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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Neue Bauordnung - Die Politik verspielt eine Chance

Kommentar: Wohlfeile Versprechen ohne viel Substanz

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Am Montag tritt die neue Bauordnung in Kraft. Sie hätte der Kommunalpolitik die Möglichkeit gegeben, ihre Wahlkampfversprechen einzulösen. Doch die drückt sich vielerorts, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

Wie weit Anspruch und Wirklichkeit in der Politik auseinander liegen können, zeigt sich beim Wohnungsbau. Es ist ein Jahr her, da versicherten im Kommunalwahlkampf jeder Kandidat und alle Parteien, sich für mehr (bezahlbaren) Wohnraum einzusetzen.

Allein das Versprechen ist gewagt, denn Baugrund, den sich die Gemeinden leisten können, ist knapp. Das Beispiel Landkreis-Wohnungsbaugesellschaft zeigt, wie schwer es trotz intensivster Bemühungen ist, eine nennenswerte Zahl neuer Wohnungen zu schaffen: Der große Wurf im Thermengarten Süd in Altenerding mit sieben Mehrfamilienhäusern hat Jahre gedauert.

Ab Montag hätten die Gemeinden die Möglichkeit, mehr Wohnraum auf weniger Platz zu ermöglichen. Doch die Novelle der Bauordnung, vor allem die starke Reduzierung der Abstandsflächen um bis zu 60 Prozent, lehnen die meisten ab.

Die Argumente sind ja nachvollziehbar: Eine lockerere Bebauung passt besser ins Ortsbild, Häuser verschatten sich nicht gegenseitig, und es bleiben Durchlüftungsschneisen. Aber all das führt dazu, dass eben doch weniger Wohnraum geschaffen werden kann.

Denn auch den anderen, dann logischen Schritt wollen die Kommunen nicht vollziehen – deutlich stärker in die Höhe zu gehen, schon gar nicht auf dem Land.

Dabei kann man den Wahlkämpfern vom Frühjahr 2020 nicht einmal Wortbruch vorwerfen, denn in den meisten Fällen waren es wohlfeile Versprechen ohne viel Substanz. Damit bleibt Wohnen im Landkreis Erding ein teurer Luxus, Immobilieneigentum für die meisten ein ferner Traum.

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Derweil geht der Irrsinn in der Corona-Bildungspolitik weiter. Ab Montag dürfen die Abschlussklassen der Gymnasien, der FOS/BOS und der Berufsschulen zurück in den Unterricht. Endlich. Aber was ist mit den Real- und Mittelschulen? Sitzen hier Jugendliche zweiter Klasse? Es gibt kein einziges Argument, sie auszuklammern. Sie werden weiterhin ihrer späteren beruflichen Chancen beraubt.

ham

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