Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Zukunft von Stadion und Volksfestplatz

Kommentar: Eine Debatte droht gefährlich auszufransen

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In der Erdinger Politik verläuft derzeit eine variantenreiche Debatte. OB Max Gotz ist seltsam passiv. Andere drängen sich in dieses Vakuum. Unser Kommentar zum Wochenende. 

Geografisch liegen Rathaus und Landratsamt nur ein paar hundert Meter weit auseinander, vom Auftreten her sind beide Behörden derzeit meilenweit voneinander entfernt. Manchmal fragt man sich, ob die Stadtverwaltung beim Umbau der Landshuter Straße aus Versehen mit vergraben wurde.

Nach einem Jahr Corona-Pandemie hat Landrat Martin Bayerstorfer seinen Ruf als Krisenmanager gefestigt. Den hatte er schon seit den Hochwasserkatastrophen ab 2005. Im Kampf gegen das Virus hat sich die Kreisverwaltung als schlagkräftige Truppe erwiesen – sei es mit der eigenen Herstellung von Desinfektionsmitteln in der ersten Welle, beim Aufbau von bis zu drei Teststellen oder der großzügigen Bestellung von Luftfiltern für die Schulen.

Bayerstorfer selbst kommt das Verdienst zu, die Balance zwischen Bevölkerungsschutz und den Bedürfnissen der Menschen gehalten zu haben. So viel Einschränkungen wie nötig, so viel Freiheiten wie möglich, lautet sein Credo. Die Idee, Lockerungen regional nach Inzidenzzahlen zuzulassen, hatte er vor Merkel & Söder.

Auf der anderen Seite die Stadt mit OB Max Gotz. Von ihnen hat man im Krisenjahr nicht viel gehört, auch nicht, als das Virus durch das Heiliggeist-Altenheim tobte. Doch auch sonst wirkt die Stadtpolitik seit der Wahl verstörend passiv.

Wie – um Himmels Willen – konnte sich die Debatte um die neuen Feuerwehrhäuser und die Zukunft des TSV-Stadions so verselbstständigen? Gotz hat Recherchen unserer Zeitung, das Stadion könnte der Abrissbirne anheimfallen, ohne große Erklärung und Einordnung bestätigt. Er hätte wissen müssen, welche Folgen das hat – erzürnte Sportvereine und die Gefahr des Eindrucks, Feuerwehr und Sport würden gegeneinander ausgespielt.

Die Debatte findet nicht im Stadtrat statt, sondern in täglichen Stellungnahmen der Fraktionen. Sie ufert immer weiter aus. Kein OB in Sicht, der die Anstrengung unternimmt, sie einzufangen. Da musste sein Fraktionssprecher Burkhard Köppen mit dem Hinweis in die Bütt, dass hier (noch) über ungelegte Eier diskutiert werde.

Wenn nun SPD-Fraktionschef Alexander Gutwill mit dem Hinweis auf Pläne für ein Feuerwehrhaus und ein Stadion mit Tribüne im Fliegerhorst daher kommt, mag er das Siegel der Verschwiegenheit einer internen Sitzung des Wettbewerbsgremiums für die künftige Stadtplanung gebrochen haben. Aber er zeigt auf, dass es weitreichendere Planungen gibt. Es wäre Aufgabe der Stadtspitze, gerade bei diesem heißen Eisen den Bürgern zu erklären, wohin sich Erding in den nächsten Jahrzehnten entwickelt. Doch der OB schweigt, seit er die Debatte selbst losgetreten hat.

Ob es Unbedarftheit oder Absicht war, dass das Vögelchen Gutwill gezwitschert hat, weiß nur er. Der Vorgang freilich ist symptomatisch für das neue Stadtparlament. Ihm ist das Verbindende abhandengekommen. Keiner traut dem anderen mehr über den Weg.

ham

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