Holzofen
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Die Holzöfen in der Obdachlosenunterkunft stellen ein unkalkulierbares Risiko dar.

Holzöfen in der Unterkunft an der Wartenberger Straße müssen raus – Müll verbrannt

Obdachlose in Lebensgefahr

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Es grenzt an ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist. Jetzt hat der Bezirkskaminkehrermeister die Reißleine gezogen. Die alten Holzöfen in der Obdachlosenunterkunft an der Wartenberger Straße müssen raus. Sie stellen ein viel zu hohes Risiko dar.

Erding – Darüber informierte Eric Stauch den Verwaltungs- und Finanzausschuss. Die Holzöfen waren praktisch: Sie sind robust, die Bewohner organisieren sich den Brennstoff selbst, die Kosten sind niedrig. Doch in der städtischen Notunterkunft lebt ein hoch problematisches Klientel. Der für die Sicherheit der Feuerungsanlagen zuständige Kaminkehrer äußerte nach Angaben Stauchs bei seiner jüngsten Begehung die Befürchtung, dass wegen der Alkohol- und Drogenproblematik sowie psychischer Belastung etlicher Bewohner die Holzöfen zu einer tödlichen Gefahr werden könnten – wenn sie im Rausch oder Wahn falsch bedient werden.

Stauch berichtete, dass dies in der Tat der Fall sei. „Es ist immer wieder vorgekommen, dass Obdachlose massive Stämme am Stück verbrannt haben. Ein Ende steckte im Ofen, das andere ragte in den Wohn- und Schlafraum.“ Nachts könnte sich hier unbemerkt ein Brand entwickeln.

Und noch etwas Befremdliches hat Stauch beobachtet: „In keiner Einrichtung fällt so wenig Müll an wie an der Wartenberger Straße.“ Doch die Bewohner sparen nicht etwa bei Verpackungen und Abfällen. Laut Stauch verbrennen sie ihn schlichtweg in ihren Öfen – eine nicht akzeptable Luftverschmutzung und Gesundheitsgefährdung.

Damit soll jetzt Schluss sein. Der Rathaus-Mitarbeiter kündigte an, dass die Holzöfen entfernt würden. Das setzt eine Kettenreaktion in Gang: Als Ersatz werden moderne Nachtspeicheröfen installiert – für rund 7400 Euro. Weil die Obdachlosen bis dato über dem Holzfeuer auch ihr Essen und heißes Wasser bereiten, müssen Kochgelegenheiten geschaffen werden – für weitere 2300 Euro.

Auch können die Bewohner das Heizmaterial nicht mehr selbst sammeln. Der Strombezug per Münzeinwurf entfällt wegen der neuen Speicheröfen dann. Nicht zuletzt rechnet Stauch mit höheren Ausgaben für Instandhaltung und Reparatur der neuen Geräte, die längst nicht so robust sind wie die alten Holzöfen.

Nicht nur auf die Stadt kommen höhere Kosten zu. OB Max Gotz (CSU) erklärte, der aktuelle Eigenanteil von 45 Euro pro Bewohner und Monat werde dann nicht mehr zu halten sein.

Insgesamt gibt es in Erding vier Obdachlosenunterkünfte, in denen derzeit 110 Menschen leben.

ham

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