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Einen Diesel-6-Sprinter verkehrt derzeit zwischen Eichenkofen und der Therme. Er soll mit Ausnahme von zwei Zeitfenstern von zwei Elektrobussen ersetzt werden. Neu ist auch die Anbindung des Kronthaler Weihers im Stundentakt.

Start mit zwei Fahrzeugen auf der Linie 580 am 13. Dezember

Erdinger Stadtbus wird elektrisch

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Mit einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt läuten die Stadt Erding und das Busunternehmen Scharf das Elektrozeitalter im Stadtbusverkehr ein. Ab 13. Dezember verkehren auf der Linie 580 Eichenkofen–Therme zwei Elektro-Kleinbusse. 

Erding - Weil es keine Serienfahrzeuge gibt, tüftelte das Tittenkofener Unternehmen selbst an einer Lösung auf der Basis des Mercedes Sprinter.

Zudem schufen die Inhaber eine Ladeinfrastruktur. Dazu stellen sie nicht nur Ladesäulen im Betriebshof in Tittenkofen auf. Sie verlegten auch eigene Leitungen und ließen ein Trafohaus errichten. Der 100-prozentige Ökostrom kommt von den Erdinger Stadtwerken.

Martin Scharf kündigte an, das werde nur der Einstieg in die Elektromobilität des ÖPNV in Erding sein. Ziel sei, auch die großen Busse auf E-Antrieb umzustellen. Dasselbe Ziel verfolgen auch der Landkreis und der MVV.

Stadtbusfahren wird damit nicht nur nachhaltiger, es wird ab 13. Dezember auch mehr Verbindungen geben. Denn auf der Linie 580, die quer durch die Stadt läuft, kommt ein 20- beziehungsweise 40-Minuten-Takt, kündigt Scharf an. Neu ist auch, dass erstmals das Naherholungsgebiet Erding-Nord rund um den Kronthaler Weiher ans Netz angeschlossen wird – im Stundentakt in beiden Richtungen.

Der reguläre 580er fährt ab Eichenkofen über Altham, Langengeisling, Fliegerhorst, Bahnhof Erding, Dorfener Straße, Rathaus, Heilig Blut und Klinikum zur Therme. Die Kronthaler-Weiher-Schleife fährt zudem die Haltestellen Stadtanger, Bachingerstraße, Grüner Markt, Freisinger Straße, Melkstattstraße, Anton-Bruckner-Straße, Ganghoferstraße und Weiher an, ehe er zur Dorfener Straße zurückkehrt. Das Gleiche gilt für die Gegenrichtung.

Scharf sprach am Dienstag im Verwaltungs- und Finanzausschuss von einer CO2-Einsparung von 83 Prozent, was pro Jahr 50 Tonnen weniger Klimakiller bedeute. Auf 100 Prozent komme man nicht, weil mittags beide Busse für zwei Stunden an die Stromtankstelle müssen. „Diese Fenster überbrücken wir mit zwei herkömmlichen Bussen, die allerdings über die modernste Diesel-6-Norm verfügen.“ Zudem müsse man an wenigen extrem kalten Tagen vorheizen – mit hybridfossiler Energie.

Weiter berichtete Scharf, dass man Batterien einsetze, die weder brennen noch explodieren können. Zudem seien sie recycelbar. Bewusst seien sie im Fahrzeug verbaut, weil sie sich so in einer für sie idealen Temperatur befänden.

Die Busse mit je 205 PS werden individuell für Erding umgerüstet, denn Serienfahrzeuge gibt es laut Scharf so gut wie keine. „Wir haben einen Hersteller in Spanien gefunden, der kommt für uns aber nicht in Frage.“ Dafür habe man Mechaniker ausgebildet, um die Busse warten und reparieren zu können.

Für Scharf Reisen ist das Pilotprojekt ein Wagnis. Zum einen, weil der Vertrag mit der Stadt nur noch drei Jahre läuft, zum anderen, „weil wir gut eine halbe Million Euro investiert haben“, so Martin Scharf. Allerdings verlange auch die EU die Umstellung des Nahverkehrs auf klimaneutrale Antriebe. Er selbst sehe mittelfristig „keine Alternative“ dazu. Seit 2017 wird in Tittenkofen getüftelt. „Die Pandemie hat uns gebremst, aber nun sind wir sehr stolz, dass es losgeht.“

ham

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