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So kämpft das Erdinger Kino ums Überleben

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Von: Mayls Majurani

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Seit Montag sind die deutschen Kinos wieder geschlossen. Doch wie kommen sie über die Runden in dieser Zeit? Die Geschäftsführerin des Cineplex-Kinos erklärt es.
Die Tür bleibt zu: Seit Montag ist das Cineplex Erding geschlossen. Kinos in Deutschland mussten bereits von März bis Juni den Betrieb einstellen. Ein wirtschaftliches Arbeiten war seit Pandemie-Beginn im Erdinger Filmtheater nicht möglich. © Mayls Majurani

Seit Montag sind die deutschen Kinos wieder geschlossen. Doch wie kommen sie über die Runden in dieser Zeit? Die Geschäftsführerin des Cineplex-Kinos erklärt es.

Erding4961 Kinosäle gibt es laut der Filmförderungsanstalt in Deutschland. Zehn davon befinden sich im Erdinger Cineplex-Kino. Seit Montag stehen sie alle leer. Der zweite Lockdown. Dabei hatten sich die Kinos noch nicht mal vom ersten richtig erholt. Kinobetreiber ringen sich durch eine Zeit mit wenig Zuschauern, wenig Filmen und wenig Geld.

„Zwischen den Lockdowns hatten wir ungefähr ein Drittel unseres normalen Zuschaueraufkommens“, berichtet Veronika Fläxl, Geschäftsführerin des Cineplex Erding. Das sei zwar ein erfreulicher Zuspruch, wenn man die Zugangsbeschränkungen und den Mangel an neuen Filmen im Blick behält, von Wirtschaftlichkeit könne aber nicht die Rede sein: „Seit Beginn der Beschränkungen hatten wir keinen einzigen Tag, an dem wir ein positives Ergebnis schreiben konnten“, erzählt die 40-jährige Kino-Chefin. „Wir sind sogar von einem schlechten Monat in Normalzeiten weit entfernt.“

Verständnis hat Fläxl für die Maßnahmen aber trotzdem. Denn bei den hohen Infektionszahlen müsse die Politik eben durchgreifen. Und wenn Schulen, Kitas und die Wirtschaft Priorität haben, muss nunmal die Freizeit- und Kulturbranche kürzer treten. „Das ist aus meiner Sicht nicht unbedingt fair“, meint sie, fügt aber an: „In einer Pandemie spielt Fairness nicht die wichtigste Rolle.“

„Die Taschen sind mittlerweile leer“

Trotzdem wird die Kulturbranche hart getroffen. Die Cineplex-Mitarbeiter müssen nun wieder in die Kurzarbeit. Entlassungen hat es auch schon gegeben, erzählt Fläxl. Das Kurzarbeitergeld sei für viele Betroffene nicht ausreichend. „In der Kulturbranche verdienen die Menschen meist keine Rolex“, sagt die 40-Jährige. „Natürlich kann ich als Arbeitgeber aufstocken, aber von was denn? Unsere Taschen sind mittlerweile leer.“ Die verteilten Hilfsgelder seien keineswegs als Ausgleich gedacht, erklärt Fläxl: „Es ist nicht so, dass wir schließen und dann Geld geschenkt bekommen. Die Politik unterstützt uns tatsächlich mit teils signifikanten Beträgen. Die sind aber nur dazu da, um eine mögliche Insolvenz zu verhindern –nicht mehr.“

Die 75 Prozent des Vorjahresumsatzes, die vom Bund in Aussicht gestellt wurden, gelten laut Fläxl nicht für das Erdinger Cineplex. „Die Kriterien sind sehr scharf, da werden nur wenige in den Genuss kommen“, sagt sie. Die 40-Jährige rechnet dafür aber mit weiteren Fördermitteln und lobt vor allem die bayerische Staatsregierung: „Der Freistaat hat seit Pandemie-Beginn verschiedene Hilfstöpfe eingerichtet und reagiert auch relativ schnell, wenn die Mittel ausgeschöpft sind oder wegen harten Kriterien fast ungenutzt bleiben.“

Das erste Jahr ohne Marvel-Film

Anspruchsvoll sei das Beantragen der Mittel dennoch. Die Formalien seien teils sehr kompliziert, und die Gelder kämen von verschiedenen Stellen und Programmen. „Vor allem kleinere Betriebe tun sich da bestimmt sehr schwer“, meint Fläxl. Ihre persönliche Lernkurve während der Pandemie sei bislang sehr steil. Trotz der guten Beratung durch eine Steuerkanzlei sowie den Cineplex-Verbund „müssen wir immer auf dem neuesten Stand sein. Wer sich gut auskennt, bekommt das Geld auch“. Kredite habe Fläxl auch schon aufgenommen, ohne zu wissen, wann sie es wieder zurückzahlen kann.

Zu schaffen macht den Kinos auch die magere Anzahl an neuen Filmen. Hollywoodblockbuster fehlen weiterhin – in den USA verläuft die Pandemie wesentlich schlimmer als in Deutschland. Beispielsweise erschien heuer erstmals seit zehn Jahren kein neuer Marvel-Film. Aber Fläxl bleibt optimistisch: „Einige Verleiher haben uns schon neue Filme für den Dezember in Aussicht gestellt. Und auch die meisten verschobenen Produktionen werden irgendwann im Kino landen“, ist sie überzeugt.

Der nächste ungeduldig erwartete Film in den deutschen Kinos wird wohl der neue Eberhofer-Krimi „Kaiserschmarrndrama“ sein, der ab dem 12. November laufen sollte. Im November wird es in den Kinos aber dunkel bleiben. Im Dezember auch, dann aber hoffentlich mit Filmen auf der Leinwand und Menschen auf den Sitzen.

Mayls Majurani

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