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Der Bau dieser Halle verlief problemlos. Ärger gibt es jetzt wegen eines illegalen Werkstatt-Anbaus. 

Hans Fehlberger droht hohe Strafe – Nur Bebauungsplan kann ihn retten, doch der wäre ein heikler Präzedenzfall

Schwarzbau in Schutzgebiet: FW-Stadtrat hat Ärger

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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usgerechnet ein langjähriges Mitglied des Erdinger Stadtrats hat in Pretzen sein Unternehmen um eine Halle erweitert, die in ihrer Dimension ein Schwarzbau ist.

Erding – Während Hans Fehlberger, aber auch der im Landkreis Erding ansässigen Baufirma eine bis zu sechsstellige Strafe beziehungsweise der Abriss droht, sehen seine Stadtratskollegen ein ordentliches Dilemma auf sich zukommen. Der delikate Vorgang dürfte auf ein Missverständnis zurückzuführen sein.

Fehlberger gehört seit 2002 dem Stadtrat von Erding an, er saß beziehungsweise sitzt in den für Bauen, Planung und Entwicklung Erdings zuständigen Fachausschüssen – kennt sich also mit der Materie aus.

Für die Erweiterung seines Betriebs, der landwirtschaftliche Maschinen verkauft und repariert, um eine frei stehende Lagerhalle hatte Fehlberger seit Mai 2019 eine Baugenehmigung. Der Bau bis Herbst desselben Jahres verlief problemlos. Doch er wollte noch eine Werkstatt angliedern.

Für die reichte er im Februar 2020 einen Tekturantrag ein. Der ist bis heute nicht beschieden. Als ihm jetzt die Baukontrolleure auf die Schliche kamen, stellten sie fest, dass die Erweiterung selbst über diese Änderung hinausgeht – und nun sogar in ein Landschaftsschutzgebiet im Süden der Kreisstadt ragt.

Offiziell äußern wollen sich mit Hinweis auf das schwebende Verfahren weder Fehlberger noch das Rathaus. Auch seine Stadtratskollegen sprechen allenfalls hinter vorgehaltener Hand. Der Bauherr lässt nur durchblicken, er habe auf eine mündliche Zusage vertraut. Denn im Rathaus hatte man ihm wohl in Aussicht gestellt, dem Tekturantrag zuzustimmen. Dennoch hätte er bis heute nicht zu bauen anfangen dürfen.

Bekannt wurde der Vorgang dem Vernehmen nach, weil der Bauherr beim Bau einer neuen Zufahrt an der Hörlkofener Straße einen Baum gefällt hatte, der der Stadt gehört.

Alle Beteiligten stehen jetzt vor dem Problem, wie sie mit dem Schwarzbau umgehen sollen. Nach Recherchen unserer Zeitung hat der in ein Schutzgebiet ragende Schwarzbau solche Dimensionen, dass es nun eines Bebauungsplanes bedarf. Würde der Stadtrat diesen aufstellen, müsste er sich nicht nur dem Vorwurf einer Gefälligkeitsplanung aussetzen – noch dazu für einen aus den eigenen Reihen. Hinzu käme: Der Stadtrat würde einen Präzedenzfall schaffen, auf den sich jeder andere Schwarzbauer berufen könnte. Der öffentliche Aufschrei wäre laut.

Auf der anderen Seite tun sich Politik und Verwaltung schwer, einen Abriss anzuordnen. Denn unabhängig von Fehlbergers politischem Engagement gilt er als ein fleißiger und erfolgreicher Unternehmer. In seiner Belegschaft bildet der traditionsreiche Familienbetrieb derzeit 15 junge Leute aus, fünf haben erst diesen Herbst in dem Landmaschinenunternehmen angefangen.

Nicht nur Fehlberger droht im schlechtesten Fall eine Geldstrafe in bis zu sechsstelliger Höhe. Auch das Bauunternehmen ist voll mit in der Haftung, weil es nicht überprüft hatte, ob eine Baugenehmigung vorlag.

Der FW-Stadtrat ist jetzt auf das Wohlwollen seiner Kollegen angewiesen. In einem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben, in dem er bekennt, einen „großen Fehler“ begangen zu haben, bittet er darum, den Fraktionen den Vorgang erklären zu dürfen. Die SPD will ihn anhören, die CSU dem Vernehmen nach nicht, um nicht in den Fall hineingezogen zu werden. Besonders groß ist das Dilemma für die Freien Wähler selbst, hatten sie doch unlängst wortreich gegen einen Bebauungsplan in diesem Bereich der Stadt Erding argumentiert. HANS MORITZ

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