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Ertappt: Dieser Radler war bei der ADFC-Aktion 2017 ohne Licht unterwegs. An einem anderen Tag hätte Polizeihauptmeisterin Susanne Roth ein Bußgeld ver hängt.

Sicherheitscheck des ADFC und der Polizei

Rad ohne Licht – das wird teuer

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Etwa die Hälfte aller Radfahrer in Erding ist nachts mit mangelhafter oder ohne Beleuchtung unterwegs. Das haben die Beleuchtungs-Checks des ADFC vergangener Jahre in Erding ergeben, wie der Fahrradclub in einer Presseerklärung mitteilt.

Erding– Deshalb veranstaltet der Kreisverband auch heuer zusammen mit der Polizei einen kostenlosen Beleuchtungs-Check. Wie sieht es in Erding mit der Fahrradsicherheit aus? Wir sprachen mit Polizeihauptmeisterin Susanne Roth (39) aus Erding, die seit Jahren bei den Aktionen dabei und Expertin in Sachen Verkehrssicherheit ist.

Frau Roth, wie halten es die Erdinger insgesamt mit der Fahrradsicherheit?

Das ist gemischt. Einige sind wirklich sehr vorbildlich, andere wiederum sind komplett uneinsichtig, wenn man sie auf Mängel an ihrem Rad hinweist. Die renitenten Radler werden immer mehr, aber im Großen und Ganzen wird die Aktion doch sehr positiv angenommen. Die meisten sehen die Fehler ein und versprechen zumindest, dass sie ihr Rad reparieren lassen.

Die Jüngeren oder die Älteren – in welcher Altersgruppe gibt’s die meisten Fahrradsünder?

Das kann man so nicht sagen, das ist vom Alter total gemischt.

Sie haben schon einige Aktionen mitgemacht. Gab es dabei bisher eher Kleinigkeiten zu bemängeln, oder waren auch Totalausfälle dabei?

Sowohl als auch. Es gibt durchaus perfekte Räder, bei denen man rein gar nichts zu bemängeln hat. Oft sind es nur kleinere Beanstandungen wie fehlende Speichenreflektoren. Aber es gab auch schon Räder, an denen überhaupt nichts gepasst hat – keine Klingel, keine Lichter, keine Strahler, zum Teil nicht mal funktionierende Bremse. Dann wird es richtig gefährlich.

Und für den Radfahrer auch richtig teuer?

Beim Beleuchtungs-Check des ADFC wird ausnahmsweise kein Bußgeld verhängt. Aber ansonsten kann sich das läppern, denn für jeden Mangel wird ein eigenes Bußgeld fällig. Bei Totalausfall kann das schon an die 80 Euro hingehen. Aber das haben wir äußerst selten.

Was sind die häufigsten Mängel?

Das ist fehlende oder mangelhaft Beleuchtung.

Und was kostet das?

Das Bußgeld für Fahren ohne Licht oder mit einem defekten Licht beträgt 20 Euro. Mit Gefährdung, also wenn der Radfahrer zum Beispiel auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg unterwegs ist, wo er Fußgänger gefährdet, wird es teurer – ebenso, wenn es zum Unfall oder einer Sachbeschädigung kommt.

Der ADFC weist darauf hin, dass es Lebensgefahr für den Radler bedeute, wenn er ohne Licht und noch dazu dunkel gekleidet unterwegs sei. Aber gerade im Winter greifen die meisten Leute doch zu dunkleren Farben.

Das stimmt, aber für Bekleidung gibt es keine Vorschriften. Unser Tipp ist, etwas Helles und etwas Reflektierendes zu tragen. Es gibt einige Radfahrer, die da sehr vorbildlich sind und eine Warnweste oder einen Überwurf mit Reflektoren über der Jacke anhaben. Das sieht man gerade am frühen Morgen sehr oft.

Warum sind in Ihren Augen Aktionen wie der Beleuchtungs-Check des ADFC so wichtig?

Die Leute müssen darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig es ist, dass ihre Räder verkehrssicher sind. Insbesondere in der dunklen Jahreszeit sind Lichter und Strahler lebenswichtig, damit die Radfahrer nicht nur von anderen Verkehrsteilnehmern besser erkannt werden, sondern auch selbst eine bessere Sicht haben.

Gemeinsam mit Ihrer Kollegin Nadine Schwarz kümmern Sie sich auch um die Jugendverkehrsschule, und damit um einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der kleinsten Verkehrsteilnehmer. Worum genau geht es da?

In der Jugendverkehrsschule übernehmen wir die praktische Fahrradausbildung der Viertklässler für den Fahrradführerschein. Die Theorie wird vorab in der Schule behandelt. Wer besteht, bekommt einen Pass, eine Urkunde und einen Wimpel.

Aus Ihrer Erfahrung daraus: Wie ist es um den Nachwuchs in Sachen Fahrradsicherheit bestellt?

Ich bin seit siebeneinhalb Jahren bei der Jugendverkehrsschule. Seit einiger Zeit wird es schwieriger. Viele Kinder werden schon von Zuhause nicht mehr richtig angeleitet, bekommen das Radfahren nicht richtig beigebracht. Heutzutage fahren viele Kinder deshalb schlechter, sie sind allein von der Motorik her unsicher auf dem Rad. Einige kennen auch die Verkehrsregeln nicht.

Was raten Sie den Eltern?

Ich rate dazu, immer, wenn man mit seinem Kind unterwegs ist, ein Vorbild zu sein und sich an die Verkehrsregeln zu halten. Das würde den Kindern schon reichen.

Der Beleuchtungs-Check

des ADFC Erding findet am Mittwoch, 24. Oktober, von 17 bis 19 Uhr an der Münchener Straße 22 (gegenüber Amtsgericht, beim Tattoo-Studio neben der Weinhandlung Jacques’ Wein-Depot) statt. „Dabei werden alle vorbeifahrenden Radfahrer auf beiden Straßenseiten angehalten und auf mögliche Mängel am Fahrrad überprüft“, erklärt ADFC-Vorsitzender Horst Weise. Die Mängel können bestenfalls sofort beseitigt werden – fehlende, aber notwendige Teile werden, sofern möglich, angebracht. Ausnahmsweise gibt es kein Bußgeld. Aktive des ADFC verteilen Infos über zeitgemäße Lichttechnik und den aktuellen Bußgeldkatalog. Außerdem liegen die Fragebögen zum Klimatest „Und wie fahrradfreundlich ist Deine Stadt?“ zur anonymen Beantwortung auf. Bei Regen entfällt die Aktion. Info-Telefon: (0 81 22) 1 87 07 87.

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