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Nachverdichten im Innenraum - das ist die Devise, so wie hier an der Münchener Straße in Erding.

In die Höhe statt in die Breite

So will die Politik weniger Fläche verbrauchen

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Der viel beklagte Flächenfraß, er findet auch in Erding statt. Landkreis und Gemeinden gehen jetzt aktiv dagegen vor. Das könnte Konsequenzen für Bauherren und Investoren haben.

Erding – 32,1 Hektar Fläche sind 2012 im Landkreis umgenutzt, sprich „verbraucht“ worden. 2018 waren es 41,6. In diesem Bereich bewegt sich die jährlich neu hinzukommende Flächennutzung. Kreis und Gemeinden ist das zu viel, zumal weiter das Damoklesschwert über ihnen schwebt, dass der bayernweite tägliche Flächenverbrauch per Gesetz bei fünf Hektar eingefroren wird. Deshalb hat Landrat Martin Bayerstorfer vor einem Jahr die Arbeitsgruppe „Flächensparendes Bauen“ ins Leben gerufen – mit Bürgermeistern, Kreisverwaltung und Landwirtschaft. Erding spiele eine Vorreiterrolle. „Das gibt’s andernorts noch nicht.“

Der Politik ist klar: Verbote sind der falsche Weg, zumal diese die kommunale Planungshoheit einschränken würden. Die Arbeitsgruppe setzt stattdessen auf Vernunft, Lerneffekte, Sensibilisierung und freiwillige Bereitschaft. Ihre Hoffnung: Die im März 2020 gewählten Stadt- und Gemeinderäte erklären den sorgsamen Umgang mit Grund und Boden zur freiwilligen Selbstverpflichtung.

Checkliste für Bauamt und Bauwerber

Und wie bringt man 26 Kommunalparlamente und Verwaltungen dazu, sich gemeinsamen Regeln zu unterwerfen? Die Arbeitsgruppe hat eine Checkliste erarbeitet. Bayerstorfer meint, man könne künftig auf drei statt zwei Vollgeschossen drängen und das in Bebauungsplänen vorgeben. Stellplatzsatzungen könnten explizit Tiefgaragen vorschreiben.

Die Kommunen hätten im Rahmen der Bauleitplanung die Möglichkeit, etwa bei Einkaufsmärkten auf Tiefgaragen statt riesiger Parkplätze zu bestehen. Investoren könnten angehalten werden, Ladenzeilen höher als eingeschossig zu realisieren. „Dann könnte und sollte darüber weitere gewerbliche Nutzung erfolgen“, so der Landrat. Wohnraum lehnt er hier ab – zu viel Konfliktpotenzial. Infrage stellen sollte man, ob Bauhöhen zum Ortsrand hin abnehmen müssen.

Ortskerne müssen verdichtet werden

Er und Bürgermeistersprecher Hans Wiesmaier setzen vor allem auf Verdichtung in den Ortskernen. „Wir wollen in den Dörfern keinen Geschosswohnungsbau, aber was ist gegen drei Vollgeschosse einzuwenden“, fragen sie. Erfreulich sei, dass der Staat den Einbau von Wohnungen in alten Bauernhöfen erleichtert habe.

Wiesmaier sieht im Flächensparen ein zentrales Zukunftsthema. „Wir wollen Bürger und Architekten sensibilisieren und zur Selbstverpflichtung ermutigen.“ Das sei besser als eine staatlich verordnete Einschränkung. Die Fünf-Hektar-Regelung, die den Grünen vorschwebt, ist laut Wiesmaier nicht nur schwammig, sie würde die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommunen radikal einengen oder gar stoppen.

Landwirte fürchten um die Basis ihrer Existenz

Bauern-Kreisobmann Jakob Maier sieht dringenden Handlungsbedarf, „weil uns Landwirten zunehmend die Existenzgrundlage und die Basis, Lebensmittel zu produzieren, genommen wird“. Die Entwicklung bereite ihm Sorgen. Es gebe dramatische Beispiele für Flächenfraß, etwa Erding-West oder das ausufernde Korbinian-Aigner-Gymnasium. HANS MORITZ

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