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Das idyllische Ensemble in der Indorfer Ortsmitte soll trotz baulicher Entwicklung und Umwandlung von Bauernhöfen in Wohnhäuser ebenso erhalten bleiben wie der dörfliche Charakter des Ortsteils im Südosten Erdings. 

Bebauungsplan für behutsame Entwicklung des Ortsteils – Bürger werden eingebunden

Indorf soll ein ländliches Dorf bleiben

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Wie soll sich der Erdinger Ortsteil Indorf in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Die Stadträte wollen, dass Indorf seinen dörflichen Charakter bewahrt - und stellt dazu einen Bebauungsplan auf. Mit intensiven Debatten ist zu rechnen.

Indorf/Erding – Der Zuzugsdruck auf die Region ist enorm, auch Erding und seine Ortsteile befinden sich im Strukturwandel. Immer mehr Höfe verschwinden und werden in Wohnraum umgewandelt; selbst kleine Weiler werden zunehmend dichter bebaut. In Indorf will die Stadt diesen Prozess mit einem Bebauungsplan steuern – und hat dabei den Erhalt dörflicher Strukturen und die Lebensgrundlagen der Landwirtschaft im Auge. Oberbürgermeister Max Gotz rechnet dennoch mit kontroversen Debatten – und verspricht einen engen Dialog mit den Indorfern.

Viele Indorfer in der Sitzung

Die waren am Donnerstag zahlreich in die Sitzung des Planungs- und Bauausschusses gekommen, die wegen des zu erwartenden Interesses in die Stadthalle verlegt worden war. Thomas Auer vom Stadtplanungsamt und Stadtbaumeister Sebastian Henrich stellten den Vorentwurf des Bebauungsplans vor. Die Idee eines die Indorfer Entwicklung regulierenden Bebauungsplans gibt es schon länger: Bereits im April 2010 wurde dieses Vorgehen beschlossen. Zehn Jahre später soll es umgesetzt werden – in einem nun auf 11,5 Hektar gewachsenen Gebiet. Einige Flurstücke in Randlage werden zusätzlich in die Planung mit aufgenommen. Die St.-Martin-Straße als Ortsdurchfahrt stellt die die zentrale Achse dar, so Auer. Verbunden werden solle der Bebauungsplan mit einem Grün- und Freiraumkonzept der Landschaftsarchitekten Narr-Rist-Türk. Das Marzlinger Büro hatte auch den Stadtpark und das Naherholungsgebiet Kronthaler Weiher neu geplant. Auer sprach von einer „städtebaulichen Rahmenkonzeption“.

St.-Martin-Straße als Entwicklungsachse

Als Grundsatz definierte Henrich: „Ziel ist es, den Charakter Indorfs als landwirtschaftlich geprägten Ortsteil mit den teils noch bewirtschafteten Höfen zu erhalten und zu stärken.“ Man wolle entlang der St.-Martin-Straße „eine geeignete Bebauung erreichen und gleichzeitig die Möglichkeiten einer weiteren Entwicklung aufzeigen“. Es gehe um eine „planerische Begleitung des Strukturwandels“. Denn die Stadt könne „ja niemand zwingen, die Landwirtschaft fortzuführen“. Ziel sei ein „größtmöglicher Konsens“ in Indorf. Die Dorfmitte mit der Kirche dürfe nicht angetastet werden, das sei ein denkmalrechtlich streng geschützter Bereich.

Gotz ist auf die Beteiligung gespannt

Gotz rechnet mit einer intensiven Debatte. „Ich bin auf die öffentliche Beteiligung gespannt, bei der viele Anregungen diskutiert werden dürften: „Da liegt einiger Sprengstoff drin.“ Der OB erinnerte an die Entwicklung des Ortsteils Siglfing. Dort habe man eine sehr intensive und urbane Bebauung zugelassen – auf Wunsch der Bewohner. „Hinterher haben einige aufgrund der regen Bautätigkeit beklagt, dass das ja gar nicht mehr ihr Dorf sei.“ Diese Entwicklung wolle er in Indorf vermeiden.

Auf Anfrage von Hans Balbach (Erding Jetzt) teilte der Stadtbaumeister mit, dass die Bebauung entlang des Jägerwegs nach der Bauordnung als so genannte Splittersiedlung betrachtet werde, die nicht vom Bebauungsplan erfasst werde.

Baufelder sind bewusst großzügig bemessen

Hans Fehlberger (FW) fielen die zum Teil recht großen Baufelder im Vorentwurf auf. Hier könne man doch stärker verdichten. Henrich erwiderte, dass man genau das verhindern wollte. Er verwies auf die Landgerichts- und die Flurstraße in Altenerding, so es gelungen sei, Höfe in Geschosswohnungsbau umzuwandeln, ohne das Ortsbild grundsätzlich zu verändern. Das sei auch in Indorf denkbar: „Bei zu großer Verdichtung geht der dörfliche Charakter verloren.“

Jetzt gilt erst einmal eine Veränderungssperre

Hubert Sandtner (CSU) verlangte eine „vollständige Bürgerbeteiligung“ und schlug eine Anliegerversammlung vor. Gotz meinte, das sei im Bebauungsplanverfahren nicht üblich, er wolle sich dem aber nicht verschließen. Die Beteiligung erfolge an sich über Eingaben im Rahmen des Verfahrens.

Der Ausschuss beschloss den Vorentwurf einstimmig und legte eine Veränderungssperre auf. Fehlberger erklärte, er kenne einige bauwillige Indorfer: „Geht jetzt vorerst gar nichts mehr?“ Rathaus-Jurist Andreas Erhard erklärte: „Die Sperre gilt für alle eingereichten, aber noch nicht beschiedenen Bauanträge, nicht aber für bereits genehmigte, aber noch nicht umgesetzte Vorhaben.“

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