Online-Unterricht klappte bei Florian Eichner aus Neuching gut. 
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Online-Unterricht klappte bei Florian Eichner aus Neuching gut. 

Prüfungsvorbereitung

Studenten in Zwangsurlaub

Nicht nur die Schüler, auch die Studenten sind zum Homeschooling verdammt. Während die meisten Schüler zuhause in Ruhe lernen können, wohnen Studenten oft beengt in Wohngemeinschaften oder Wohnheimen. Bei manchen kommt noch hinzu, dass der Verdienst des Lebensunterhalts ausfällt. Wir haben uns umgehört, wie es den Studenten im Landkreis ergeht.

Erding – Während die einen die Gemeinschaftsküche besetzen, nutzen die anderen das Wohnzimmer als Büro fürs Homeoffice. Mit 20 Studenten auf einem Haufen wird es mit Sicherheit nicht langweilig – aber auch eben selten ruhig. Gar nicht so einfach also, sich angemessen auf anstehende Prüfungen vorzubereiten. Durch die Kombination aus Corona-Krise und dem Leben in einem Studentenwohnheim ist es für Berfin Arslan jedoch Alltag.

Die 20-Jährige aus Erding studiert Jura im vierten Semester und befindet sich mitten in der Klausurenphase. „Dadurch, dass alle im Moment zuhause sind, ist hier kaum Ruhe, und man ist fürs Lernen echt schlecht dran. Da fehlt es mir wirklich sehr, in die Bib (Bibliothek, Anm. d. Red.) gehen zu können, um mich konzentriert vorbereiten zu können.“

Der doch sehr plötzliche Umstieg auf einen rundum online stattfindenden Studienalltag sei für sie nicht einfach gewesen. „Am Anfang war ich sehr überfordert. Jura an der LMU ist noch sehr konservativ, wir hatten kaum Online-Inhalte, und alles wurde als Präsenzunterricht abgewickelt.“ Inzwischen werden wichtige Quellen wie etwa BeckOnline, eine große Sammlung an Lehrbüchern, auch für den Heimzugang angeboten. Zuvor war der Zugriff darauf nur über das Wlan der Universität möglich.

Arslan erzählt, dass sie, nachdem sie sich nun an die Situation gewöhnt habe, die Online-Vorlesungen in Form von Podcasts aber tatsächlich schon etwas bevorzuge. So könne sie in ihrem eigenen Tempo arbeiten und während des Hörens auch gleichzeitig andere Dinge erledigen. Sie hofft, dass ihr dieses Semester keine Nachteile bringt.

Aktuell befindet sie sich auf Jobsuche. „Finanziell habe ich zum Glück keine Probleme, da ich BAföG bekomme, und das hat sich ja nicht geändert. Ich will aber trotzdem nebenbei arbeiten, und das ist aktuell wirklich nicht leicht.“ Die Stellenangebote würden nicht unbedingt mehr, auf der anderen Seite hoffen viele junge Leute sehr, doch irgendwo einen Job zu finden.

Genau das stellt sich für Luana Weiß als großes Problem heraus. Nachdem sie bereits zwei Semester lang Übersetzen und Dolmetschen studiert hatte, will die 20-Jährige aus Kirchasch jetzt lieber ein duales Studium im Bereich Marketing-Management beginnen. Derzeit sucht sie in dessen Rahmen nach einem Praxisunternehmen. „Durch Corona erweist sich das als sehr problematisch, da viele Unternehmen dieses Jahr die Stellen von uns Studenten aufgrund der Krise nicht besetzen werden“, schildert sie die aktuelle Situation.

Weiß hat bereits sehr viele Bewerbungen verschickt – bisher aber alle ohne Erfolg. Der Grund für die meisten Absagen: das diesjährige Nicht-Besetzen vieler Plätze. „Es ist einfach sehr frustrierend, wenn sich die Mühen, die man in die ganzen Bewerbungen steckt, nicht auszahlen“, fügt Weiß hinzu. „Bis jetzt steht nicht einmal fest, ob ich innerhalb der Bewerbungsfristen überhaupt noch etwas finde. Wenn das der Fall ist, kann ich mein Studium im Oktober nicht beginnen.“

Mehr Glück hat Florian Eichner aus Neuching. „Unsere Hochschule hat sehr gut reagiert, und pünktlich zum Sommersemester konnten alle Studenten auf die Online-Lehre zugreifen“, erzählt der 20-Jährige, der im zweiten Semester Mode- und Designmanagement an der Akademie für Mode und Design in München studiert. Online-Plattformen wie Zoom und GoToMeeting bieten einen einfachen Ablauf, um Lerninhalte trotz allem ermöglichen zu können.

Auch Leistungsnachweise hat der Neuchinger problemlos online in Form von Präsentationen erbringen können, Feedback von seinem Professor bekommt er über individuelle Videokonferenzen. „Ich sehe das alles wirklich sehr positiv“, sagt Eichner weiter. „Meine Hochschule orientiert sich daran, Inhalte nicht zu begrenzen, und auch praktische Inhalte bleiben erhalten.“ Unter Hygienemaßnahmen konnten diese in speziellen Räumen an der Hochschule in Präsenzunterricht stattfinden.

Das Einzige, das Eichner zwischenzeitlich Probleme bereitet habe, sei der finanzielle Aspekt seines Studiums gewesen. Monatliche Kosten mussten trotzdem weiter beglichen werden, der Nebenjob als Kellner und damit ein großer Teil der Absicherung seien jedoch weggefallen. „Da ich privat studiere, aber nicht arbeiten konnte, war es in letzter Zeit sehr schwierig, auf alle Fixkosten zu kommen. Das war alles andere als einfach.“ Durch die Wiedereröffnung der Gastronomie sei das inzwischen wieder leichter und eine Sorge weniger für den jungen Studenten in einer „doch sehr verwirrenden Zeit“, wie er sagt.

Arslan fasst die Lage an den Universitäten folgendermaßen zusammen: „Als Studentin fand ich das Schlimmste am Anfang, dass man kaum vorausschauen konnte, wie sich die ganze Situation entwickelt und man komplett aus seinem Rhythmus geworfen wurde“, sagt die junge Frau und ergänzt: „Ich hoffe sehr, dass zum nächsten Semester alles wieder weitestgehend normal wird. Neben der Uni fehlt einem schließlich extrem die Nähe zu Kommilitonen, und auch den Professor mal persönlich zu sehen, ist manchmal einfach ganz angenehm. So aber verliert man das Gefühl, Student zu sein. Stattdessen fühlt man sich eher gefangen in einem endlosen Zwangsurlaub.“

(Kathi Kronthaler)

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