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Sie bilden den neuen Vorstand der Kreis-Grünen: Annett Burghardt und Stefan Herbasch.

Helga Stieglmeier zieht sich zurück – Zwei Polit-Novizen folge

Neuanfang bei den Grünen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Grünen im Kreis Erding haben einen neuen Vorstand. Es ist ein völliger Neuanfang.

Erding – An dem Zauber, der bekanntlich allem Neuen innewohnt und der jetzt Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock in den Umfragen nach oben schnellen lässt, wollen auch die Erdinger Grünen teilhaben. Mitten in der Phase maximaler Gunst in der Bevölkerung wagt der Kreisverband einen Neuanfang – einen gründlichen.

In der Mitgliederversammlung am Sonntag, die stellenweise sehr emotional und stets sehr harmonisch verlief, trat Vorstandssprecherin Helga Stieglmeier nicht mehr an – und beendete damit eine Ära, geprägt von engagierten Debatten im Kreistag, Reibereien mit CSU-Landrat Martin Bayerstorfer sowie einem energischen und letztlich erfolgreichen Kampf gegen die dritte Startbahn. Auch Vorstandskollege Christoph Sticha kandidierte nicht mehr.

Die Erdinger Grünen stürzen sich in ein Abenteuer, denn die neue Doppelspitze ist frisch in der Politik: Annett Burghardt (37) aus Finsing und Stefan Herbasch (38) aus Ottenhofen wurden als neue, gleichberechtigte und die Quote erfüllende Vorsitzende digital gewählt.

Burghardt trat erst Anfang 2019 bei den Grünen ein. Sie ist Touristikerin und Mutter zweier Kindergartenkinder. Als Schwerpunkte nannte sie Tierwohl, Veganismus und ebenso viele Männer wie Frauen in der Politik. Auch bekannte sie sich zur Verkehrswende. Burghardt erhielt alle 39 Stimmen.

Herbasch ist Gemeinderat in Ottenhofen, Rechtsanwalt und Datenschutzbeauftragter. Der 48 Jahre alter Vater zweier Kinder sprach sich klar für die Klimawende aus. „Die Bundestagswahl kann die grüne Wende bringen und eine grüne Welle auslösen.“ Er sei für mehr Gleichstellung, auch queerer Menschen. Auf Herbasch entfielen 38 Stimmen.

Stieglmeier blickte auf die vergangenen zwei Jahre zurück und erinnerte dabei an das Bierzelt in Isen, das sie 2019 mit Katharina Schulze, Fraktionschefin im Landtag, voll bekommen hatten. Sogar Robert Habeck sei vor der Kommunalwahl im Landkreis gewesen.

Die Mitgliederentwicklung nannte die scheidende Vorsitzende überwältigend – von 101 im Jahr 2016 auf nun 212. 2019 habe es einen enormen Schub gegeben, und auch jetzt wieder nach der Kanzlerkandidatur Baerbocks. Die Zahl der Ortsverbände habe man in dieser Zeit glatt auf acht verdoppelt, zuletzt in Finsing, Wartenberg, Wörth und Ottenhofen. „Ich bin optimistisch, dass das so weitergeht“, meinte Stieglmeier.

Bei der Europawahl hätten sich die Grünen von 11,34 auf 17,69 Prozent verbessert – ein Plus von 50 Prozent. Im Kreistag sei man von 10,24 auf 17,05 Prozent gekommen, eine Steigerung um zwei Drittel. Mit Alice Lorenz stelle man in Pastetten erstmals eine (Dritte) Bürgermeisterin. In einigen Gemeinderäten sei man erstmals vertreten, die bestehenden Fraktionen seien gewachsen.

Als „finanziell gut handlungsfähig“ bezeichnete der scheidende Schatzmeister Florian Geiger den Kreisverband. Zwar sei das Vermögen von 36 454 auf 20 907 Euro abgeschmolzen und man habe 2019 mit einem Minus von 1972 und voriges Jahr mit 15 547 Euro Minus abgeschlossen, „aber wir hatten zwei Wahlkämpfe“. Das Plus an Mitgliedern stärkt laut Geiger auch die Parteikasse.

Landtags-Fraktionschefin Schulze bekannte, der emotionale Abschied berühre sie sehr. Erding sei „ein besonderer Kreisverband mit Kooperation und Vertrauen“. Mit Stieglmeier gehe eine Ära zu Ende – Kreissprecherin seit 2000, Fraktionschefin seit 2002, dazu das große Engagement im Anti-Startbahn-Bündnis Aufgemuckt. Landeschefin Eva Lettenbauer bekannte: „So einen Tag erlebe ich selten.“ Stieglmeier lobte sie als „knallharte Feministin, die wir bei den bayerischen Grünen brauchen“. Zum Abschied erhielten die Vorsitzenden ein dickes Heft – mit Pressestimmen aus ihrer Amtszeit. 

ham

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