Tausende haben sich in den vergangenen Jahren bei Sinnflut-Festivals auf dem Erdinger Volksfestplatz getummelt. Hunderte sind es bei Streetfood-Festivals, wie hier 2019 (unteres Bild). Das Landratsamt fordert eine Maximalzahl von 100 Gästen gleichzeitig.
+
Tausende haben sich in den vergangenen Jahren bei Sinnflut-Festivals auf dem Erdinger Volksfestplatz getummelt. Hunderte sind es bei Streetfood-Festivals, wie hier 2019 (unteres Bild). Das Landratsamt fordert eine Maximalzahl von 100 Gästen gleichzeitig.

Urteil des Verwaltungsgerichts

Rechtsstreit um Erdinger Streetfood-Festival: Veranstalter klagt gegen strenge Auflagen

  • vonTimo Aichele
    schließen

Ein Streetfood-Festival auf dem Erdigner Volksfestplatz mit nur 100 Gästen gleichzeitig. Das ist dem Veranstalter zu wenig. Doch die Agentur unterliegt vor Gericht. Eine Entscheidung, die auch  für das Sinnflut Folgen haben könnte.

Erding – Streetfood-Festivals stehen für unbeschwertes Schlemmervergnügen unter freiem Himmel. Für die Veranstalter bedeuten sie ohnehin harte Arbeit, und im aktuellen Fall auch noch Rechtsstreit. Einen solchen hat das Verwaltungsgericht München am Donnerstag entschieden: Die Günzburger Rocking High GmbH hatte gegen die Bedingungen einer Ausnahmegenehmigung des Landratsamts Erding geklagt – und verloren. Eigentlich hätte die Agentur gerne wie in den Jahren zuvor in Erding ein Streetfood-Festival auf dem Volksfestplatz veranstaltet. Konkret wäre es um das vergangene Wochenende gegangen. Das Urteil dürfte auch für das Sinnflut-Team Signalwirkung haben.

Das Gesundheitsamt hatte für das

Streetfood-Festival zwar eine Ausnahmegenehmigung nach der 6. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung erteilt. Doch danach dürfen sich höchstens 100 Besucher gleichzeitig auf dem Festivalgelände aufhalten. Viel zu wenig für den Veranstalter. „Damit es finanziell einigermaßen Sinn macht, brauchen wir aber mindestens 400 bis 500“, sagt Florian Gebauer, Geschäftsführer der Rocking High GmbH, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Auf dem Volksfestplatz stehe ja auch eine sehr große Fläche zur Verfügung. Beantragt habe er einen eingezäunten Bereich von 7500 Quadratmetern. „Das wären bei 100 Besuchern fast 80 Quadratmeter pro Person. So viel Platz hat man nirgendwo“, erklärt Gebauer.

Auch die Sinnflut Kultur GmbH hat einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung gestellt. Das Team um Börnie Sparakowski und Peter Feller plant nach der Corona-bedingten Absage des Festivals einen „Sinnflut-Biergarten“ auf dem Volksfestplatz – wenn alles klappt, zum ursprünglichen Festival-Termin vom 23. Juli bis 2. August.

Doch das ist nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts weiter fraglich. „Die Entscheidung über den beantragten Sinnflut-Biergarten wird von Seiten des Gesundheitsamtes davon abhängig gemacht, wie sich das Verwaltungsgericht zu Veranstaltungen dieser Größenordnung positioniert“, erklärte das Landratsamt Mitte der Woche. „Der Entscheidung des Verwaltungsgerichts München in Sachen Street Food Festival dürfte für die gesamte künftige bayerische Verwaltungspraxis erhebliche Bedeutung zukommen.“ Wie sich das Urteil nun tatsächlich auf die Sinnflut-Pläne auswirkt, war aber am Freitag in der Behörde noch nicht zu erfahren.

Gebauer ist frustriert. „Langsam versteh’ ich den Rechtsstaat nicht mehr. In drei Städten bekommen wir’s genehmigt, nur in Erding nicht“, klagt der Streetfood-Veranstalter. Eines seiner kulinarischen Festivals unter dem Markennamen Schummeltag durfte er heuer schon durchführen, vor zwei Wochen in seiner Heimatstadt Günzburg. Im schwäbischen Senden und in Kulmbach lägen ihm ebenfalls entsprechende Ausnahmegenehmigungen der Gesundheitsämter für Termine im Juli vor. Zudem sei er mit vielen weiteren Städten im Gespräch.

Die genehmigten Besucherzahlen lägen stets bei mindestens 400 gleichzeitig, berichtet der Event-Unternhmer. „Das Landratsamt Kulmbach hat uns zehn Quadratmeter pro Person vorgeschlagen. Das wären auf dem Erdinger Gelände 750 Gäste gleichzeitig.“ Ohnehin wende er ein aufwendiges Hygienekonzept an, das die Zählung von Besuchern, Sicherheitsabstände, getrennte Ein- und Ausgänge und weiteres beinhalte. Mehr als 100 Besucher gleichzeitig müssten doch möglich sein, meint Gebauer: „Im Prinzip ist das ja nichts anderes als ein großer Biergarten.“ In der Freiluft-Gastronomie seien ja schon größere Gästezahlen üblich.

Das Landratsamt Erding verweist dagegen darauf, dass seine Einschätzung auf den seit 15. Juni in Bayern geltenden Regelungen beruht. Demnach sind kulturelle Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen im Freien möglich.

Der von Gebauer beantragte Termin ist ohnehin verstrichen. Vor dem negativen Gerichtsentscheid hatte er noch gehofft, einen alternativen Zeitpunkt zu finden. Und auch jetzt gibt der Event-Unternehmer nicht auf: „Wir gehen in die nächste Instanz.“

Vor Corona waren die Schummeltag-Touren eine Erfolgsgeschichte. 2018 hatte Gebauers Agentur in 14 Städten Streetfood-Festivals veranstaltet, 2019 dann 25, heuer waren 32 geplant. Auch das Electro-Festival Open Beatz in Herzogenaurach organisiert Rocking High bisher. „Eine solche Veranstaltung mit 20 000 Gästen, das geht jetzt natürlich nicht“, meint der Unternehmer. Umso mehr hat er nun auf Streetfood gesetzt. Von acht Festangestellten hat Gebauer nur noch sechs. „Und wenn’s so weitergeht, sind’s bald null.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Erding: Therapienetz Essstörungen hilft bei Problemen
Essstörungen sind oft ein Problem, bei dem man Hilfe braucht. Das Therapienetz Essstörungen mit einer Beratungsstelle in Erding kann helfen.
Erding: Therapienetz Essstörungen hilft bei Problemen
Flughafen München: Schock bei Zollkontrolle - Frau reist mit totem Ehemann im Koffer
Weil sie Teile der Überreste ihres verstorbenen Ehemanns in einem Koffer transportierte, verursachte eine Passagierin am Münchner Flughafen einen großen Aufruhr.
Flughafen München: Schock bei Zollkontrolle - Frau reist mit totem Ehemann im Koffer
Bei Langenpreisinger Kinderbetreuung ist alles auf Kante genäht
So viel, wie derzeit Platz ist bei der Kinderbetreuung in Langenpreising, so viel ist derzeit auch belegt. Es herrscht Handlungsbedarf, wie eine Analyse zeigt.
Bei Langenpreisinger Kinderbetreuung ist alles auf Kante genäht
Teure Schmierereien in Pastetten
In Pastetten wurden ein Bushäuschen und die Turnhalle mit Graffiti beschmiert. Die Gemeinde sucht Zeugen - und den Täter.
Teure Schmierereien in Pastetten

Kommentare