Bildung in der Corona-Krise: Der Schulunterricht findet nun zu Hause statt – außer die Eltern sind in systemrelevanten Berufen tätig.
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Online-Plattformen sorgen dafür, dass den Sch ülern der Lernstoff nicht ausgeht.

Wenn die Küche zum Klassenzimmer wird

So läuft dank Internet der Unterricht daheim

Bildung in der Corona-Krise: Der Schulunterricht findet nun zu Hause statt – außer die Eltern sind in systemrelevanten Berufen tätig.

Erding Obwohl die aktuelle Lage rund um das Corona-Virus einen normalen (Schul-) Alltag unmöglich macht, arbeiten die Lehrer im Landkreis auf Hochtouren. Durch Online-Lernplattformen und
-material wird enger Kontakt zu den Schülern gepflegt, um deren Lernfortschritte auch in dieser schwierigen Zeit zu begleiten.

Ein großes Engagement, das laut Michael Oberhofer, Kreisvorsitzender der Lehrergewerkschaft BLLV und Rektor der Grund- und Mittelschule Isen, mit einem durchweg positiven Feedback belohnt wird. „Unsere Lehrkräfte sind von morgens bis abends mit den Schülern in Kontakt, arbeiten vielfältig und bedürfnisorientiert.“

Telefonsprechstunden für Eltern und Schüler

So werden beispielsweise neben dem Lernmaterial, das zum Teil bei technischen Problemen per Post verschickt wird, auch Telefonsprechstunden für Eltern und Schüler angeboten. Es können jederzeit Fragen gestellt werden, um die zur Verfügung gestellten Materialien bestmöglich bearbeiten zu können. Diese werden dann von den Lehrkräften korrigiert.

Das Korbinian-Aigner-Gymnasium in Erding hat sich schon früh mit dem Thema Unterrichtsbeeinträchtigung auseinandergesetzt und bereits vor dem Schulschließungen eine Fortbildungskampagne für Lehrkräfte gestartet, berichtet Direktorin Andrea Hafner.

Notbetrieb in 15 Grund- und Mittelschulen für 26 Kinder

Seit drei Wochen können sie die rund 1000 Schüler über den Online-Weg ausreichend mit Material versorgen. Ebenso werden, an den Stundenplan angelehnt, Unterrichtsstunden in Form von Videokonferenzen gehalten, berichtet Hafner. Zunächst in erster Linie für die Abiturienten vorgesehen, wurde dieses System angesichts der aktuellen Lage schnell auf alle Jahrgangsstufen ausgedehnt.

Wer in krisenrelevanten Berufen arbeitet, darf seine Kinder auch in die Schule schicken – bis zur sechsten Jahrgangsstufe. Es sind aber nur wenige, die dieses Notprogramm in Anspruch nehmen. In 15 Grund- und Mittelschulen werden derzeit 26 Kinder unterrichtet und betreut, berichtet Schulamtsleiterin Marion Bauer.

AFG setzt auf Kombination aus Spaß und Lernfortschritt

Dabei werden Lernangebote zur Verfügung gestellt, die sich aufs Wiederholen und Vertiefen von Gelerntem fokussieren. Es sind kleine Gruppen, damit der Sicherheitsabstand gewahrt bleibt.

Diese Betreuung findet auch am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) Erding sowohl am Vor- als auch am Nachmittag statt und wird in die Osterferien verlängert, teilt stellvertretende Schulleiterin Susanna Räde mit. Das AFG etwa setzt mit Tier- und Sprachfilmen oder mathematischen Rätseln auf eine Kombination aus Spaß und Lernfortschritt.

3900 Kinder in der Notbeschulung in ganz Bayern

Bayernweit nutzen nach Angaben des Kultusministeriums 3900 Kinder die Notbeschulung. An 1700 von 6200 Schulen im Freistaat gibt es dieses Angebot. Hinzu kommen 7000 Mädchen und Buben, die trotz der Schließung in Kitas gehen, weil ihre Eltern Polizisten, Pfleger oder Ärzte sind.

Auch die Realschule Taufkirchen ist bestens auf die Betreuung ihrer Schüler vorbereitet. „Die Betreuung erfolgt jahrgangsangemessen und an den Hauptfächern orientiert“, so Konrektorin Judith Heugel. „Es ist wichtig, die Zeit sinnvoll zu nutzen.“

„Kein Kind soll im Nachteil sein“

Dieser Meinung ist auch Gerd Neubert, stellvertretender Schulleiter der Herzog-Tassilo Realschule. Da der Unterricht momentan hauptsächlich online stattfinde, müssten die Schüler auch in der Notfallbetreuung den Zugang zu diesem Material haben können. An Neuberts Schule wird die Plattform Mebis eingesetzt.

Trotz dieses weitreichenden Angebots fragen sich viele Familien: Reicht das? Droht mein Kind das Klassenziel zu verfehlen? Auch die Frage, ob das Schuljahr bei unveränderter Lage eventuell sogar annulliert wird, ist präsent. „Das wird bei uns an der Grund- und Mittelschule immer individuell entschieden. Kein Kind soll im Nachteil sein, es wird immer aus pädagogischer Sicht gehandelt“, versichert Oberhofer. Es sei verfrüht, jetzt zu spekulieren, ob das gesamte Schuljahr annulliert wird. „Man muss sich auch die Konsequenzen vor Augen halten, die eine solche Entscheidung mit sich bringen würde. Sie muss daher sehr genau durchdacht werden.“

Katharina Kronthaler

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