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Die Kühlschränke sind leer, die Stühle bereits hochgestellt. Das Pächterehepaar Gisela und Bernhard Rötzer nimmt nach 35 Jahren Abschied von ihrem Gasthaus Zur Post.
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Die Stühle sind hochgestellt, die Wirtsstube ist dunkel: Gisela und Bernhard Rötzer sitzen allein in „ihrer“ Post, die sie 35 Jahre lang als Wirtsleute erfolgreich geführt haben. Jetzt ist Schluss.

Das Traditionsgasthaus „war unser Zuhause“

Aus nach 35 Jahren: Post-Wirte Bernhard und Gisela Rötzer hören auf

Die Kühlschränke sind leer, die Stühle bereits hochgestellt. Das Pächterehepaar Gisela und Bernhard Rötzer nimmt nach 35 Jahren Abschied von ihrem Gasthaus Zur Post.

ErdingDie Kühlschränke sind leer, die Stühle bereits hochgestellt. Das Pächterehepaar Gisela und Bernhard Rötzer nimmt nach 35 Jahren Abschied von ihrem Gasthaus Zur Post – wegen der Corona-Situation einige Tage früher als geplant. Zeit für einen Rückblick.

Bernhard Rötzer hatte schon mit 15 Jahren einen festen Plan: „Ich wollte auf jeden Fall einen eigenen Betrieb haben“, erzählt der 60-jährige Gastwirt. Aufgewachsen ist er als Wirtsbua in Siglfing, wo seine Eltern eine Gast- und Landwirtschaft betrieben. Bernhard und seine drei Brüder halfen schon von Kindesbeinen an mit. „Mit sieben Jahren habe ich schon eingeschenkt, bedient und kassiert. Da hat die Halbe Bier noch 55 Pfennig gekostet“, erinnert sich Rötzer.

Zielgerichtet absolvierte er nach der Schule eine Ausbildung zum Metzger und hängte eine Kochlehre dran. Dann ging es auf die Hotelfachschule nach Altötting. Nach einigen Stationen in München (beim Dallmayr), Hamburg, Bonn und an der Ostsee fühlte sich der Siglfinger bereit für den Schritt in die Selbstständigkeit. Seine Freundin und spätere Ehefrau Gisela, die als Verwaltungsangestellte arbeitete, absolvierte die Hotelfachschule in Bad Wiessee, bevor sie gemeinsam den großen Schritt wagten.

Von der Mutter zur Post-Pacht überredet

Bei der Bewerbung für die Gastronomie in der neuen Erdinger Stadthalle scheiterten sie nur knapp. Auch die Übernahme des Dorfener Waitl-Bräu ließ sich nicht realisieren. „Damals waren wir schwer enttäuscht, aber im Rückblick war es ein Riesenglück“, erinnert sich das Ehepaar. Es folgte ein Anruf von Direktor Mayer von der Fischer’s Stiftungsbrauerei in Erding, „ob wir nicht den Gasthof Zur Post übernehmen möchten“.

Das Gasthaus war vier Jahre zuvor einer Kernsanierung unterzogen worden, jedoch scheiterten zwei Pächter in kurzen Abständen. Nun hoffte man, den richtigen zu finden. Die Post hatte damals aber einen dermaßen schlechten Ruf, „da war ich nicht interessiert“, erzählt Rötzer. Doch seine Mutter überredete ihn, es doch zu versuchen. So begann 1985 die Ära Rötzer in der Post.

„Die Post ist keine Gastwirtschaft für Anfänger“

Wenn die Eheleute zurückdenken an ihren Auftakt in der Post, mit der sie als Anfänger manchmal ziemlich überfordert waren, sind sie froh, die Anfangszeit mit viel Glück überstanden zu haben. „Die Post ist keine Gastwirtschaft für Anfänger“, weiß Rötzer heute. Hatte er sich damals gewundert über das große Vertrauen in so junge Leute von 23 und 25 Jahren, gab ihm der Stiftungsdirektor eine überzeugende Antwort: „Ich habe dich als Boxer kämpfen sehen. Wenn du in der Wirtschaft genau so viel Kampfgeist zeigst wie im Ring, dann schaffst du es.“

„Anfangs starteten wir noch ganz bescheiden“, erzählen die Rötzers. An Geschirr, Besteck und Tischdecken wurde nur das Nötigste gekauft. Auch ein Auto hatten sie anfangs nicht, und beim Kauf einer Bratpfanne überlegten sie zweimal, ob es die alte nicht auch noch tut.

