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Andreas Lenz (CSU) bleibt alleiniger Vertreter des Wahlkreises Erding-Ebersberg.

Wahlanalyse – Kein Kandidat schafft es über die Landesliste

Neuer Bundestag: Lenz bleibt allein

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Die Bundestagswahl ist vorbei. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Wer war wo stark? Lesen Sie unsere große Wahlanalyse.

Erding - Einige der zehn Erststimmen-Kandidaten im Wahlkreis Erding-Ebersberg hatten aussichtsreiche Listenplätze. Dennoch wird die Region auch in den nächsten vier Jahren nur von Andreas Lenz (CSU) im Bundestag vertreten sein. Alle anderen scheiterten an den Zweitstimmen-Ergebnissen und konnten weder ein Überhang- noch Ausgleichsmandat holen. 2017 war auch Ewald Schurer (SPD) ins Parlament eingezogen, er starb aber kurz nach der Wahl völlig überraschend.

Wahlsieger Lenz hat, wie berichtet, kräftig eingebüßt. Vor vier Jahren hatte der 40-Jährige noch in 15 der 26 Landkreis-Gemeinden die absolute Mehrheit von 50 plus X Prozent der Stimmen geholt, diesmal nur noch in zweien (Inning: 51,3 %) und Steinkirchen (52,3 %). Die wenigsten Stimmen erhielt er in Berglern (36,5 %), Dorfen (40,1 %) und Ottenhofen (40,8 %). Bei den Parteistimmen holte die CSU in Berglern (29,6 %), Wörth (30,1 %) und Dorfen (31,6 %) ihre geringsten Werte. Erneut war Lenz klar erfolgreicher als die CSU.

Das sind Zahlen, von denen Magdalena Wagner und die SPD nur träumen können. Die Lehrerin fuhr in elf Gemeinden nur ein einstelliges Ergebnis ein, die SPD in drei. Am erfolgreichsten war Wagner in Erding (17,2 %), Berglern (14,8 %), und Dorfen (14,5 %), die Partei in Erding und Wörth (je 17,8 %) sowie Langenpreising (15,2 %).

Zu den großen Wahlverlierern gehören Peter Junker und die AfD. Nicht einmal in seinem Heimatort Finsing konnte der Rentner punkten: 9,9 % für ihn, 9,2 % für die Partei. Auch in der früheren Republikaner- und jetzigen AfD-Hochburg Taufkirchen brachten die Rechten kein Bein auf den Boden: 9,1 Prozent Erst- und zehn Prozent Zweitstimmen. Am erfolgreichsten waren Junker und die AfD in Kirchberg (13,3/14,3 %). Dort lebt der AfD-Landratratskandidat von 2020, Rainer Forster. Zweistellig ist Junker zudem in Kirchberg (13,3 %), Eitting (11,9 %), Berglern (11,3 %) und Hohenpolding (10,5 %).

Die Grünen, die lange von Annalena Baerbocks Kanzlerschaft träumten, wachten in Erding verkatert auf. Direktkandidat Christoph Lochmüller blieb in elf Gemeinden einstellig. Am erfolgreichsten schlugen sich die Grünen in Ottenhofen – mit 16,9 % der Erst- und 17,6 % der Zweitstimmen. Auch in Wörth war die Ökopartei traditionell stark (16,6/15,7 %).

Auf Bundesebene regelrecht pulverisiert worden sind die Freien Wähler. Wäre die Wahl nur im Erdinger Land entschieden worden, säße Hubert Aiwanger nun im Bundestag, denn hier übersprangen die FW mit 8,3 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde. Ihr bestes Ergebnis holten sie in Kirchberg (17,6 %), Lengdorf (16,5 %) und St. Wolfgang (16,3 %). FW-Kandidatin Birgit Obermaier, die am Montag Geburtstag feierte, konnte den Heimvorteil nutzen: In ihrem Wohnort Pastetten holte sie mit 16,9 % ihr bestes Ergebnis. In Kirchberg waren es 15,5 %.

Auch bei der FDP zog die Partei stärker als der Kandidat Marc Salih. Das beste Ergebnis errangen die Liberalen in Ottenhofen (14,0 %) gefolgt von Finsing (13,3 %) und Oberding (13,1 %). Salihs beste Ergebnisse kommen aus Finsing (9,0 %), Erding (8,2 %) und Oberding (8,0 %).

Interessant auch die absoluten Zahlen der Wählerstimmen: Lenz holte 70 654, die CSU 55 91, Wagner 24 204, die SPD 25 690, Junker 11 447, die AfD 12 226, Salih 13 224, die FDP 20 227, Lochmüller 24 838, die Grünen 24 620 sowie Obermaier 12 155, die FW 13 862. Zum Vergleich: Vor vier Jahren waren es nur 4669 FW-Zweitstimmen gewesen, damals ohne Direktbewerber.

Erfreulich war die hohe Wahlbeteiligung, die von 82,4 auf 83,9 stieg. Der Zuwachs fand in allen Orten statt, am stärksten war er in Neuching und Steinkirchen (je + 6). Am höchsten war die Beteiligung in Steinkirchen (90,4 %), Ottenhofen (89,1 %), Buch (87,5 %) und Wörth (87,0 %), am niedrigsten in Taufkirchen (79,3 %), Erding (79,4 %) und Dorfen (81,9 %).

ham

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