Reine Selbstversorger beim Obst und Gemüse sind Martin und Maria Strasser. Die beiden bewirtschaften ihren Kleingarten in Erding seit 55 Jahren.
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Reine Selbstversorger beim Obst und Gemüse sind Martin und Maria Strasser. Die beiden bewirtschaften ihren Kleingarten in Erding seit 55 Jahren.

Serie: Unser Kleingarten

Ein Leben im grünen Paradies

Seit 55 Jahren bewirtschaften Maria und Martin Strasser ihren Kleingarten in der Anlage am Volksfestplatz. Mit ihren 87 und 86 Jahren sind die beiden auch die ältesten Garteninhaber. Wir haben die in jeder Hinsicht ältesten Gartler des Kleingärtnervereins Erding besucht. In loser Folge werden wir weitere Kleingärtner vorstellen.

Erding Martin Strasser (86) ist auf einem Bauernhof bei Altfraunhofen aufgewachsen. Seine Gattin Maria (87) stammt aus Erding. Jung verheiratet, bewarben sich die beiden um einen Kleingarten und erhielten nach kurzer Wartezeit den Zuschlag für ihre Parzelle. „Ich kam aus der Landwirtschaft und war die Gartenarbeit gewohnt. Das hat mir richtig gefehlt in unserer Wohnung in Altenerding“, sagt Martin Strasser.

Schwiegervater zahlt Ablöse

Gemeinsam übernahmen sie den Kleingarten von einem Feldwebel der Bundeswehr, der versetzt wurde. „Der Schwiegervater hat uns das Geld für die Ablöse gegeben“, erzählt Maria Strasser (87). Ihr Ehemann Martin, lange Jahre Kraftfahrer und Lademeister beim Erdinger Weißbräu, ergänzt: „Ich habe mich in Erding ein bisschen fremd gefühlt und wollte zuerst nicht auf Dauer hierbleiben, aber durch meine Frau und den Garten habe ich mich heimischer gefühlt.“

In all den Jahren als Kleingärtner haben die Strassers die Parzelle Schritt für Schritt verändert – auch die ursprüngliche Laube wurde durch ein schönes Häuschen ersetzt. „Auf der Messe in München hat mir keins so richtig gefallen, dann habe ich einen Plan gezeichnet, wie wir das Haus haben wollen – und so wurde es von einer Firma vorgefertigt“, erzählt Martin Strasser stolz.

Die Einweihung wurde dann mit 20 Freunden bei Spanferkelbraten gefeiert. Für weitere Grillfeiern hat Strasser eigenhändig einen Grill gemauert, der mit einem Scheibenwischermotor angetrieben wird. „Früher haben wir öfter mit Freunden gegrillt, das wird jetzt immer weniger“, sagt der Tüftler.

In ihrem Garten bauen die Strassers Gemüsesorten wie Rettich, Kohlrabi, Bohnen, Kartoffeln und Speisemelonen an, aber auch Salate und Tomaten. „Es ist doch schön, wenn man keinen Salat und kein Gemüse kaufen muss, sondern alles im eigenen Garten anbauen kann“, freut sich Maria Strasser. Was über den Eigenbedarf der Familie hinausgeht, wird eingekocht und eingefroren oder auch an Nachbarn verschenkt. Zur Zeit warten jede Menge Johannisbeeren und Himbeeren auf die Ernte, auch die Weintrauben werden langsam reif.

Strassers langjährige Lauben-Nachbarn, die aus Ungarn stammen, haben einen Hauptstamm mit blauen Trauben aus der alten Heimat mitgebracht. Zwei Rankzweige davon wachsen in den Strasser’schen Garten. Gemeinsam wollen sich die Nachbarn im Herbst an der Weinherstellung versuchen.

Bei den Zierpflanzen achtet Maria Strasser darauf, dass sie nicht zu pflegeintensiv sind. Im Moment blühen im Beet Astern, Sonnenblumen und Buschnelken. Die Blumenkästen am Haus zieren üppige Geranien. Ein paar Stunden verbringt das Ehepaar jeden Tag in seinem grünen Idyll. Den Weg von der nahegelegenen Eigentumswohnung in der Freisinger Siedlung legen die beiden mit dem Rad zurück.

Auch wurmige Äpfel schmecken

Zu tun gibt es immer etwas, denn „verwildert ist der Garten schnell“, sagt Martin Strasser. Er verwendet ausschließlich Bio-Dünger – und die Obstbäume werden nicht gespritzt. „Deshalb haben wir nur wurmige Äpfel“, erklärt Strasser schmunzelnd. Das Kompott schmeckt trotzdem ausgezeichnet. Auch im Winter kommen die Strassers täglich in ihrem Garten vorbei, denn „die Vögel warten doch auf ihr Futter“.

Auch wenn die Arbeit zunehmend beschwerlicher wird: Das Aufgeben des Gartens wäre noch schwerer, gibt Maria Strasser zu. „Dann wird halt der Gemüsegarten etwas weniger und der Rasen dafür mehr“, sagt die 87-Jährige pragmatisch. Das Ehepaar genießt seinem geliebten Garten mit Hingabe – und wird dort auch seinen 60. Hochzeitstag, der im Oktober ansteht, verbringen.

Gerda und Peter Gebel

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