Norbert Kammerer aus Erding hat zwei 3D-Druckker zu Hause. Damit hilft er jetzt in der Corona-Krise – er produziert Gesichtsschutzschile.
+
Der Technik-Freak bei der Arbeit: Norbert Kammerer daheim in Erding vor seinen beiden 3D-Druckern, mit denen er Schutzschilde fürs Gesicht samt Visier herstellt. Eines davon trägt er selbst.

Große Nachfrage 

Erdinger Norbert Kammerer produziert Corona-Schutz aus dem 3D-Drucker

  • vonDaniela Oldach
    schließen

Norbert Kammerer aus Erding hat zwei 3D-Druckker zu Hause. Damit hilft er jetzt in der Corona-Krise – er produziert Gesichtsschutzschilde.

ErdingDie beiden 3D-Drucker von Norbert Kammerer laufen auf Hochtouren. 30 bis 40 Schutzschilde fürs Gesicht samt Visier produziert der Erdinger jeden Tag mit den Hightech-Geräten. Einen Profit aus der Corona-Krise will der 51-Jährige aber nicht schlagen. Der Erdinger verkauft seine Schilde zum Selbstkostenpreis von einem Euro pro Stück.

Durch Zufall kam der Familienvater zu seinem neuen Job. „Ein Freund aus Hallbergmoos hatte in der Ebersberger Zeitung über einen jungen Steinhöringer gelesen, der mit einem 3D-Drucker Gesichtsschutz produziert und hat mir das gesagt. Und dann hab’ ich mir gedacht: Warum mache ich nicht auch so etwas?“, erzählt Kammerer. „Ich hab’ mich ein bisschen schlau gemacht und dann mal zehn Stück gedruckt“, ergänzt er.

Begehrt bei Ärzten und Pflegediensten

Das Prinzip sei ganz einfach. „Das ist wie ein Kunststoff-Haarreif, den man an der Stirn entlang trägt. Dann kommt eine Folie hin, die am Haarreif um den Kopf nach hinten befestigt wird. Es ist eine Einheitsgröße, die wirklich für jeden Kopf passt. Man könnte sogar noch ein Gummiband hinten reinmachen“, erklärt Kammerer. Vorne wird noch ein Visier angebracht.

Kammerer schrieb Ärzte, Pflegedienste, Landrat Martin Bayerstorfer, Erdings OB Max Gotz und Nachbarschaftshilfe-Vorsitzende Petra Bauernfeind per E-Mail an und informierte sie über sein Angebot. Während sein Gesichtsschutz made in Erding bei Ärzten und Pflegediensten heiß begehrt ist, kam von politischer Seite und von Bauernfeind keine Reaktion. „Da habe ich mir schon mehr versprochen und bin etwas enttäuscht. Aber wenn man nur an die Info-E-Mail schreiben kann, ist es vielleicht auch untergegangen“, mutmaßt Kammerer.

Der eigene Zahnarzt hat schon 30 Schutzschilde bestellt

Zu tun hat er ohnehin genug. „Es ist schon Wahnsinn, was in der ersten Woche reingekommen ist.“ Sein Zahnarzt habe gleich 30 Stück abgenommen, ein Erdinger Seniorenheim eine Großbestellung aufgegeben. Mehr als 400 Schutzschilde hat er mittlerweile gedruckt und ausgegeben. „Wahnsinn“, freut er sich über seine Idee.

Wer kann diesen Gesichtsschutz brauchen? „Jeder, der Kundenkontakt hat. Das wurde mir klar, als ich durch Erding ging und schaute, welche Geschäfte noch offen haben“, erzählt der 51-Jährige. Also Apotheken, Bäcker, Metzger. Ihnen allen stellte Kammerer seinen Schutz vor. „Die ersten Reaktionen waren verhalten. Dann habe ich aber eine Maske gezeigt und auch erklärt, wie man sie reinigen kann. Dann sind die Menschen langsam aufgetaut“, berichtet er von seinen Erfahrungen.