Stadtpfarrer drängte das Wirtspaar zur Hochzeit

Der gelernte Koch leitete die Küche, Gisela Rötzer übernahm den Service. Mutter Marianne Rötzer und Bernhards Brüder halfen nach Kräften mit. „Wenn Personal ausgefallen ist, haben wir des Öfteren auch nachts um zwei Uhr noch selber die Toiletten geputzt, wenn wir mit den Gasträumen fertig waren“, erinnert sich Gisela Rötzer.

Nachdem der damalige Stadtpfarrer Josef Mundigl, nach drei Jahren das ‚gschlamperte Verhältnis‘ moniert hatte, wurde geheiratet. Bald darauf vergrößerten die Töchter Stephanie, Martina und Maxi die Familie. Mit Hilfe der beiden Omas bewältigte Gisela Rötzer den Spagat zwischen Arbeit und Familie. „Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen“, sagt die 58-Jährige rückblickend. Aber zum Glück waren die Mädchen recht brav und halfen von Kindesbeinen an mit.

Wirtshaus war das Wohnzimmer vieler Gäste

Der enge Zusammenhalt herrscht bis heute, auch die Schwiegersöhne brachten sich im Betrieb ein. Trotz der harten Arbeit blickt Gisela Rötzer positiv zurück. „Die Post war unser Zuhause und auch das Wohnzimmer vieler Gäste.“

Ihr Lieblingsplatz war der Biergarten, der mit viel Liebe bepflanzt wurde. Ihr Gatte erinnert sich gerne an den jährlichen Prosper-Anstich und die legendären Lumpen- und Bazibälle, ohne die der Erdinger Fasching kaum denkbar ist. Besonders liebte es Bernhard Rötzer, bei einem Pfiff Bier (eine schaumige Halbe) mit den Gästen zu ratschen, wenn es das Geschäft zuließ. Die Anerkennung der Gäste, die gerne wiederkamen, war für ihn der Beweis: „Wir haben es richtig gemacht.“

Frustrierende Mitarbeitersuche

Der Erfolg der Post sei aber nur möglich gewesen durch den tollen Einsatz ihrer treuen Mitarbeiter, sei es in Küche oder Service. Doch die zunehmenden Probleme bei der Personalsuche vergällten den Rötzers häufig die Freude an der Arbeit. „Es ist furchtbar frustrierend. Man bekommt kaum noch deutsche Mitarbeiter, speziell in der Küche“, berichtet Bernhard Rötzer.

Bei den unzähligen Vorstellungsgesprächen mit Flüchtlingen und Migranten, unter denen sich nur eine sehr geringe Anzahl geeigneter Bewerber befunden habe, werde man regelrecht zermürbt. Völlig enttäuscht von der Politik war Rötzer dann, als den mühsam angelernten Beschäftigten überraschend die Arbeitserlaubnis entzogen wurde, ohne dass eine Abschiebung wirklich bevorstand. Auch die zunehmenden behördlichen Vorschriften in den letzten Jahren hätten das Führen des Gasthofes nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben erheblich erschwert.

Viel Zeit zum Zeitung-Lesen

Trotzdem sagen die Wirtsleute: „Wir hatten eine gute Zeit und in vieler Hinsicht eine einfachere als heute, aber es war auch eine Zeit, die uns oftmals an unsere Grenzen gebracht hat.“ Dankbar sind Gisela und Bernhard Rötzer für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung und ihrem Geschäftsführer Matthias Vögele, und die gute Partnerschaft mit dem Erdinger Weißbräu.

Wie es mit dem Gasthaus Zur Post nach der anstehenden Renovierung weitergeht, ist noch unklar. Für das Wirtsehepaar beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. „Wir betätigen uns jetzt als Teilzeit-Großeltern für die beiden Enkel“, freut sich Bernhard Rötzer. Er will jetzt einfach entspannt leben ohne den permanenten Druck, mehr Zeit finden für Freunde, Sport, Reisen und Hobbys. Auch seine mit im Haus lebende 85-jährige Mutter benötigt zusehends mehr Unterstützung.

Gisela Rötzer freut sich auf die Zeit mit den Enkeln und den Garten. Gerne würde auf dem Hof in Siglfing wieder ein paar Tiere ansiedeln. In der Corona-Krise genießen die Rötzers – von der Großfamilie getrennt – den Luxus, ausgiebig zu frühstücken, Zeitung zu lesen und ohne Zeitdruck zu leben.

Gerda und Peter Gebel

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