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Kommentar: Aufstehen, Krone richten, wieder Politik machen

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Von: Hans Moritz

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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger. © Bauersachs Peter

Der Erdinger Stadtrat ist - wieder - in Harmonie vereint. Auf das Verhältnis Starker gegen Halbstarker nach der Kommunalwahl blickt Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zurück.

Vor fast zwei Jahren wirbelte der Wähler Erdings Stadtpolitik kräftig durcheinander. OB Max Gotz musste in die Stichwahl, seine CSU verlor Sitze. Wenn der starke Mann auf dem Schulhof stolpert, schlägt immer die Stunde der Halbstarken. Die fanden sich auch im Stadtrat und rotteten sich zusammen.

Das Ergebnis ist bekannt, der CSU wurde eine Abstimmungsniederlage nach der anderen beigebracht – um den Preis, den honorigen Zweiten Bürgermeister Ludwig Kirmair abgeschossen und mit Kreisbrandrat Willi Vogl einen kompetenten Feuerwehrreferenten verhindert zu haben.

Die CSU befand sich über ein Jahr in einer erstaunlichen Balance aus Schockstarre und tiefer Eingeschnapptheit. 2020 war nicht nur wegen Corona Erdings laschestes Politikjahr seit langem. Gotz verwies auf neue gestalterische Mehrheiten außerhalb der CSU. Die Halbstarken hatten indes nur bewiesen, dass sie raufen können, dass man auch echte Politik machen muss, überforderte einige. Die SPD hat es einmal versucht und zum Haushalt eine Flut von Anträgen gestellt – Masse statt Klasse.

2021 hat sich im Stadtrat dann der Wind aber doch wieder gedreht. Der neuen Anti-CSU-Mehrheit schien ihre Rolle nicht mehr so recht zu gefallen. Und Gotz merkte: Wenn ich jetzt das Heft nicht wieder in die Hand nehme, wird die Konversion des Fliegerhorsts, eine Jahrhundert-Aufgabe, nicht mit meinem Namen verbunden sein. Hinzu kamen Erfolge bei der Umsetzung des Projekts „Soziale Stadt“ in Klettham.

Kurzum, im Laufe der Monate wusste man gar nicht mehr so recht, warum es nach der Wahl überhaupt zu dem Zoff gekommen war. Gotz war bereit zu vergeben (aber nicht zu vergessen), und Petra Bauernfeind (FW) und Harry Seeholzer (EDJ) wollten als 2. und 3. Bürgermeister endlich auch mal was entscheiden beziehungsweise überhaupt mal auf einen der Besucherstühle in Gotz’ Amtszimmer, anstatt nur den Grüß-Gott-August zu geben.

2021 war das Jahr der Wiederannäherung, was bei den Haushaltsberatungen deutlich wurde – Harmonie in einer Dosis, dass man sich nur wundern konnte.

2022 könnte das Jahr des neuen Miteinanders sein. Gotz ist, hört man, bereit, seine Stellvertreter enger einzubinden, die Fraktionen haben sich schon deutlich aufeinander zubewegt. Es ist eine gute Entwicklung, weil Erding vor großen Weichenstellungen steht.

ham

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