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Wolfgang Fritz (70) ist Initiator der Solawi. 

Bürger wollen eine „Solidarische Landwirtschaft“ gründen und sich damit selbst versorgen

Bauernhof zum Mitmachen gesucht

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Regionale, vor Ort hergestellte Lebensmittel sind seit dem Artenschutz-Volksbegehren und Lieferengpässen zu Beginn der Corona-Krise in aller Munde. Eine Gruppe engagierter Bürger will Nägel mit Köpfen machen – und eine so genannte „Solidarische Landwirtschaft“ (Solawi) gründen.

Erding/Oberding - Zur Umsetzung suchen die Initiatoren, etwa 20 Bürger aus dem Großraum Erding, um den Oberdinger Künstler und neu gewählten Grünen-Kreisrat Wolfgang Fritz, einen Landwirt oder eine Hofstelle, „damit wir gemeinsam dieses Projekt starten können“, erklärt der 70-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Bevorzugte Gemeindegebiete sind Erding, Moosinning, Oberding, Eitting, Neuching und Berglern.

Das Ideal einer Solawi ist nach Fritz’ Worten „ein vielseitiger bäuerlicher Betrieb, der einen Kreis von Menschen mit Lebensmitteln aus ökologischem Landbau versorgt. Diese Gruppe finanziert die landwirtschaftliche Tätigkeit, teilt sich die Ernte und trägt die Risiken gemeinsam mit den Bauern.“ Sie würden so zu „Mitbauern“ in „ihrem“ Betrieb und trügen dadurch „Verantwortung für ein Stück Erde, für die Art und Weise, wie diese bewirtschaftet wird und dafür, dass sie auch in Zukunft fruchtbar bleibt“.

Initiator: Es gibt nur Gewinner

Der frühere Lehrer für Sport, Geschichte, Sozialkunde und Ethik am Anne-Frank-Gymnasium in Erding sieht bei der Solawi nur Gewinner. Die „Mitbauern“ könnten sich aktiv am regionalen und ökologischen Landbau beteiligen und dabei Lebensmittel vor Ort erzeugen. Dabei wüssten sie um die Herkunft und die Anbaubedingen. „Nicht zuletzt unterstützen wir damit eine sinnvolle Art der Landnutzung und der Pflege der Kulturlandschaft“, erklärt der Oberdinger.

Für den Hof und das Land bedeutet Solawi „den Schutz der biologischen Vielfalt und der natürlichen Lebensgrundlagen“. Ackerland in der Region werde erhalten, ebenso kleinbäuerliche und vielfältige Betriebsstrukturen. „Nicht zuletzt wollen wir eine lokale Versorgungsökonomie aufbauen“, sagt der Initiator.

Die Last wird auf mehrere Schultern gelegt

Aber auch der Landwirt als Partner profitiert in Fritz’ Augen. Denn er könne bedarfsgerecht erzeugen und kenne seine Abnehmer. Verantwortung und Risiko würden auf mehrere Schultern verteilt. Nicht zuletzt ist Fritz davon überzeugt, dass Solawi „zur Existenzsicherung durch ein planbares und gesichertes Einkommen beiträgt“. Die Kostendeckung wäre bereits während der Erzeugung gewährleistet – und nicht erst nach dem Verkauf.

Fritz schwebt vor, dass Solawi beispielsweise mit Gemüseanbau beginnen könne, um die Produktpalette sukzessive etwa um Getreide, Milch und Fleisch erweitern zu können.

Ein Fernsehbeitrag war der zündenden Moment

Auf die Idee gekommen ist Fritz, nachdem er in einem Fernsehbeitrag etwas von Solawi gesehen hatte. In Burgkirchen an der Alz hat er dann eine Solawi kennen gelernt. „Für mich ist das die Landwirtschaft der Zukunft.“ Der pensionierte Pädagoge stellt klar: „Der Landwirt ist und bleibt der Chef. Er entscheidet.“ Die Solawi-Mitglieder könnten Ideen einbringen. Doch nicht nur ideell werden sie gefordert sein. „Natürlich beteiligen wir uns dann etwa beim Anbau oder der Bewirtschaftung des Hofes“, verspricht Fritz.

Verein oder Genossenschaft

Als Organisationsform schweben ihm etwa eine Genossenschaft oder ein Verein vor. „Die Mitglieder müssten dann Anteile einzahlen.“ Jedes Jahr gebe es einen Rahmen, was angeschafft und was erzeugt werden solle.

Der Landwirt sei auch nicht alleine an die Solawi gebunden, sondern könne darüber hinaus auch andere Märkte bedienen. Wie groß der Solawi-Mitgliederkreis werden wird, entscheidet sich, wenn Fritz einen Landwirt beziehungsweise eine Hofstelle gefunden hat: „Das erste Samenkorn ist gesetzt, jetzt muss die Saat erst aufgehen.“

Kontakt Interessierte Landwirte oder Inhaber einer Hofstelle können sich per Mail unter kwolfgangfritz@googlemail.com an Wolfgang Fritz wenden.

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