Kammerers sozialer Beitrag: Verkauf zum Selbstkostenpreis

Auch über den Stückpreis von einem Euro staunten viele. „Ich war schon immer sozial eingestellt. Und ich finde es eine Unverschämtheit, Menschen in solch einer Notsituation mit überhöhten Preisen auszunutzen. Ich möchte meinen sozialen Beitrag in dieser schweren Lage leisten“, sagt Kammerer.

Von seinem Arzt bekam er außerdem den Tipp, sich beim Katastrophenschutz zu melden. „Hier bekam ich gleich eine Rückmeldung, aber das sind die falschen Masken“, so Kammerer. Im realen Leben ist er Hausmann und bemalt kleine Figuren für Brettspiele. Im Jugendtreff Altenerding veranstaltet er einmal monatlich Spieletreffen – aktuell natürlich nicht.

Hobby-3D-Drucker hilft in Corona-Zeiten

Kammerer ist ein Technik-Freak. Seine beiden 3D-Drucker hat er sich vor ein paar Monaten rein interessehalber angeschafft. „Einfach für private Dinge, für den Modellbau oder für Vasen für den Garten. Und manchmal mache ich auch was für Kumpel. Das interessiert mich halt“, sagt der 51-Jährige.

Der kleinere Drucker braucht für einen Gesichtsschutz etwa eine halbe Stunde. Mit dem größeren Gerät kann Kammerer in zwei Stunden drei Masken produzieren. Täglich beginnt er damit zwischen 8 und 9 Uhr morgens und macht erst zwischen 22 und 23 Uhr Feierabend.

Nach Desinfektion wiederverwendbar

„Familiären Lagerkoller haben wir nicht“, sagt Kammerer. Auch Sohn Ralph (18) hilft fleißig mit. Der Schüler lernt gerne nachts und hat gleichzeitig ein Auge auf die Drucker. Kammerers Ehefrau und der jüngere Sohn Cedric sind auch schon mit dem Gesichtsschutz Marke Eigenbau ausgestattet. Dieser besteht übrigens aus dem Kunststoff Polylactide, bekannt als PLA. Das ist synthetisches Polyester. „Ich habe einen guten Hersteller, der mich schnell beliefert und mir für diesen Zweck das Material auch günstiger gibt“, freut sich Kammerer. Mit einer Rolle kann er etwa 70 Schilde herstellen. Dazu kommt die Folie zum Befestigen. Dabei handelt es sich um Tageslichtprojektor-Folie, die nach einem bestimmten System gelocht werden muss. Beides kann man laut Kammerer im Handwaschbecken mit Spülmittel reinigen und nach der Desinfektion erneut benutzen. Kammerers Gesichtsschutz ist säurebeständig, leicht flexibel und wird lange Zeit nicht porös.

Weitere Infos gibt es bei Norbert Kammerer unter Tel. (01 76) 43 92 98 10.

Daniela Oldach

Alle Nachrichten und Infos zur Corona-Krise im Landkreis finden Sie in unserem Newsticker.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ein Apotheker an der Spitze des ÖDP-Kreisverbands
Der ÖDP-Kreisverband hat sich an der Spitze neu formiert. Apotheker Dr. Wolfgang Reiter ist in der Kreisversammlung in Riedersheim zum Nachfolger von Stephan Treffler …
Ein Apotheker an der Spitze des ÖDP-Kreisverbands
Video-Premiere: „Kein Mensch wird als Rassist geboren“
Musiker Andi Starek hat seinen Song gegen Rassismus präsentiert. Mit dabei war auch Schirmherr Kabarettist Christian Springer.
Video-Premiere: „Kein Mensch wird als Rassist geboren“
Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen
Für die Bürgerbefragung zum kommunalen Mobilitätskonzept wurden  2400  Taufkirchener angeschrieben. Aus 565 Antworten  leiten die Planer einige Probleme und …
Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen
Corona: Die Warn-App verhält sich bislang ruhig
Seit zweieinhalb Wochen gibt es die Corona-Warn-App. Dem Erdinger Gesundheitsamt sind bislang keine Fälle bekannt, die auf diese Weise bekannt wurden. 
Corona: Die Warn-App verhält sich bislang ruhig

Kommentare