Da war die (Urlaubs-)Welt noch in Ordnung: Katharina Siwon und ihr Freund Tobias Schneider (v.  r.) mit Reisebekannten auf den Philippinen. Jetzt wissen die jungen Leute nicht, wie sie nach Erding zurückkommen sollen. Foto: privat

Hoffen auf Regierungsflieger

Gestrandet auf den Philippinen: Junge Erdingerin hängt wegen Corona-Pandemie fest

  • schließen

Katharina Siwon aus Erding flog in die Philippinen – als das Coronavirus noch weit weg war. Nun sitzt sie dort fest und hofft, zurückgeholt zu werden.

Erding/Siargaro – Auf diese Reise hatten sie sich lange gefreut, und ebenso lange gespart. Als Katharina Siwon aus Erding und ihr Freund Tobias Schneider am 23. Februar auf die Philippinen flogen, war die Corona-Pandemie mit ihren erschreckenden Ausmaßen noch weit weg. Jetzt hat sie das Virus mit brutaler Härte eingeholt – genauso wie etwa 80 000 Deutsche, die im Ausland in Ungewissheit leben müssen, wie und wann sie zurück nach Deutschland kommen.

Die 23-Jährige und ihr fünf Jahre älterer Freund hängen tausende Kilometer von der Heimat entfernt fest. Der Rückflug ist storniert. Nun bleibt der Studentin für Medien und Kommunikation und dem angehenden Lehrer nur die Hoffnung auf die Bundesregierung.

Corona-Krise holt den Urlaub ein

Siwon und Schneider wollten vier Wochen lang als Rucksackreisende die Philippinen erkunden, Natur, Strände und Kultur des Inselstaates kennen lernen. Am 14. März sind sie auf Siargaro angekommen – mit Erfahrungen, die sie so nie eingeplant hatten.

Siwon berichtet: „Anfangs war wirklich nichts vom Corona-Virus zu spüren.“ Das Paar unternehm Bootstouren, ging in Bars und erkundeten die Insel auf dem Motorroller. „Dass viele Einheimische an den Flughäfen und in den Städten Masken trugen, hat uns nicht irritiert, das ist in Asien an der Tagesordnung“, sagt die Studentin. Dass bei ihnen immer wieder die Temperatur gemessen wurde, hielt das Paar für eine reine Vorsorgemaßnahme.

2020: Odysee auf den Philippinen

All das änderte sich auf Siargao schlagartig. „Wir wurden streng kontrolliert, erhielten aber den Status ,Cleared‘, also alles in Ordnung.“ Andere mussten in Quarantäne, durften ihre Unterkunft nicht mehr verlassen, da sie sich zuvor in Manila aufgehalten hatten. Siwon erinnert sich: „Am 15. März hat man uns gesagt, dass Manila gesperrt wird, also niemand mehr rein und raus darf. Das hat uns schockiert, weil unser Rückflug am Sonntag von dort nach München gehen sollte.“ Das Paar konnte weder Fähre noch Flugzeug in die Hauptstadt des Inselstaates nutzen.

Eine Odyssee begann. „Wir versuchten vergeblich, unsere Fluggesellschaft als auch die Reiseagentur zu erreichen. Die Hotlines waren überlastet und wurden sogar komplett eingestellt. Wir hatten also die darauffolgenden Tage keine Ahnung, ob unser Flug stattfinden würde, ob wir eine Chance haben würden, nach Manila zu kommen.“

Wie kommen die Urlauber zurück?

Siwon und Schneider trafen andere Deutsche, WhatsApp-Gruppen wurden erstellt, um sich gegenseitig informieren zu können. „Wir sind sehr froh über diese Begegnungen, denn mit den anderen Deutschen teilen wir uns die Unterkunft und verbringen gemeinsam die Zeit“, berichtet die Erdingerin.

Hoffnung keimte auf, als die Information aufkam, dass das philippinische Militär Touristen aus Siargao nach Clark in der Nähe Manilas fliegt. Aus deutschen Online-Medien erfuhr das Paar, dass die Bundesregierung Rückflüge organisiert. „Wir haben uns in diverse Listen eingetragen, um die Militärflieger und die Flieger aus Deutschland nutzen zu können.“ Denn nur auf diesem Weg können Siwon und Schneider zurückkommen, alle internationalen Flüge sind nämlich seit Freitag eingestellt.

Situation verschärft sich von Tag zu Tag

Die 23-Jährige berichtet, „dass sich die Situation auf der Insel täglich verschärft“. Viele öffentliche Orte wie die Strände sind gesperrt, Gerüchte erhöhen die Unsicherheit. Auf den Straßen sind Militärfahrzeuge mit schwer bewaffneten Soldaten unterwegs. „Obwohl die Filipinos ein wirklich freundliches Volk sind, fühlt man sich immer unerwünschter“, bedauert die junge Frau.

Siwon und Schneider hoffen, dass sie in diesen Tagen Platz in einer Militärmaschine von Siargao nach Clark bekommen, um dort eine der Chartermaschine der Bundesregierung zu erreichen. Allerdings wissen sie auch, dass andere Reisende mehrere Tage am Airport ausharren mussten. Hoffen und Bangen sind noch nicht vorbei.

Hans Moritz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auto prallt in Leitplanke - Fahrer leicht verletzt
Leichte Verletzungen hat ein Autofahrer aus Tschechien erlitten, der am Donnerstagmorgen auf der A92 einen Unfall ausgelöst hat.
Auto prallt in Leitplanke - Fahrer leicht verletzt
„Schamlose Selbstinszenierung“: Söder wird nach Corona-Auftritt am Flughafen sogar mit Trump verglichen
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist beliebt wie noch nie. Sein Krisen-Management während der Corona-Krise scheint den Menschen zu gefallen. Jetzt gab es …
„Schamlose Selbstinszenierung“: Söder wird nach Corona-Auftritt am Flughafen sogar mit Trump verglichen
Erdings Stadtpfarrer: „Corona-Krise ist ein Kreuzweg für uns alle“
Die 14 Kreuzweg-Stationen in Erding bieten sich für ein stilles Gebet zu Ostern an. So sind sie entstanden.
Erdings Stadtpfarrer: „Corona-Krise ist ein Kreuzweg für uns alle“
Schulen wegen Corona zu: Lehrer-Video rührt Oberdinger Realschüler zu Tränen
Mit einer emotionalen Botschaft in Corona-Zeiten haben sich die Lehrer der Oberdinger Realschule an ihre Schüler gewandt. Die Reaktionen auf das 17-minütige Video waren …
Schulen wegen Corona zu: Lehrer-Video rührt Oberdinger Realschüler zu Tränen

Kommentare