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Schatten über der Sparkasse Erding-Dorfen: Die EZB-Zinspolitik zwingt das Haus zu unpopulären Entscheidungen.

2500 Kunden betroffen – Negativzinsen nicht refinanzierbar

Sparkasse kündigt Prämiensparverträge

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Die Null- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank schlägt jetzt voll auf die Sparer durch. Die Sparkasse Erding–Dorfen sieht sich gezwungen, langfristige und vergleichsweise gut verzinste Prämiensparverträge zu kündigen.

Erding -  Pressesprecher Johann Kiermaier berichtet von 2500 betroffenen Kunden. Beschwerden gebe es nur vereinzelt.

Kiermaier stellt klar, dass „ein Kündigungsrecht der Sparkasse in den Verträgen nicht explizit ausgeschlossen ist. Insofern handelt es sich nicht um Verträge, die auf Ewigkeit geschlossen sind.“ Solche Verträge würden seit Jahren aufgelöst, die Sparkasse Erding–Dorfen habe bislang „zum Kundennutzen davon abgesehen“. Doch nun müsse man gegensteuern.

Grundlage ist ein BGH-Urteil

Bei der Kündigung beruft sich das Kreditinstitut auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 14. Mai dieses Jahres. Die Karlsruher Richter hatten darin ein ordentliches Kündigungsrecht nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei erstmaligem Erreichen der höchsten Prämienstufe von 15 Jahren bestätigt und zudem festgestellt, dass die anhaltende Niedrigzinsphase diesen Schritt rechtfertige.

Kiermaier bittet um Verständnis: „Die Prämiensätze im derzeitigen Minuszinsumfeld sind für die Sparkasse nicht mehr zu refinanzieren.“ Sprich: Die Folgen der EZB-Politik gehen den Geldhäusern immer mehr an die Substanz. Bis zu diesem Schritt, sagt Kiermaier, habe man den Sparern „eine sehr gute Anlagemöglichkeit geboten, von der die Kunden jeweils 15 Jahre lang profitiert hatten“.

Auch Genossenschaftsbanken geraten zunehmend unter Druck

Direkte Alternativen kann die Sparkasse laut ihrem Sprecher bislang nicht anbieten. Man bespreche aber mit jedem Kunden individuell neue Formen, Geld anzulegen. „Sofern keine lang gehegten Wünsche anstehen, zeigen wir Möglichkeiten zur Kapitalanlage auf.“

Die Genossenschaftsbanken im Landkreis haben bisher keine Sparverträge gekündigt. Johann Luber, Vorstandschef der VR-Bank Erding und Vorsitzender des Kreisverbands, sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass nicht alle Volks- und Raiffeisenbanken Sparverträge mit so langen beziehungsweise unbefristeten Laufzeiten anböten. Aber er gibt auch zu, dass sich der Druck auf die Geldhäuser massiv verschärfe – wegen der EZB-Zinspolitik. „Für eine zehnjährige Bundesanleihe – an sich ein sicheres Wertpapier – ist derzeit einen Minuszins von 0,50 Prozent fällig“, klagt Luber.

Strafzinsen bald auch für Privatkunden?

Die Banken stünden vor dem Problem, für das Geld ihrer Kunden, das die Institute anlegen, entweder gar nichts zu bekommen oder sogar Strafzinsen bezahlen zu müssen. Diese Differenz gebe man bei hohen Summen bereits an Firmenkunden weiter. „Vor zwei Jahren hätte ich mich nicht getraut zu sagen, dass das bei großen Beträgen auch Privatkunden treffen kann. Heute kann das niemand mehr ausschließen“, so Luber. Sich in diesem Zinsumfeld zu behaupten, „ist für uns die allergrößte Herausforderung“.

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