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Vor 300 Schülern sprach Redakteur Timo Aichele. Auch Schulleiter Jens Baumgärtel (l.) hörte gespannt zu. 

Schülermedientag an der FOS/BOS Erding

Nichts als die Wahrheit: So arbeiten Journalisten

Fast eine Stunde lang hatte Redakteur Timo Aichele leichtes Spiel. Er referierte am Freitag in der Aula der Beruflichen Oberschule über „Fakten gegen Fakes“. Nach seinem Vortrag gab er das Mikro aus der Hand – und musste sich ganz schön viel Kritik an der Arbeit von Medien anhören. Rund 300 Schüler diskutierten mit dem stellvertretenden Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger über die Glaubwürdigkeit von Nachrichten. Das war das Thema des Schülermedientags, bei dem Medien-Profis an Schulen in ganz Bayern mit Jugendlichen darüber ins Gespräch kamen.

Erding – Die Erdinger Schüler bewiesen, dass sie der Informationsflut durchaus kritisch gegenüber stehen. „Bei polarisierenden Themen, würde ich eher nachforschen, ob sie auch stimmen“, sagte die 20-Jährige Julia Westermeier. Celina Eckert (17) aus Langengeisling brachte den Redakteur in Erklärungsnot. „Kein Mensch, auch kein Journalist, kann seine subjektive Meinung komplett raushalten. Was wir schreiben, ist von Emotion geleitet“, sagte sie. Hier musste Aichele zugeben, dass die Suche nach Objektivität tatsächlich eine besonders schwierige Aufgabe von Journalisten sei. Doch er und seine Kollegen würden sich dabei an Recht und Gesetz sowie ethische Regeln halten. Das journalistische Handwerkszeug, wie man fair und sorgfältig recherchiert sowie Fakten gewichtet, sei dabei sehr wichtig. „Wir alle brauchen Informationen über die Welt“, sagte der Redakteur. Komplexe Themen müssten oft in wenigen Zeitungszeilen dargestellt werden.

Der Redakteur hatte zuvor seinem Publikum ein Video der Youtuberin Dagi Bee gezeigt. Bei ihrem von über vier Millionen Menschen abonnierten Kanal mit Schminktipps würden Werbung und Informationen wild vermischt, kritisierte der Journalist. Hier hakte Mathias Rachid (18) aus Poing ein. Er wies darauf hin, dass es durchaus Youtuber gebe, die fundierte Nachrichten verbreiten. Durch Links könnten die Informationen hier leichter zurückverfolgt werden. Das sei bei der Zeitung dann doch schwierig. „Man muss den Journalisten einfach glauben, was sie schreiben.“

Gerade diese Kritik des 18-Jährigen hatte Aichele aber zuvor in seinem Vortrag auszuräumen versucht. Er stellte die Arbeit von Journalisten allgemein und im Besonderen der Zeitungsgruppe Münchner Merkur/tz dar. Die Probleme der Nachrichtenschwemme im Internet veranschaulichte der Redakteur mit einer auf Facebook verbreiteten Falschmeldung über den Tod der Sängerin Billie Eilish, die zigtausendfach geteilt wurde.

Solche Fakes würden Medien-Profis, die nach ethischen und handwerklichen Regeln arbeiteten, nicht produzieren, erklärte er. Dafür würden seriöse Medien wie der Münchner Merkur strikt den Pressekodex einhalten, der die Journalisten vor allem zu Wahrhaftigkeit und zur Achtung der Menschenwürde verpflichtet. Dass er und seine Kollegen trotzdem ganz schön im Feuer stehen, verdeutlichte Aichele mit einem aktuellen Fall aus dem Erdinger/Dorfener Anzeiger. Die Berichterstattung über eine AfD-Kundgebung in Eichenried zog unter anderem auf Facebook eine wahre Kommentar-Schlacht nach sich.

In der Diskussion meinte Giuliano Caldiero (22) aus Hohenpolding, dass rechte Gewalt in den Medien verharmlost werde. Dem widersprach Aichele und wies darauf hin, dass häufig kritisiert werde, dass zu wenig über Vergehen von Asylbewerbern berichtet werde. Hier helfe nur, nüchtern die Fakten darzustellen.

Jakob Deutinger (18) aus Aufkirchen kritisierte die Berichterstattung übers Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Die Artikel seien zu sehr gegen die Bauern gerichtet gewesen. Das seien nur Ausschnitte der Debatte gewesen, antwortete der Referent. Zunächst hätten die Initiatoren des Volksbegehrens ihr Anliegen dargestellt. Über die Kritik daran sei durchaus ausführlich berichtet worden.

Die Debatte hätte noch lange weitergehen können. Als der Gong nach 90 Minuten zur Pause schlug, hatte ein Dutzend Schüler den Arm in der Luft. Einige von ihnen nutzten am Ende die Gelegenheit und diskutierten mit dem Redakteur weiter.

Pauline Dücker

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