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Ein neues Gesicht wird das Areal zwischen Landgestüt- und Dr.-Henkel-Straße bekommen, wenn das neue, vierstöckige Gebäude (in Rosé) auf dem Großparkplatz erst einmal fertig ist.

Investor und Stadtbauamt ringen um Wohn- und Bürohaus in Erding – Pläne fast geplatzt

Hauen und Stechen ums neue Arbeitsamt

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Hinter den Kulissen tobt zwischen Stadt Erding und einem Bau-Investor ein heftiger Kampf. Es geht um ein Wohn- und Bürohaus an der Landgestütstraße. Hier soll die Agentur für Arbeit unterkommen.

Erding – Es ist eine verzwickte Gemengelage zwischen der Stadt Erding und der Bayerischen Liegenschaften GmbH. Kommune und Investor eint – freilich aus unterschiedlichen Beweggründen – der Wunsch, so schnell wie möglich auf dem Großparkplatz zwischen Landgestüt- und Dr.-Henkel-Straße ein großes Wohn- und Bürohaus zu errichten. Dort soll die Agentur für Arbeit, derzeit in Containern am Bahnhof untergebracht, einen neuen, zukunftssicheren Standort bekommen. Doch der Weg dorthin ist gesäumt von gegenseitigen Vorwürfen, bösen Briefen und Unterstellungen.

Zwei Konfliktlinien

Es gibt zwei Konfliktlinien: Die Investoren werfen dem Rathaus vor, sie mit ständigen Änderungswünschen zu gängeln. Verwaltung und Stadt wiederum unterstellen den Investoren Helmut Sedlmeir und Maximilian Neumayr, einen Neubau zu verfolgen, der in seiner Dimension nicht in die Umgebung passt. Um ein Haar wäre das Vorhaben geplatzt. Der Stadtentwicklungsausschuss fällte am Donnerstag einen Beschluss, der die Wogen vorerst glättet.

Vor fünf Jahren haben Sedlmeir und Neumayr den baureifen Parkplatz gekauft. Beide machen keinen Hehl daraus, hier ein Haus errichten zu wollen, um selbst darin zu wohnen – in zwei Penthouse-Wohnungen.

Erding braucht dringend Büroflächen - nicht nur fürs Arbeitsamt

Beide berichten, dass die Stadt damals an sie mit der Bitte herangetreten sei, in diesem Zuge einen Behördenstandort zu schaffen. Vor allem die Agentur für Arbeit, derzeit befristet in Containern am S-Bahnhof untergebracht, brauche Räume. Laut Sedlmeir war erst von 1200, nun von 1000 Quadratmetern die Rede, die die Agentur benötige. Die Geschäftsführer berichten aber auch von Bitten, Räume für die Lebensmittelkontrollbehörde des Umweltministeriums (derzeit in Schwaig) und die Caritas zu schaffen.

Das Projekt nahm immer größere Formen an, sodass sich die Stadt entschloss, den Bebauungsplan von 2006 zu ändern. Der derzeit gültige erlaubt solche Dimensionen nicht. Sedlmeir und Neumayr berichten weiter, dass sie immer auch auf einen Anteil an Wohnungen bestanden hätten, letztlich zur Finanzierung und Rentabilität des Millionenvorhabens. Büroflächen für Caritas und Lebensmittelkontrolleure mussten sie ablehnen. „Wir hätten sonst eine zweigeschossige Tiefgarage bauen müssen – zu teuer“, erklärt Sedlmeir.

Ärger mit Denkmalschutz droht

Im Januar 2019 beschloss der Stadtrat, den Bebauungsplan zu ändern – schon damals nicht stressfrei. Einigen Räten war das Objekt zu voluminös, vor allem die Penthouse-Etage stieß auf Missfallen. Zudem wurden Konflikte mit dem Denkmalschutz befürchtet – wegen der benachbarten Gründerzeit-Villen.

Öffentlich wurde es ruhig um das Wohn- und Bürohaus. Hinter den Kulissen wurde eifrig gerungen – und gestritten. Sedlmeir und Neumayr beklagen, dass sie nun schon den 17. Entwurf vorgelegt hätten. Das Stadtbauamt wolle sie ausbremsen. Ersatzstandorte für die Arbeitsagentur kamen ins Spiel.

Ein Brief vom April treibt den Streit auf die Palme

Ein Brief, der Ende April im Rathaus einging, trieb den Konflikt auf die Spitze. Von geplatzten Verhandlungen bezüglich der Arbeitsagentur war die Rede. Im August forderten die Fraktionen von Grünen, Freien Wählern und Erding Jetzt OB Max Gotz (CSU) öffentlich auf, in Sachen Bebauungsplan endlich Gas zu geben. Das Arbeitsamt drohe abzuwandern. Gotz erwiderte, das sei gar nicht möglich. Erding sei Oberzentrum, daher müsse die Behörde in der Stadt bleiben.

Über den Brief sagen die Investoren: „Damit wollten wir Druck machen, dass es vorwärtsgeht.“ Das Rathaus handelte – aber anders als erwartet. Der Stadtentwicklungsausschuss sollte am Donnerstag den Aufstellungsbeschluss für die Bebauungsplanänderung aufheben. Die Begründung von Stadtbaumeister Sebastian Henrich: Wenn der Deal geplatzt ist, reicht für das ursprüngliche Ansinnen der Investoren der alte Plan.

Brief vor der Sitzung schlägt ein wie eine Bombe

Kurz vor der Sitzung flatterte den Fraktionen ein Brandbrief der Bayerischen Liegenschaften auf den Tisch, gespickt mit Vorwürfen gegen das Bauamt und der Feststellung, dass sowohl die Agentur für Arbeit als auch sie selbst nach wie vor größtes Interesse hätten, die 1000 Quadratmeter Bürofläche zu schaffen. Neumayr und Sedlmeir betonen: „Wir haben stets alle Wünsche der Stadt erfüllt. Das hat uns jedes Mal viel Geld gekostet.“ Im Juli habe man die 5000 Euro für die Bauleitplanung überwiesen. Sie vermuten persönliche Animositäten.

Der Ausschuss wechselte merklich aufgeschreckt in die Nichtöffentlichkeit. Eine halbe Stunde später war alles vorbei: Ohne Diskussion wurde von der Beschlussvorlage abgerückt: Die Bebauungsplanänderung wird jetzt doch weiterverfolgt. Möglich sind laut Gotz damit Erdgeschoss und drei Stockwerke, inklusive Penthouse. Am Ende siegte das Verbindende: der Wille, das Arbeitsamt unterzubringen.

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