Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Wärmestube abgelehnt, Konzept beschlossen

Kommentar zur Obdachlosenhilfe: Eine gute Idee und ihr großer Fehler

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Zwei Vereine sind mit einer an sich guten Idee im Stadtrat gescheitert - und das leider mit Ansage. Die Stadt konnte gar nicht anders handeln. Immerhin: Das Problem wurde erkannt, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

Wenn zwei das Gleiche wollen, muss das noch nicht dasselbe sein. Das zeigt sich in der Debatte um eine bessere Versorgung von Obdachlosen in Erding. Nachbarschaftshilfe und Flüchtlingshilfe wollen ein Wärmestüberl aufbauen, Obdachlosen darüber hinaus aber ein Rundumpaket schnüren, um ihnen wieder auf die Beine zu helfen. Die Stadt verfolgt – dank der im Dezember erstmals aufgeflammten Debatte – das gleiche Ziel.

Doch auf der einen Seite steht das Ehrenamt, auf der anderen Seite eine Kommune. Das macht einen großen Unterschied, der auch der Grund ist, warum die zwei, die das Gleiche wollen, noch auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Beide Vereine wollen nichts weniger als eine kommunale Pflichtaufgabe übernehmen. Eine Stadt muss freilich einen anderen Weg gehen. Deshalb war zum jetzigen Zeitpunkt die Entscheidung des Verwaltungs- und Finanzausschusses, den Antrag abzulehnen, die einzig Richtige.

Wenn die Stadt Erding beschließt, Obdachlosen über die reine Unterbringung hinaus helfen zu wollen – und dafür ist jeder Stadtrat –, muss sie dieses Projekt genau definieren, Aufgaben beschreiben, Zuständigkeiten formulieren – und es dann öffentlich ausschreiben, sodass sich jeder bewerben kann, der die Kriterien erfüllt. Wenn es am Ende auf Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfe hinausläuft, ist es vermutlich nicht die schlechteste Lösung.

Der Webfehler des Antrags ist, dass er mit einer Person verknüpft ist: der langjährigen Vorsitzenden der Flüchtlingshilfe, einer über die Maßen engagierten jungen Frau, die nach dem Abebben der Asylwelle eine neue berufliche Perspektive sucht. Auch hier gilt: Sollte sie es am Ende werden, wäre es gewiss eine gute Wahl.

Doch der Weg dorthin kann nur über die Regeln erfolgen, denen sich eine Stadt zu unterwerfen hat. Der jetzt einstimmig eingeschlagene Weg ist der einzig Richtige. Die Verwaltung erarbeitet, was sie alles braucht, um den Schwächsten der Schwachen zu helfen. Sie eruiert, welche staatlichen, kommunalen, kirchlichen und karitativen Unterstützungen es bereits gibt, formuliert eine Stellenbeschreibung mit Qualifikationen und schneidert daraus eine Leistungsbeschreibung, die Doppelstrukturen vermeidet.

Das Konzept von Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfe ist nach dem Nein am Donnerstag keineswegs obsolet, sondern könnte die Grundlage bilden für eine optimale Versorgung von Obdachlosen. Allerdings müssen beide Vereine so lange mit der Unwägbarkeit leben, am Ende nicht zum Zuge zu kommen. Das mag schmerzhaft sein. Jeder anderen Lösung würde der schlechte Ruf einer Gefälligkeitslösung anhaften.

In einem Kritikpunkt haben die Befürworter des Vereinsantrags freilich recht: Bei anderen Projekten hat die Stadt in der Tat freihändig Aufgaben delegiert. Zum Beispiel beim BRK und dem Bürgertreff. Auch wenn es eine gute Lösung geworden ist.

HANS MORITZ

Keine Gefälligkeitslösung bei der Obdachlosenhilfe

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