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Hat den Krebs besiegt, will diesen Erfolg aber nicht für sich behalten: Carolin Jagoda (30).

Carolin Eder (29) erzählt

Schock-Diagnose Brustkrebs - „Als meine Tochter mich ohne Haare sah, fing sie an zu weinen“

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Carolin Eder arbeitet auf der Gynäkologie am Klinikum Erding. Immer wieder trifft sie auf Brustkrebs-Patientinnen, die noch sehr jung sind. Dann traf es die junge Frau selbst.

Erding-  Als Carolin Eders Tochter Paula sieben Monate alt war, traf sie die heftige Diagnose. Mittlerweile hat Eder den Krebs besiegt. Im Brustkrebsmonat Oktober geht sie mit ihrem Schicksal an die Öffentlichkeit. „Ich möchte an alle Frauen appellieren, ihre Brüste regelmäßig abzutasten und zur Vorsorge zu gehen“, sagt sie. „Wenn mein Schicksal nur bei einer Frau dazu beiträgt, ein Karzinom rechtzeitig zu entdecken, habe ich mein Ziel erreicht.“

Am 27. Juli 2018 ertastet die junge Mutter einen Knoten in ihrer Brust – und suchte sofort ihren Frauenarzt auf. Noch am selben Tag unterzog sie sich einer Mammografie. Den 1. August 2018 wird Eder nie vergessen – der Tag, an dem sie die Schockdiagnose erhält.

Doch zunächst sind die Ärzte optimistisch. „Sie haben nicht geglaubt, dass es etwas Bösartiges ist“, erinnert sich die Hebamme. Aber ihr ungutes Gefühl bleibt. „Dabei begann unser Leben gerade wieder in geordneten Bahnen zu laufen.“ Die junge Familie – Tochter Paula wurde am 17. Dezember 2017 geboren, zwei Monate nach der Hochzeit – war zusammengewachsen. „Wir konnten alle wieder durchschlafen, alles war gut.“

Erding: Schock-Diagnose Brustkrebs mit 29 Jahren

Eder entschied sich zu einer Biopsie, einer Gewebeentnahme. Die niederschmetternde Diagnose: Sie leidet am so genannten Triple Negativ Karzinom, das als sehr aggressiv, schnell wachsend und streuend gilt. Der Knoten ist mit 1,5 Zentimetern aber noch recht klein.

Nach der Schock-Diagnose: Die große Chemo-Maschinerie läuft an

„Ich habe es damals als Segen empfunden, dass es genau mein berufliches Fachgebiet war und ich vor meiner Zeit am Klinikum Erding in der Uniklinik Großhadern gearbeitet habe.“ Denn Eder weiß, an wen sie sich nun wenden muss. Sie ruft noch am selben Abend Prof. Nina Ditsch an, mit der sich in Großhadern zusammengearbeitet hat. „Sie hat mich an die Hand genommen, ich wusste, dass ich bei ihr in den richtigen Händen bin.“ Auch die Erdinger Chefärztin Dr. Birgit Plattner ist ihr eine große Stütze in dieser Zeit.

Erding: Mama ohne Haare - Die kleine Paula weint

Im August läuft die große Maschinerie der Behandlung an. Erste Untersuchungen ergeben: Der Krebs hat noch nicht in andere Organe, die Lymphknoten und die Knochen gestreut. Bei diesem Termin liegt ihre Tochter neben ihr im Kinderwagen. „Es war eine surreale Situation. Ich habe mich total gesund gefühlt. Nach der Geburt war alles wieder leichter geworden.“ Es sei ihr so vorgekommen „wie ein Stromausfall in der Achterbahn. Das hat mit völlig unerwartet getroffen, wie ein Blitz aus heiterem Himmel“.

