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Das Holz des Anstoßes: Die Anwohner des Wirtsackers in Pretzen wehren sich weiter gegen die Abplankung des Grünstreifens. Das dürfe die Stadt gar nicht, wollen findige Bürger herausgefunden haben.

Abgesperrte Grünflächen: Anwohner des Wirtsackers in Pretzen verschärfen ihre Vorwürfe

Verstößt Stadt gegen Bebauungsplan?

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Der Streit um den von der Stadt im Mai mit Holzplanken abgesperrten Grünstreifen am Wirtsacker im Ortsteil Pretzen geht in die nächste Runde. Die Anlieger verschärfen den Ton. Ein Vorwurf wiegt besonders schwer: Die Stadt soll mit dieser Aktion gegen ihren eigenen Bebauungsplan verstoßen haben. Das wäre nichts anderes als Rechtsbruch.

Erding-Pretzen - Was die Betroffenen zudem zornig macht: Alle ihre Anfragen an das Rathaus und OB Max Gotz seien dort auf Schweigen gestoßen. Dafür sei das Ordnungsamt nun Dauergast in der Siedlung. Die Sichtweise der Kommune kennen die Pretzener nur aus unserer Zeitung. Auch deswegen haben sie nun einen weiteren offenen Brief an die Stadt geschickt. 40 haben ihn unterzeichnet.

Die Betroffenen, unter ihnen findige Juristen, haben sich den Bebauungsplan, auf dessen Grundlage vor gut 20 Jahren im Osten Pretzens eine ganze Siedlung entstanden ist, noch einmal genau angesehen. Und haben einen wunden Punkt entdeckt. Unter der Ziffer 5.8 heißt es, „dass die Einfriedung öffentlicher Flächen mit Ausnahme des Spielplatzes unzulässig ist“. Die Autoren des Briefes schlussfolgern daraus: Die Planken, die das Parken auf dem Grünstreifen zwischen Anwohnerstraße und Entwässerungsgraben verhindern sollen, hätten nie aufgestellt werden dürfen. Und sie müssten wieder demontiert werden – ebenso die Halteverbotsschilder.

„Unverhältnismäßige Maßnahme“

Die Anlieger schreiben auch von einer „unverhältnismäßigen Maßnahme“, da „die Belange der Anwohner sowie die Sicherheit des Auto- als auch des Fußgänger- und Radverkehrs nicht angemessen berücksichtigt wurden“. Sie erinnern die Stadt an die DNA des BPlans: relativ kleine Parzellen, aber großzügige Grünflächen. Die entlang des Grabens könne nun so gut wie nicht mehr genutzt werden. Die Bürger haben seit der Abplankung die Erfahrung gemacht, dass auf der nun völlig freien Straße schneller gefahren werde. Das bringe die Kinder in Gefahr, die hier all die Jahre gespielt hätten oder Fahrrad gefahren seien. Die geparkten Autos hätten nie jemanden gestört.

Auf den Hinweis der Stadt, der Grünzug sei kein Privateigentum entgegnen sie: „Das stimmt. Aber es ist öffentlicher Grund, der von uns durch Erschließungsbeiträge mitfinanziert wurde.“

Wo sollen die Anwohner ausladen und Pflegedienste parken?

Die Balken würden das Leben in der Siedlung erschweren. Sie verhinderten selbst das kurzzeitige Ausladen etwa von Einkäufen vor dem Haus. Handwerker, Pflegedienste oder Besucher „haben keine Möglichkeit mehr, in zumutbarer Entfernung zu parken“. Ganz im Süden komme hinzu, „dass es in zumutbarer Entfernung praktisch überhaupt keine Besucherstellplätze mehr gibt“. Anwohner und Besucher auch der Hörlkofener Straße und des Kornblumenwegs würden ihre Fahrzeuge in diesem Bereich des Wirtsackers abstellen, da auch dort immer schon zu wenig Stellplätze vorhanden seien. An der Hörlkofener Straße selbst gebe es so gut wie keine Parkmöglichkeiten.

Und im Norden des Wirtsackers gebe es zwar Stellplätze, die seit längerem und auf nicht absehbare Zeit als Baustellenlager dienten. Diese Nutzung, lautet eine weitere Forderung, müsse umgehend beendet werden.

Parkplatz im Vorgarten - das wäre wieder Flächenversiegelung

Der im Stadtrat vorgetragene Kompromissvorschlag, Parkplätze in den Vorgärten zuzulassen sowie nachträglich Duplex-Garagen einzubauen, fällt bei den Pretzenern durch. Diese könnten gar nicht so klein ausfallen, dass sie den Vorgaben des Bebauungsplans entsprächen. Die Umnutzung der Vorgärten in Stellplätze würde zu Bodenversiegelung führen, bei der Bäume und Sträucher weichen müssten.

Die Wirtsacker-Anlieger bestreiten, dass der Querschnitt des Entwässerungsgrabens durch Abrutschungen unter dem Gewicht der parkenden Autos spürbar verengt worden sei. Eher äußern sie ihr Unverständnis, dass dieses Bauwerk zur Ableitung von Starkregenmengen nicht mittels Holzplanken oder Beton eingefasst worden sei.

Verwundert reagiert man auf die Pläne der Stadt, in der Siedlung Nachverdichtung zu ermöglichen. Das, so die Autoren, sei an sich begrüßenswert, werde aber durch die Abplankung „ad absurdum geführt“.

Busanbindung ist schlecht

Auch den Hintergedanken, dass Auto so zu Gunsten Fahrrad und ÖPNV weniger attraktiv zu machen, können die Anlieger nachvollziehen, weisen aber auf die schlechte Anbindung des Ortsteils hin. Der Stadtbus komme höchstens im Zwei-Stunden-Takt.

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