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Notorische Raser ausbremsen – das wird auch die neue Regelung nicht vermögen. Insgesamt soll das gedrosselte Tempo die Sicherheit und Aufenthaltsqualität erhöhen. Die Fahrradstraße nregelung fiel allerdings durch. 

Stadträte stimmen für Verkehrsberuhigung, der Weg dorthin erweist sich aber als kurvenreich

Nur noch Tempo 20 in der Altstadt

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In der Erdinger Altstadt darf künftig nicht schneller als 20 Kilometer pro Stunde gefahren werden. Das beschloss der Verkehrsausschuss des Stadtrats nach kontroverser Debatte mit 9:4 Stimmen. Die Polizei begrüßt den Schritt, das Busunternehmen Scharf indes befürchtet neuerliche Verspätungen.

Erding - Die Grünen-Fraktion konnte sich mit ihrem Antrag, die Innenstadt in eine Fahrradstraße umzuwandeln, nicht durchsetzen. Er fiel mit 1:12 Stimmen durch. Eine Fußgängerzone ist weiter weit von einer Mehrheit entfernt. Offen ist noch, wann die Tempo-20-Schilder aufgestellt werden.

Rechtlich gilt die Innenstadt als so genannter verkehrsberuhigter Geschäftsbereich – Schrannenplatz, Lange Zeile, Landshuter Straße bis zum Schönen Turm, Haager Straße bis Bachinger Straße und Münchener Straße bis zum Fehlbach. Christian Famira-Parcsetich vom Statdplanungsamt erklärte in der Sitzung am Dienstagabend, dass Geschwindigkeiten zwischen 10 und 30 km/h möglich seien. Bislang gilt Tempo 30. Famira-Parcsetich berichtete, dass einige Stadtratsfraktionen sowie etliche Bürger im Zuge der Erstellung eines Mobilitätskonzeptes eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit gefordert hätten.

Mehr Aufenthaltsqualität

Das Stadtplanungsamt vertritt die Auffassung, dass eine niedrigere Geschwindigkeit „negative Begleiterscheinungen des Verkehrsaufkommens vermindert und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität erhöht werden“ könnte.

Famira-Parcsetich betonte, dass eine geringere Maximalgeschwindigkeit die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer erhöhe. Letztere seien bei Tempo 20 nicht viel langsamer als Autofahrer. Fahren die Autos langsamer, nimmt seinen Worten zufolge auch die Lärmbelästigung für Anwohner, Passanten und Gastronomiebesucher ab.

Weiter berichtete er, dass die Polizei keine Einwände habe, sofern das Tempolimit regelmäßig überwacht werde. Baulich sei die Altstadt dafür geeignet, ebenso existiere bereits das dafür erforderliche Zonenhalteverbot.

Bedenken äußerte hingegen das Busunternehmen Scharf, das die Stadtbuslinien betreibt. Schon heute seien die Fahrzeuge oft nicht in der Lage, die Fahrpläne einzuhalten. Wie berichtet, mussten deswegen bereits Linien beschnitten werden. Die Firma Scharf fürchtet eine weitere Verschlechterung. Dazu erklärte Famira-Parcsetich, die Innenstadt sei nicht geeignet, dass Busse verlorene Zeit aufholten. Mittels (neuer) Beschilderung ließe sich die Regelung vergleichsweise leicht umsetzen.

Für Fußgängerzone sind nur die Grünen

Burkhard Köppen (CSU), der erst vor wenigen Monaten maximal Tempo 10 gefordert hatte (wir berichteten), zeigte sich zufrieden. „Das ist der Einstieg in eine echte Verkehrsberuhigung.“ In Anspielung auf eine Fußgängerzone beziehungsweise Fahrradstraße meinte Köppen: „Es wäre tödlich, einzelne Verkehre zu bevorzugen oder auszuschließen.“

Petra Bauernfeind (FW) bezog sich ebenfalls auf den Grünen-Antrag einer Fahrradstraße, auf der maximal Tempo 30 gilt und Radler nebeneinander fahren dürfen: „Der Mix würde damit ja nicht aufgehoben.“ Sie zeigte sich kritisch, „wie wir Tempo 20 durchsetzen wollen“. Die Schilder würden bereits heute vielfach ignoriert. Bauernfeind riet, erst das in Arbeit befindliche Mobilitätskonzept abzuwarten.

Gotz: Die meisten fahren eh langsamer

OB Max Gotz (CSU) ist überzeugt, „dass die meisten heute schon eher langsamer als 30 km/h fahren“. Einig waren sich die Räte, dass die einigen wenigen Raser damit nicht zur Räson gebracht werden könnten.

Günther Kuhn (Grüne) meinte erneut, dass „eine Fußgängerzone weiterhin die beste Lösung wäre“. Er plädierte weiter für eine Fahrradstraße. Die Aussperrung des Autoverkehrs lehnte Gotz strikt ab. Das hätte „fatale Folgen für die Nebenstraßen“.

Hermann Schießl (CSU) setzte auf mehr Zebrastreifen, etwa auf Höhe des Medienhauses des Erdinger Anzeigers. „Da fahren die Leute langsam.“ Sein Fraktionskollege Jakob Mittermeier erkannte grundsätzlich keinen akuten Handlungsbedarf. Stephan Treffler (ÖDP) fand beide Vorschläge gut.

Gotz stellte schließlich Tempo 20 und Fahrradstraße zur Abstimmung. Ersteres setzte sich klar durch.

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