Das Triple Negativ Karzinom ist so aggressiv, dass Eder nur eine Chemotherapie helfen kann. Nur so kann es gelingen, das Karzinom aufzulösen und alle Schläferzellen abzutöten. Und obwohl Eder vom Fach ist, „konnte ich es anfangs nicht fassen, eine Chemo auf mich zu nehmen. Ich habe mich komplett überfordert gefühlt. Denn ich wusste: Jetzt ändert sich alles, die Chemo macht alles platt, auch die gesunden Zellen.“

Trotzdem rät die Ärztin der jungen Familie zu einer Eizellenentnahme – um sich einen späteren weiteren Kinderwunsch erfüllen zu können. „Gerade für meinen Mann war das ein wichtiger Strohhalm, dass doch wieder alles gut wird.“

Die Chemo beginnt am 22. August – mit dem unvermeidlichen Haarausfall. „Als mich meine Tochter das erste Mal mit Glatze gesehen hat, hat sie geweint. Das hat sehr weh getan.“ Doch ihr Mann baut sie auf: „Ich wusste gar nicht, dass Du einen so schönen Hinterkopf hast.“ Sie lässt sich eine Perücke verschreiben. Nur mit der geht sie in die Öffentlichkeit.

Nach Schock-Diagnose Brustkrebs: Auch der Mann leidet

Erst später registriert sie, was auch ihr Mann durchlitten hat. „Er war immer da, hat alles gewuppt. Auch er hat Todesängste ausgestanden und musste mit der Ungewissheit leben, ob er Paula eines Tages alleine aufziehen muss.“ Martin Eder arbeitet bei der Münchner Verkehrsgesellschaft als Schlosser und Elektriker. „Sein Arbeitgeber war super zuvorkommend, hat ihm viele Freiheiten gegeben. Seine Elternzeit konnte er vorziehen.“ Auch Freunde und Familie hätten sie in der schweren Zeit getragen.

Doch kämpfen muss Carolin Eder alleine. Vier Chemo-Zyklen lässt sie über sich ergehen. Im September 2018 dann die erste Kontrolluntersuchung: Der Knoten ist auf sieben Millimeter geschrumpft – die Therapie schlägt an. Beim zweiten Check Ende November die erlösende Botschaft: Der Krebs ist verschwunden. Die Chemo endet am 16. Januar 2019.

Nächster Schreck-Moment: Plötzlich ist da wieder ein Knoten

Doch im sicheren Hafen ist Eder noch nicht. Das Risiko, dass der Krebs zurückkommt, ist hoch. Die 30-Jährige trifft eine weitreichende Entscheidung: „Ich habe mir beide Brüste abnehmen lassen.“ In der gleichen Operation werden sie mit Silikon wieder aufgebaut. Auch die Eierstöcke will sie sich noch entfernen lassen.

Und doch ertastet Eder im September 2019 wieder einen Knoten. „Aber diesmal hatte ich – ich weiß auch nicht warum – ein gutes Gefühl.“ Ihre Ahnung trügt nicht: Der Knoten ist harmlos, er dürfte eine Reaktion auf die Chemo gewesen sein. Vorerst gilt Eder als geheilt. Wenn sie auf die vergangenen Monate zurückblickt, erinnert sie sich vor allem „an die Angst um mein Kind und meine Familie. Die war viel schlimmer als alle Nebenwirkungen.“

Appell: Tastet Eurer Brüste ab und geht zur Vorsorge!

Carolin Eder ist durch die Hölle gegangen. Diesen Weg will sie anderen Frauen ersparen. „Ich kann wirklich nur jeder Frau raten, regelmäßig die Brüste abzutasten. Ideal ist der siebte Tag nach der Periode.“ Auch die Krebsvorsorge müsse jede Frau ernstnehmen – „und beim ersten unguten Gefühl sofort zum Arzt gehen. Denn so schlimm Brustkrebs ist, in vielen Fällen ist er heilbar.“

Eder schaut längst schon wieder nach vorne. Mitten in der Therapie hat sie ihr Studium „Management in Gesundheitsberufen“ an der Technischen Hochschule Ingolstadt mit der Bachelor-Arbeit abgeschlossen. Ab 2020 will sie wieder am Klinikum Erding arbeiten – und Frauen helfen.

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