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Enge Vertraute: Reinhard Kardinal Marx (r.) und Papst Franziskus. 

Reaktionen auf das Angebot von Reinhard Marx, sein Kardinalsamt niederzulegen

„Ein sehr hartes und doch wahrhaftes Urteil“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Auch die Katholiken im Landkreis Erding haben schockiert auf die Bitte von Reinhard Marx an Papst Franziskus reagiert, ihn vom Amt des Kardinals im Bistum München und Freising zu entbinden.

Erding – Erdings Stadtpfarrer Martin Garmaier griff das am Freitag öffentlich gewordene Schreiben des Bischofs an den Pontifex in seinen drei Predigten am Wochenende auf.

Marx „ist in meinen Augen nicht von Sinnen, sondern er ist bei Sinnen, so wie es Christus war. Und nur dies führt letztlich hin zu einem Umdenken, zu einer neuen Hoffnung und zu einer neuen Zuversicht“, meinte Garmaier. „Mir bleibt nur die Hoffnung, dass auch manch andere aufgerüttelt werden durch sein Verhalten. Aufgerüttelt, vielleicht auch da oder dort demaskiert.“ Der Leiter des Pfarrverbands Erding-Langengeisling äußerte den Wunsch, dass auch andere Kirchenverantwortliche sich nun wandelten.

Pfarrer kann das Entsetzen nachvollziehen

Das Entsetzen könne er nachvollziehen, vor allem bei denen, „die in ihn viele Hoffnungen gesetzt haben – auf Reformen in der Kirche, auf Veränderung“. In Garmaiers Wahrnehmung hat sich Marx in den vergangenen Jahren merklich verändert – „von einem Bischof, der eher darauf blickte, dass alles in Ordnung ist und der kirchliche Gesetze vollzog, oftmals auch mit strenger Hand, und der sich änderte, hin zu einem Reformbischof, zu einem, der sich öffnete für Belange von Menschen, und der nicht gleich mit Gesetzen und Verboten dreinschlagen wollte, sondern einen neuen Weg suchte für die Kirche, für das Evangelium.“ Dabei sei ihm viel Widerstand entgegengeschlagen, gerade auch aus den eigenen Reihen.

Ja, Kirche ist an totem Punkt angelangt

Der Erdinger Stadtpfarrer ist wie Marx der Auffassung, dass die Kirche an einem toten Punkt angekommen sei. „Es sind nicht nur die Austritte, sondern auch viele Unsicherheiten, Ärgernisse vieler, die in der Kirche aktiv sind, sich engagieren und sich einbringen“.

Etliche Kirchenobere „scheinen nur danach zu trachten, den alten Glanz hervorzuheben, ihn zu erhalten, wo es möglich ist“. Das verstärke den Eindruck, „als wäre die Kirche wirklich am Ende“. Der Kardinal sei zu einem „sehr harten und doch wahrhaften Urteil“ gelangt.

Wie Marx kritisiert Garmaier den Umgang der Kirche mit dem Opfern sexuellen Missbrauchs. Er wendet sich aber auch deutlich gegen die jüngsten Bestimmungen Roms, homosexuellen Paaren den Segen zu verweigern.

Marx wäre das falsche Opfer

Jörg Basten, Vorsitzender des Kreiskatholikenrats, teilt aus seinem Urlaub in Portugal per Handy mit, Marx’ Rücktrittsangebot habe ihn erschüttert. „Damit hätte ich nie gerechnet“, so der Wartenberger zu unserer Zeitung. Der Kardinal habe „ein starkes Zeichen gesetzt, das wir nun deuten müssen“. Marx habe sich nichts vorzuwerfen. „Ich kann bei ihm keine Fehler entdecken“, meint Basten. Im Gegenteil: „Er ist eine gute und starke Persönlichkeit, die die Dinge zum Guten voranbringen kann“.

Die Kirche müsse sich nun endlich strukturell mit sich selbst befassen: „Was ist bei der Auswahl und der Ausbildung der Priester falsch gelaufen?“ Marx’ Rücktritt werde diese Fragen allerdings nicht beantworten.

Kritik von Ex-Ministerin

Die CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf, die Mitglied des Diözesanrates ist, erklärte: „Ich war überrascht und gleichzeitig tief beeindruckt, mit welch schonungsloser Klarheit Kardinal Marx die Situation in der katholischen Kirche formuliert.“ Scharf hofft, „dass dieses starke Signal Wirkung entfaltet“. Die Kirche brauche einen „Erneuerungsprozess“.

Vor zwei Jahren hatte sich die Ex-Umweltministerin hinter die Bewegung Maria 2.0 gestellt – wegen deren Rufs „nach Reformen in der männerdominierten katholischen Kirche“. 

ham

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