgänger umso mehr.

Nach diesem Muster könnte man auch die Lange Zeile umbauen: breitere Gehwege, mehr Platz für die Gastronomie. CSU-Fraktionschef Burkhard Köppen hat dazu eine bemerkenswerte Idee: Warum die Parkplätze nicht in der Fahrbahnmitte ansiedeln? Dann könnten die Gehwege zu Flaniermeilen ohne störende Autos werden. Dann wäre Platz für Sitzbänke, Brunnen, Spielgeräte und kleine grüne Inseln. Vor diesem Grund ist es verwunderlich, warum die Bänke rund um den Ährenbrunnen auf dem Schrannenplatz abgebaut wurden. Hier war immer ein lauschiges Plätzchen zum Verweilen.

Es ist gut, dass sich der Stadtrat nun Experten ins Boot holen will, die mit Anwohnern, Geschäftsleuten und Politik die Innenstadt neu denken.

Einige Fraktionen hatten die Fußgängerzone vor eineinhalb Jahren in ihren Wahlprogrammen. Davon sind sie diese Woche im Stadtrat erstaunlich schnell abgerückt. Die Mehrheit gegen die Verkehrsberuhigung war vor diesem Hintergrund unerwartet hoch. In den Programmen war unter anderem von mehr Parkplätzen beziehungsweise einem Parkhaus am alten Bauhof die Rede. Dieses Vorhaben muss trotz des Neins auf der Agenda bleiben.

ham

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