Die Pollen explodieren, die Allergiker im Landkreis leiden in diesem Jahr extrem stark. HNO-Arzt Dr. Thomas Bauer (54), erklärt, warum der Heuschnupfen zu einer immer größeren Plage wird.
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Pollenalarm: Das lang anhaltende frühlingshafte Wetter führt dazu, dass sich die Blühperioden verschiedenster Bäume überschneiden. Hinzu kommt der fehlende Regen. Der Blütenstaub wird deswegen nicht abgewaschen, sondern mit jedem Windstoß erneut aufgewirbelt. Das macht Allergiker heuer besonders zu schaffen.

Dr. Thomas Bauer erklärt die Unterschiede und den Grund für die hohe Belastung

Nur Heuschnupfen oder doch Corona? HNO-Arzt im Interview

Die Pollen explodieren, die Allergiker im Landkreis leiden in diesem Jahr extrem stark. HNO-Arzt Dr. Thomas Bauer (54), erklärt, warum der Heuschnupfen zu einer immer größeren Plage wird.

Der Erdinger HNO-Arzt Dr. Thomas Bauer (54) erklärt im Interview, wie sich Patienten Linderung verschaffen können.

Erding Die Pollen explodieren, die Allergiker im Landkreis leiden in diesem Jahr extrem stark. Dr. Thomas Bauer (54), Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Erding und Dorfen, erklärt im Interview mit unserer Zeitung, warum der Heuschnupfen zu einer immer größeren Plage wird. 

Viele Menschen klagen über Heuschnupfen, meinen sogar, in diesem Jahr wäre ihre Allergie schlimmer. Kann das sein?

Wegen der derzeitigen Witterungslage mit sehr vielen sonnigen Tagen und so gut wie keinen Niederschlägen gibt es deutlich mehr Tage mit Pollenflug. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, länger an Allergien zu leiden. Weiterhin werden die vorhandenen Allergene kaum durch Regen gebunden und fortgespült, sondern immer wieder aufgewirbelt. Da jeden Tag Allergene hinzukommen, ist die Belastung zur Zeit deutlich erhöht.

Spielt der Klimawandel dabei eine Rolle?

Insgesamt haben sich über die letzten Jahre durch den Klimawandel die Blühperioden der einzelnen Pflanzen verschoben, aber auch verlängert. Es kommt zu mehr Überschneidungen in den Blühphasen.

Welche Pollen lösen Allergien aus?

Die Pollen, die am häufigsten Allergien auslösen, stammen von Birke, Erle, Hasel, Buche, Gräser und Roggen sowie Kräutern wie Beifuß, Ambrosia oder Ampfer. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Pflanzen, deren Pollen Allergien auslösen können.

Was sind die Symptome?

Die klassischen Symptome des Heuschnupfens sind Naselaufen, Augenjucken, eine behinderte Nasenatmung, gelegentlich Halskratzen und, bei stattgefundenem Etagenwechsel, auch allergisches Asthma.

Schnupfen, Halskratzen – kann das nicht auch eine Infektion mit Corona sein?

Bereits in der Anamnese werden die Unterschiede zwischen Heuschnupfen und Covid-19-Infektion deutlich. Häufig sind dem Patienten die saisonalen Beschwerden schon bekannt. Während Covid-19 mit Halsschmerzen, Fieber, Husten und Abgeschlagenheit einhergeht, sind diese Symptome beim Heuschnupfen, bis auf den Husten bei allergischem Asthma, eher selten und keine Leithinweise.

Schwächt eine Pollenallergie das Immunsystem?

Eine Pollenallergie schwächt das Immunsystem letztendlich nicht. Eine unbehandelte Pollenallergie kann aber dazu führen, dass der Körper aufgrund der Veränderungen, beispielsweise der Schleimhäute, anfälliger für Infektionen werden kann. Deshalb ist es sinnvoll, auch unabhängig von Covid-19, eine Pollenallergie zumindest symptomatisch zu behandeln.

Sind Allergiker in der Corona-Krise gefährdeter?

Grundsätzlich nicht, wenn sie ihre Allergien behandeln lassen. Patienten mit Asthma oder chronischer Nasennebenhöhlenentzündung können aber schwerere Verläufe haben.

Wer reagiert allergisch?

Warum jemand eine Allergie entwickelt, ist bis heute noch nicht umfänglich geklärt. Auffällig ist jedoch, dass Allergien bei der ländlichen Bevölkerung im Vergleich zur städtischen Bevölkerung seltener symptomatisch werden. Ein Erklärungsansatz ist eine andersartige Prägung des Immunsystems durch unterschiedliche äußere Einflüsse.

Das heißt, jeder kann eine Allergie entwickeln?

Im Grunde genommen ja. Aber es gibt eine genetische Disposition auf Allergien.

Können Allergien noch bei älteren Menschen auftreten?

Auch im höheren Lebensalter kann man Allergien entwickeln, aber die meisten Allergiker werden in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter symptomatisch.

Was hilft dagegen?

Zunächst hilft es, Allergenexposition zu vermeiden, was bedeuten würde, dass man sich bei Pollenflug nicht im Freien aufhalten sollte. Man sollte die Nähe von allergenauslösenden Pflanzen wie Birken oder einer Blumenwiese meiden.

Wie kann ich mich noch schützen?

Hilfreich sind hier Pollenflug-Vorhersagen, die leicht im Internet zu finden sind. Hilfreich ist für Allergiker auch, sich vor dem Schlafengehen die Haare zu waschen, um Allergene auszuwaschen, die einen sonst die ganze Nacht belasten.

Und Medikamente?

Auch Nasensprays und Akupunktur können die Symptome lindern, ebenso wie Augentropfen oder orale Antiallergika, die rezeptfrei in den Apotheken erhältlich sind. Ferner kann Akupunktur die Symptome lindern. Bei größeren Beschwerden, bei denen die frei verkäuflichen Medikamente nicht mehr nutzen, können stärkere Antihistaminika bis hin zur oralen oder systemischen Gabe von Cortison notwendig werden.

Sollte man bei Beschwerden zum Arzt?

Grundsätzlich sollte man eine Allergie immer abklären lassen. Die Symptome des unbehandelten Heuschnupfens können so massiv sein, dass eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit eintreten kann. Im weiteren Verlauf kann es zu einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen mit möglicher Polypenbildung führen. Unbehandelt kann ein Etagenwechsel stattfinden, der dann als allergisches Asthma imponiert, das langfristig zu nicht reversiblen Lungenkrankheiten führen kann.

Das Gespräch führte Michaele Heske.

Alle Nachrichten zur Corona-Krise im Landkreis Erding finden Sie in unserem Newsticker.

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