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Angelika Niebler (56) wird die Briten vermissen.

„Viele hoffen, dass es einen Weg zurück gibt“

Brexit: So hat es Europa-Abgeordnete Angelika Niebler erlebt

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Großbritannien verlässt nun also doch die EU. Die Abgeordneten verabschiedeten sich in Brüssel. So hat es Angelika Niebler aus Vaterstetten erlebt.

Erding/Brüssel Selten ging es im Europaparlament so emotional zu wie am Mittwoch: Die Briten verabschiedeten sich in Brüssel von der EU – teils unter Tränen. Mittendrin: die für Erding zuständige Europaabgeordnete Angelika Niebler aus Vaterstetten.

Frau Niebler, wie haben Sie die letzte Sitzung mit den Briten in Erinnerung?

Es war sehr emotional. Viele britische Kollegen bedauern den Brexit und sind sehr traurig. Es floss so manche Träne. Viele hoffen für ihre Kinder und Enkel, dass es einen Weg zurück nach Europa gibt. Das empfand ich als sehr bewegend. Auf der anderen Seite gab es die Brexiteers, die johlend und grölend ihre Show abgezogen haben, wie sehr sie sich auf die Unabhängigkeit Großbritanniens freuen. Aber die große Mehrheit der Parlamentarier bedauert es zutiefst, dass die Briten gehen. Wir haben sie als sehr verlässliche Partner und angenehme Kollegen mit viel Pragmatismus erlebt.

Wie sehr wird der Brexit die EU verändern?

Es wird Verschiebungen geben. Unsere konservative EVP-Fraktion wird stärker werden. Der britische Pragmatismus wird uns fehlen. Mit Großbritannien verlässt uns die zweitgrößte Wirtschaftsnation der EU. Damit werden wir international an Einfluss verlieren. Mit den Briten hatten wir in der EU ein wirtschaftsliberales Land, das stark für Marktorientierung stand. Das hat uns gut getan – als Gegenpol zu anderen, die sehr protektionistisch ihre Märkte abschotten wollen. Bei Kompromissfindungen wird es schwieriger.

Glauben Sie, dass weitere Länder austreten?

Nein. Ich glaube und hoffe, dass der Brexit singulär bleibt. Die EU hat viel zu bieten: Wir sind nicht nur der größte Binnenmarkt, sondern teilen gemeinsame Werte. Freundschaften entstanden über Grenzen hinweg. Ich wünsche mir, dass es sich die Briten eines Tages überlegen, wieder in die EU zurückzukehren. Schotten, Iren und viele junge Menschen waren immer für den Verbleib.

Wird die EU für Deutschland jetzt teurer?

Ganz klar ist: Im Haushalt fehlen uns durch den Weggang der Briten jährlich zehn bis zwölf Milliarden. Aber für mich steht fest: Das kann nicht Deutschland alleine ausgleichen, das muss gerecht verteilt werden. Wichtig ist auch – und die Debatten laufen gerade –, dass wir genau definieren, was unsere Aufgaben sind. Es sind ja neue dazu gekommen, etwa der stärkere Schutz der Außengrenzen oder die Umsetzung des Grünen Deals.

Das Gespräch führte Hans Moritz.

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