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Menschliche Tragödien blieben trotz deutlich weniger Unfälle nicht aus. Am 17. Mai kam ein 30-Jähriger aus Erding auf der A 92 ums Leben. Die drei Männer könnten sich in einem Porsche Cayenne ein Rennen mit einem bislang unbekannten Fahrzeug geliefert haben.

Polizeipräsidium stellt Unfallstatistik vor – Corona hat die Straßen sicherer gemacht

So wenige Verkehrstote wie noch nie

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Das Pandemiejahr könnte als das mit den wenigsten Verkehrstoten seit Einführung der bundesdeutschen Unfallstatistik im Jahr 1953 in die Geschichte eingehen.

Erding/Ingolstadt – Gerade in den beiden Lockdowns waren deutlich weniger Menschen unterwegs. Und auch als die Bestimmungen gelockert wurden, blieb es auf den Straßen ruhiger als sonst. Das gilt auch für den Landkreis Erding. Am Freitag stellte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt die Unfallstatistik 2020 vor.

Im Landkreis Erding haben sich fast ein Viertel (24,3 Prozent) weniger Kollisionen ereignet. Die Zahl ging nach Angaben der Polizei von 5171 auf 3916 zurück. Bei 462 Unfällen gab es Verletze, ein Rückgang um 68 oder 12,8 Prozent. Insgesamt wurden 592 Beteiligte verletzt (742/minus  20,2 %), Die Zahl der Toten hat sich 2020 mehr als halbiert: Drei statt sieben Opfer sind zu beklagen. 2017 waren es vier gewesen, 2013 sechs. Es gab aber auch Jahre mit sehr viel mehr Verkehrstoten: 204 und 2016 ließen jeweils 14 Menschen ihr Leben auf der Straße.

Der erste tödliche Unfall ereignete sich am 17. Mai auf der A 92 nahe der Anschlussstelle Langenpreising/Wartenberg. Vermutlich war es ein Autorennen, das sich drei Männer während einer Probefahrt in einem Porsche Cayenne mit einem anderen Fahrzeug geliefert hatten. Als ein Handwerkerfahrzeug auf die linke Spur ausscherte, um einen Sattelzug zu überholen, raste der Bolide unter den Auflieger. Der 30 Jahre alte Beifahrer aus Erding starb wenig später in einer Münchner Klinik. Seine Brüder wurden schwer verletzt.

Am 7. Juli fand gegen 16 Uhr ein Passant einen 89-Jährigen auf der Kirchenstraße in Moosinning liegend. Er dürfte alleinbeteiligt vom Rad gestürzt und an den Folgen gestorben sein.

Am 23. Oktober übersah ein 40-jähriger Autofahrer bei Isen einen 56 Jahre alten Motorradfahrer. Beim Zusammenstoß erlitt der schwerste Verletzungen und musste vor Ort reanimiert werden. Am 1. November erlag er in einer Klinik seinen Verletzungen.

Nicht in die Erdinger Statistik eingegangen ist ein Horrorunfall am 10. August auf der B 20 bei Straubing. Ein mit vier aus Erding stammenden Afghanen besetzter VW Polo war mit einem Lkw und einem Kleintransporter kollidiert. Die Männer im Alter zischen 22 und 26 Jahren kamen dabei zu Tode.

Rückläufig sind auch die Fälle von Unfallflucht – um 34,7 Prozent. 570 waren es im vergangenen Jahr, noch 837 in 2019. Konstant geblieben sind hingegen die Alkoholunfälle – 58. Besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Unfällen mit berauschenden Mitteln, in erster Linie Drogen. Der Anstieg von drei auf zehn bedeutet ein Plus von 233,3 Prozent. Hier ragt Erding im Vergleich zu den anderen Landkreisen als Negativbeispiel heraus. Insgesamt blieb im Schutzbereich des Ingolstädter Präsidiums die Zahl der Drogen- und Medikamentenunfälle nämlich nahezu konstant.

Als Unfallursache Nummer eins mit fast einem Fünftel nennt die Polizei Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärts-, Ein- oder Ausfahren. Danach folgen mit 17,3 Prozent zu wenig Sicherheitsabstand sowie mit 11,7 Prozent Missachtung der Vorfahrt. Zudem stellen die Beamten fest: Der Gebrauch des Handys während der Fahrt führt immer öfter zu Unfällen. Zu Raserunglücken merkt das Präsidium an, nicht unbedingt die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit sei das Problem, sondern die den äußeren (Witterungs-)Verhältnissen nicht angepasste Fahrweise. Dabei gelte: Je schneller man fahre, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit einer Kollision.

Steigend ist der Anteil der Älteren an Unfällen (8,2 %). Seit 2011 werden es jedes Jahr mehr. Genauso hoch ist allerdings auch der Anteil junger Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren.

Positiver Effekt der geschlossenen Schulen: Die Unfälle von Kindern auf dem Weg dorthin oder nach Hause gingen um fast 30 Prozent zurück. Den Trend zum Radfahren spürt auch die Polizei: Die Unfälle nahmen um zwei Prozent zu. In fast drei Viertel aller Kollisionen lag auch die Schuld bei den Radlern.

ham

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