Jutta Harrer. Die SPD-Stadträtin ist Seniorenreferentin.

Stadträtin fürchtet zu große Einschränkungen für Ältere

Seniorenreferentin Harrer: Alters-Quarantäne geht am Ziel vorbei

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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SPD-Stadträtin und Seniorenreferentin Jutta Harrer warnt vor einer Alters-Quarantäne. Man dürfe nicht einer Gruppe zu große Einschränkungen aufbürden.

Erding – Der Schutz älterer Bürger vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus hat oberste Priorität. Das sieht auch SPD-Stadträtin Jutta Harrer so. Die 65-Jährige ist Seniorenreferentin des Stadtrates. Sie betont angesichts der Diskussionen um eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen aber auch, dass dieser Schutz „nicht dazu führen darf, dass Menschen ab einem bestimmten Alter weggesperrt werden“.

Harrer sagt: „Quarantäne nur aufgrund des Alters allein hilft nicht weiter und geht am Ziel vorbei.“ Sehr viele ältere Menschen lebten alleine, oftmals in kleinen Wohnungen. Die Erfahrungen mit den gegenwärtigen Ausgangsbeschränkungen würden zeigen, wie wichtig es sei, auch mal raus zu kommen, sich an der frischen Luft bewegen zu können, die Natur zu beobachten. Das gelte auch für ältere Menschen.

Seniorenreferentin: „Bleiben wir solidarisch“

Harrer kann durchaus verstehen, dass „eine Lockerung der Beschränkungen vielen am Herzen liegt. Sie ist vor allem im Interesse einer Ankurbelung der Wirtschaft notwendig um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wieder Beschäftigung und Einkommen zu sichern“. Zu erwarten sei dadurch andererseits ein erneutes Ansteigen der Infektionsrate, eine weitere Belastung des Gesundheitssystems.

Eine ganze Altersgruppe wie die Senioren unter Quarantäne zu stellen, „wäre meines Erachtens ein unverhältnismäßiger Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte.“ Harrer spricht sich dafür aus, weiter auf einem gemeinsamen Weg zur Bekämpfung des Virus zu bleiben. „Bleiben wir solidarisch, bringen wir alle – auch die Älteren – unseren Beitrag, aber bürden wir bitte nicht einer Gruppe zu große Einschränkungen auf.“

Auch die Senioren würden ihre Solidarität zeigen. So falle der Verzicht auf Besuche von Enkeln und Kindern nicht leicht. „Ebenso halten sich die meisten an die geltenden Empfehlungen wie Hände waschen, Abstand halten, Mundschutz tragen und sind besonders darauf bedacht, sich nicht anzustecken.“ Bei noch drastischeren Einschränkungen seien negative Auswirkungen zu erwarten: „Das Immunsystem verschlechtert sich durch Isolation, psychische Belastungen nehmen zu.“

Jutta Harrer dankt allen Helfern

Die SPD-Politikerin, die dem Stadtrat von 2002 bis 2008 und in einer zweiten Periode seit 2014 angehört, betont: „Der Großteil der über 65-Jährigen ist fit, kann selbstverständlich eigenständig Einkaufen gehen.“ Auch Erwerbstätigkeit zähle für viele noch zur Realität. Zudem seien viele Ehrenamtliche – auch in der Seniorenhilfe oder in den Altenheimen – selbst im Rentenalter. „Es gilt auch, die Lebensleistung dieser Generation nicht in Abrede zu stellen.“

Harrer, deren Stadtratsarbeit Ende April endet, richtet ihren „aufrichtigen Dank an die vielen Menschen, die Solidarität mit den Senioren beweisen“ – sei es durch Gespräche und Einkaufshilfen oder Spenden gerade an Ostern für die Altenheim-Bewohner. Der haupt- und ehrenamtliche Einsatz zeige, „dass wir eine Gemeinschaft sind, die alle Menschen mitnimmt – auch die Menschen, die eine besondere Zuwendung brauchen“.

Gabi Zierz

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