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Hier gehen in zwei Monaten die Lichter aus: Das Sport- und Modegeschäft Gerlspeck an der Langen Zeile.

Zwei Läden stehen vor dem Aus

Sport Gerlspeck schließt für immer - die Konkurrenz wurde zu groß

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Immer schärfere Konkurrenz im Internet und große Gewerbegebiete am Stadtrand: Erding verliert ein eingesessenes, inhabergeführtes Geschäft.

Erding - Bis Ende März wird Dieter Gerlspeck sein Sporthaus an der Langen Zeile schließen. Einen Monat später folgt die Filiale im Sempt-Markt in Aufhausen. Von der Schließung nicht betroffen sind die Geschäfte seiner Geschwister: das direkt angrenzende Schuhgeschäft von Rainer Gerlspeck, der auch im Sempt-Markt bleiben wird, und der Lagerverkauf von Sabine Schreder an der Franz-Brombach-Straße.

Dieter Gerlspeck, der das Geschäft mit seiner Frau Janette führt, steckte zuletzt immer wieder in wirtschaftlichen Turbulenzen. Im Frühjahr 2014 hatte seine Verbandsbank, die die Einkäufe vorfinanziert hatte, alle Kredite völlig unerwartet auf fällig gestellt. Sport Gerlspeck rutschte bekanntlich in die Insolvenz, kam aber wieder auf die Beine.

Die grundlegenden Probleme waren damit aber nicht beseitigt. „Im Gegenteil, sie haben sich in den vergangenen Jahren mit zunehmendem Tempo verschärft“, klagt Gerlspeck.

Dass er jetzt aufgibt, sei aber keineswegs auf eine neuerliche Insolvenz zurückzuführen. „Es geht einfach nicht mehr. Wir haben immer wieder private Mittel zugeschossen.“ Im Sommer habe er sich schweren Herzens entschieden, die Reißleine zu ziehen. Das habe auch der Steuerberater geraten: „Machen wir uns nichts vor, wir sind nicht rentabel.“

Besonders zu schaffen macht ihm der nach wie vor wachsende Onlinehandel. Seiner Erfahrung nach kaufen sieben von zehn Kunden nach ausführlicher Beratung im Geschäft danach im Internet. Den Herstellern wirft Gerlspeck vor, diesen Trend noch zu befeuern – indem sie ihre Produkte direkt ab Werk im Netz absetzen. „Die nehmen die Händlermarge gleich mit.“

Als Beispiel zeigt er eine Facebook-Seite von Adidas. Dort kann man sich die Neuheiten ansehen und sofort bestellen. Die Seite hat über 30 Millionen (!) Follower. 43 Prozent aller Sportartikel würden bereits übers Internet verkauft – Tendenz steigend.

Das Genick gebrochen habe ihm aber auch die Konkurrenz am Standort. „Erste spür- und messbare Veränderungen ergaben sich durch den Bau der riesigen Gewerbegebiete in Erding-West. Die Folgen waren Umsatzeinbußen durch stagnierende Kundschaft.“ Dieses Problem hätten alle Einzelhändler in den Innenstädten.

Bei Dieter Gerlspeck kommt hinzu, dass er an der Langen Zeile nur Mieter ist, was zusätzliche Kosten verursacht. Er betont jedoch, dass ihm der Erdinger Weißbräu als Hauseigentümer stets partnerschaftlich gegenüber gestanden habe. 17 Angestellte hatte Sport Gerlspeck zuletzt. Sie habe er frühzeitig über den Schritt informiert. Die meisten hätten bereits neue Jobs gefunden, einige blieben, um Sport Gerlspeck abzuwickeln – nach 60 Jahren am Standort.

Aufgebaut hat das Unternehmen Hans Gerlspeck. Nach seinem Tod wurde es auf die Kinder aufgeteilt: Dieter übernahm das Sport-, Rainer das Schuhgeschäft und Schwester Sabine Schreder den Lagerverkauf. Die GmbHs sind eigenständig.

„Wir beide machen unverändert weiter“, versichert Rainer Gerlspeck, der auch Hauseigentümer an der Langen Zeile ist. Er ist gerade dabei, bis Mitte Februar die Verkaufsräume neben dem Sporthaus zu renovieren. „Ich werde die Segmente Sneakers und Wanderschuhe von meinem Bruder übernehmen und das Sortiment erweitern“, kündigt er an. Seinen Ladenanteil in Aufhausen behält er zunächst auch.

Und wie geht es mit Dieter Gerlspeck weiter? „Ganz ehrlich, ich weiß es noch nicht.“ Er möchte der Sportartikelbranche treu bleiben – „wo und wie auch immer“. Sein Areal an der Franz-Brombach-Straße, auf dem sich die Soccerhalle befindet, hat er an einen Investor verkauft, der dort eine größere Hotelanlage errichten will.

Für Sabine Schreder heißt das: Sie muss mit dem Lagerverkauf umziehen, hat aber bereits eine neue Adresse in der Nähe. Im Spätsommer könnte es soweit sein. Noch völlig offen ist, wer die Läden in der Altstadt und im Semptmarkt übernimmt. Sie werden bereits angeboten. Wo? Im Internet!

Räumungsverkauf:

Sport Gerlspeck beginnt am Donnerstag, 31. Januar, mit dem Räumungsverkauf. Zur Vorbereitung bleibt das Geschäft am Mittwoch, 30. Januar, geschlossen. In Aufhausen wird es später einen eigenen Räumungsverkauf geben.

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